01. September 2018, 10:00 Uhr

Landwirtschaft

Bauern warten auf Regen

Die Ernte ist zum größten Teil eingefahren. »Etwa 30 Prozent weniger als in einem normalen Jahr«, schätzt der Vorsitzende des Bauernverbands, Manfred Paul. Was das Land jetzt braucht, ist Regen.
01. September 2018, 10:00 Uhr
Ein Mähdrescher bei der Getreideernte, hier in einem Gerstenfeld. (Archivfoto: dpa)

Regen. Mal fünf Tage leichten Landregen. Das ist genau das, was sich Manfred Paul derzeit sehnlichst wünscht. Während sich die meisten Menschen darüber freuen, dass der Sommer noch ein paar Tage in die Verlängerung geht, leidet die Landwirtschaft unter der Trockenheit, weiß der Vorsitzende des Bauernverbands Gießen/Wetzlar/Dill. Denn das, was jetzt nicht gemacht werden kann, das hat Folgen für das kommende Jahr.

Mit einem blauen Auge davongekommen

Wobei die Ernte gar nicht so schlecht ausfallen wird – auch wenn es voraussichtlich rund 30 Prozent weniger sind als in einem normalen Jahr. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Die Ernte ist zwar eingefahren, aber noch nicht überall gewogen. Manfred Paul geht jedoch davon aus, dass die heimischen Bauern keine großen Ansprüche auf Entschädigungen stellen. »Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen«, sagt er.

In Sorge um die Rüben

Art und Umfang der Einbußen durch die Trockenheit hängen auch vom jeweiligen Standort und von der Frucht ab. Weizen und Gerste waren wohl ganz okay. Beim Raps oder dem Mais sieht es wohl schlechter aus, und auch bei den Rüben, die vor allem im Süden des Landkreises und in der Wetterau eine Rolle spielen, werden Ausfälle erwartet. Auf den Raps hat sich der vergleichsweise lange kalte Winter ausgewirkt, sodass die Pflanzen etwas vorgeschädigt waren, berichtet beispielsweise Daniel Seipp aus Muschenheim. Dann wurde es im Frühling sehr schnell sehr warm, und es kam die Trockenheit hinzu. Auch der Mais hat darunter gelitten. Je nach Standort blieb er kleiner, setzte weniger oder teils auch gar keine Kolben an – das fehlt in der Ernte.

Bei den Rüben rechnet der junge Landwirt aus Muschenheim sogar mit erheblichen Einbußen. Auch die haben durch die Trockenheit auf die Ohren bekommen – und wenn es weiter trocken und damit der Boden steinhart bleibt, dann stellt sich die Frage, wie die Rüben aus dem Acker geholt werden können.

Es war zu trocken

Beim Grünschnitt zeigt sich für die Bauern ebenfalls ein Trockenheitsproblem: Der erste Schnitt im Frühling war gut, der zweite noch okay – und dann ist nichts mehr gewachsen. Ein dritter Schnitt fehlt in diesem Jahr. Die Tiere auf die Weide zu stellen, bringt auch nichts. Da denkt der eine oder andere Viehhalter schon darüber nach, den Bestand zu reduzieren, hat Paul von Kollegen gehört. Aber einmal abgeschaffte Tiere fehlen dann auch im kommenden Jahr, etwa bei der Zucht.

Warten auf Regen

Noch einmal zurück zum Raps. Auch da kann die Trockenheit Folgen haben, die bis nächstes Jahr reichen: Raps wird eigentlich Ende August gesät, keimt dann und bildet Wurzeln aus. Die zarten Triebe brauchen etwa sechs Wochen im Spätsommer und Frühherbst, um kräftig genug zu sein, um stabil über den Winter zu kommen. Bis etwa 10. September sollte der Raps also gesät sein – doch im Moment sieht es nicht danach aus, als ob das möglich wäre. Denn die Saat braucht Wasser zum Keimen, würde jetzt aber nur trocken im Boden liegen. »Ohne Regenwetter geht nichts«, bestätigt Daniel Seipp. Der Landwirt aus Muschenheim steht »Gewehr bei Fuß« für den Fall, dass es doch noch was wird mit dem (Regen-)Wetter. Sonst steht nächstes Jahr deutlich weniger Raps auf den Feldern.

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