08. September 2018, 18:00 Uhr

Denkmaltag

Baudenkmal vor dem Verfall bewahrt

Wer durch die Grünberger Straße in Geilshausen geht, dem fällt ein Fachwerkkleinod ins Auge. Es erforderte viel Arbeit, das Gebäude zu sanieren. Am Sonntag kann es besichtigt werden.
08. September 2018, 18:00 Uhr
Schon viel geschafft, doch noch viel zu tun: Altbausanierer Marcel Steinweg vor seiner denkmalgeschützten Hofreite in Geilshausen. (Foto: tb)

Schmitzeckesch – so nennen die Geilshäuser das Einzeldenkmal mitten im Dorf. Ob der Name von einem der früheren Bewohner herrührt, dieser vielleicht Schmied von Beruf war? Eine Vermutung nur.

Sicher aber ist: Das Anwesen in der Grünberger Straße 33 ist eines der ältesten in dem Rabenauer Ortsteil. Zumindest der ursprüngliche Teil des Wohnhauses, nach und nach erweitert, stammt aus dem Jahr 1696. Jünger sind der rechtwinklig angesetzte Stall, die Scheune sowie das Nebengebäude gegenüber.

Nach einer solchen Hofreite hatten vor gut zehn Jahren die Eheleute Steinweg, damals in Linden zu Hause, gesucht und in Geilshausen gefunden.

Dass das runtergekommene Ensemble viel Arbeit bedeuten würde, zumal es unter Denkmalschutz steht, dessen war sich Marcel Steinweg damals bewusst. Wie er heute, nach Abschluss eines Großteils der Restaurierung, einräumt, musste er einiges an Lehrgeld zahlen.

 

Hohes Maß an Befriedigung

 

Eine Erfahrung, die freilich selbst gelernte Bauhandwerker machen müssen. Und erst recht jemand, der als Softwareprojektleiter seine Brötchen verdient, also mit Bits und Bytes statt mit biologischen Baustoffen zu tun hatte. Aber, so betont er: »Wenn man etwas mit eigenen Händen geschafft hat, das sorgt doch für ein hohes Maß an Befriedigung.«

Nach der Aufarbeitung ein Schmuckstück: die alte Haustür aus massivem Holz.
Nach der Aufarbeitung ein Schmuckstück: die alte Haustür aus massivem Holz.

Offensichtlich fühlt sich die Familie, zu der auch zwei kleine Kinder gehören, wohl in ihrem Heim.

So wie viele Gleichgesinnte, die den Charme alter Bauernhäuser rühmen.

Nicht minder die – auch im übertragenen Sinne – wohlige Wärme, die ein Gebäude ausstrahlt, errichtet mit oft krummen Fachwerkbalken und mit Lehmputz auf den Wänden.

Nicht zu vergessen kleine Details: Bei Steinwegs die originalgetreu aufgearbeitete Haustür, ein Meisterstück des Schreinerhandwerks. Oder die kreisrunde Klingel mit dem kleinen Druckknopf in der Mitte.

 

Viel gelernt

 

Das Haus »Schmitzeckesch« war seit den 1960ern in Gemeindebesitz, hatte zeitweise als Notunterkunft gedient. Vor rund 40 Jahren wurde es an privat verkauft, bevor es die Steinwegs schließlich ersteigerten.

Vor allem Marcel Steinweg sollte bald erfahren, was es mit der vielzitierten Muskelhypothek auf sich hat – und was »Learning by doing« meint.

Zumal bei ihrem neuen alten Heim viel zu lernen war: Die behördliche Auflagen bei der Restaurierung eines Baudenkmals sind besonders hoch.

Modernisierungen, die Anpassung an heutige Standards von Wohnqualität, Um- oder Anbauten, erst recht der Abriss von Gebäudeteilen sind mit den Behörden abzustimmen.

 

Nur natürliche Baustoffe

 

Viele Bauherren stimmen da ein vielstrophiges Klagelied an. Marcel Steinweg jedoch stellt der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Kreis ein gutes Zeugnis aus, die Zusammenarbeit habe gut funktioniert.

Ganz oben auf der Agenda stand natürlich das Wohnhaus. Klar, die Familie wollte möglichst rasch einziehen »Das war eine »Kernsanierung«, sagt der 44-Jährige.

Dafür suchte er sich Fachfirmen, einen Großteil der Arbeit aber leistete er selbst. Wie er hervorhebt, kamen nur natürliche, korrekte Baustoffe zum Einsatz. Leinöl etwa, um die Fachwerkbalken zu streichen. Die im Übrigen nur bei irreparablen Schäden ausgetauscht wurden.

Auf die mit Leichtlehmsteinen ausgemauerten Gefache kam Kalkputz. Weiteres Beispiel betrifft die energetische Sanierung: Die Innenwanddämmung übernimmt eine 14 Zentimeter starke Kork-Leichtlehm-Mischung.

 

Kork gleicht Volumenverlust aus

 

Nur ein Vorteil des Baustoffs: Kork gleicht den Volumenverlust von getrocknetem Lehms aus.

Erhalten bleiben konnte das Dach, abgesehen von abgängigen Tonziegeln, für die man passenden Ersatz im Nachbardorf oder auf der eigenen Scheune fand. Erneuert und modernen Ansprüchen angepasst wurde natürlich die Haustechnik, also Elektroinstallation, Wasserleitungen, Heizung.

Wie der Rabenauer erzählt, hat er selbst dendrochronologische Untersuchungen veranlasst. Daher eben ist belegt, dass das ursprüngliche Wohnhaus 1696 errichtet wurde, Ende des 19. Jahrhunderts einen Anbau erhielt.

Etwa aus dieser Zeit stammen auch angesetzte Wirtschaftsgebäude, also Stall und Scheune. Bis vor etwa 50 Jahren stand dort übrigens Geilshausens Gemeindebulle und wartete auf »Damenbesuch«.

Heute dient der Stall als Werkstatt. Eine Heidenarbeit liegt hinter den Steinwegs, und ebenso noch vor ihnen. Im Wohnhaus ist noch einiges zu tun, noch viel mehr beim Ausbau der Scheune. Blieb am Ende nur die Frage an den »Selfmadesanierer«, ob er sich das noch einmal aufladen würde. »Ja«, sagt Marcel Steinweg, »im Großen und Ganzen schon, mal abgesehen von einigen Details.«

 

Info

Ausstellung und Tipps für Sanierer

Wer Näheres über die gelungene Sanierung des »Schmitzeckeschen« Hauses von Familie Steinweg erfahren will: Am Sonntag öffnen sie die Türen zu ihrem bewohnbaren Denkmal in Geilshausen, Grünberger Straße 33. Und geben Tipps für alle handwerklich Interessierten; auch was Anträge auf Förderung oder Steuervorteile angeht, die der Staat bei der Rettung solcher Einzeldenkmale gewährt. Eine Ausstellung der verwendeten Baustoffe und eine Fotopräsentation runden das Programm ab – Letztere allerdings befindet sich im Obergeschoss des alten Stallgebäudes, ist nur über eine Leiter zu erreichen. (tb)

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