Ausgrabungen

Baggerloch in Grünbergs Stadtgeschichte

In der Cullmannsfahrt soll eigentlich gebaut werden. Doch bevor die Handwerker anrücken können, machen sich erst die Archäologen auf die Suche nach Besonderem.
09. Juli 2017, 18:00 Uhr
Grabungsort Cullmannsfahrt in Grünbergs Altstadt: Archäologen erkunden hier Zeugnisse einer mittelalterlichen Lehmgrube.

Seit mehreren Wochen bereits wird in der Grünberger Altstadt gebaggert, vermessen und dokumentiert. Grund hierfür sind Ausgrabungen in der Cullmannsfahrt. Dort soll eine neue Wohnanlage entstehen. Doch noch können die Bauarbeiter nicht so richtig loslegen: Aufgrund der zentralen Lage in der Altstadt hat die Denkmalschutzbehörde eine archäologische Untersuchung angeordnet. Das sorgt allerdings auch für eine Verlängerung der Bauzeit, und der Bauherr muss nach dem »Verursacherprinzip« auch die kompletten Kosten tragen.

»Da wir uns inmitten einer über 800 Jahre alten Stadt befinden, ist die Chance relativ hoch, etwas Interessantes zu finden«, erklärt Andreas König, Leiter der mit der Grabung beauftragten Firma Spau (Rockenberg) beim Lokaltermin mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Er und seine Kollegen hoffen auf einen bedeutsamen Fund.

Wann wuchs die Stadt?

Grünberg ist eine der ältesten Städte Hessens. Die erste schriftliche Nennung von Stadt und Burg findet sich in der Erfurter Peters-chronik 1186, in dem ein »castrum Gruninberc« erwähnt wird, erbaut von Landgraf Ludwig III.. Zur Stadtausdehnung vom 12. bis 14. Jahrhundert sind die Informationen hingegen lückenhaft, was die Relevanz der jetzigen Grabungen erklärt.

Zunächst gingen die Archäologen davon aus, auf Überreste einer alten Wohnsiedlung zu stoßen. Doch das Forscherteam wurde überrascht, traten doch Zeugnisse einer wirtschaftlich genutzten Fläche zutage: In der heutigen Cullmansfahrt wurden im Mittelalter Lehmgruben betrieben.

Bei den bisherigen Funden handelt es sich hauptsächlich um Keramiken, Schüsseln, Töpfe, Becher und Ofenkacheln. Anhand dieser »Leitfossilien« lässt sich darauf schließen, wann hier Lehm abgebaut wurde, um ihn als Baumaterial zu verwenden, etwa die Häuser zu verputzen. Die Grabungsergebnisse deuten auf drei vorrangige Nutzungsphasen hin: Die älteste reicht bis ins 12. Jahrhundert und zeugt von der Arbeit in den Lehmkuhlen. »Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese außerhalb der ersten Stadtmauern betrieben wurden, da sie ansonsten zu viel Platz in Anspruch genommen hätte«, erklärt Andreas König. Was heute »tiefste« Altstadt ist, gehörte damals also nicht einmal zum Stadtkern. Weiterer Erkenntnis: Im Spätmittelalter, im 15. Jahrhundert, wurden die Gruben zugeschüttet und einplaniert. Die Forscher vermuten, dass dem die Erschließung der Fläche für Siedlungszwecke folgte. Im 17. Jahrhundert kam es erneut zu signifikanten Eingriffen in die Bodenstruktur – die Gründe hierfür liegen noch im Dunkeln. In Grünbergs Chronik ist zu lesen, dass im Zuge der Erweiterung der Siedlung zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert die Stadtmauer an neuer Stelle errichtet wurde. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Archäologen könnte Wall durch das Baugelände verlaufen sein.

Wo verlief die Stadtmauer?

Auf Grundlage der Schriftquellen bislang nur vermutet, könnte dies dank der Grabungen belegt werden. Doch ist das zurzeit nur eine Hoffnung, wurden doch bislang noch keine Überreste der Mauer selbst entdeckt.Aber: Gut für die Hälfte des Geländes steht nähere Inspektion noch aus.

Sämtliche Funde werden feinsäuberlich in einer Grabungsdokumentation festgehalten, sodass die Ergebnisse für zukünftige Forschungen zur Verfügung stehen. Hierfür werden alle Entdeckungen fotografiert, bezeichnet und archiviert. Aber auch für die Grünberger Stadtchronik dürften die Nachforschungen von größtem Interesse sein.

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