07. September 2018, 05:00 Uhr

50 Jahre CBES

Aufbruchstimmung zum Jubiläum der Lollarer Gesamtschule

Raumnot und Vakanz in der Schulleitung hatten den Alltag an der Clemens-Brentano-Europaschule zuletzt erschwert. Nun blickt man hoffnungsvoll in die Zukunft. Vieles wird zurzeit angeschoben.
07. September 2018, 05:00 Uhr
Hölzerne Kletterpyramiden zierten den Hof der damaligen »Mittelpunktschule Lollar« nach der Eröffnung 1968. (Foto: Archiv)

Eine Unterrichtsstätte für die Zukunft«, titelte diese Zeitung zur Einweihung 1968 etwas umständlich. Wie diese Zukunft aussehen würde, konnte damals noch niemand wissen.

Aus der »Mittelpunktschule Lollar« ist die Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) geworden. Seit Anfang der 1990er wird hier ganztägig unterrichtet, seit 1996 das Abitur abgenommen. Es ist die einzige Schule im Nordkreis zwischen Gießen und Grünberg mit gymnasialer Oberstufe.

 

Für zweite Chancen bekannt

Schulen leben von dem Image, das ihnen vorauseilt. Es ist nicht allzu lange her, da galt die Lollarer Gesamtschule manchen als ein Ort, an dem Schüler ein dickes Fell brauchen, um sich durchzusetzen; als eine Schule, an der das Abi leichter zu ergattern ist als etwa an den Gießener Gymnasien.

Vielleicht ist der Umgang hier noch etwas lockerer als anderswo

Schulsprecherin Emelina Gajardo Michel

Doch sie war auch seit Langem dafür bekannt, vielen eine zweite Chance zu geben. Die CBES, so hieß es, nehme sich auch jener Schüler an, die andernorts nicht klarkommen. Das Zentralabitur hat manche Unterschiede ausgeglichen. »Vielleicht ist der Umgang hier noch etwas lockerer als anderswo«, sagt Schülersprecherin Emelina Gajardo Michel.

Der Ruf, eine besonders soziale Schule zu sein, die keinen zurücklässt, ist indes noch immer prägend. »Wir lehnen tatsächlich ungern Schüler ab«, sagt Schulleiter Andrej Keller. Preise, die CBES-Schüler bei Wettbewerben einheimsen wie auch ein hoher Anteil von Lollarer Realschülern, die eine Lehrstelle bekommen, zeigten aber, dass das Niveau sich sehen lassen könne.

 

Hängepartie um Haus A

Über Jahre hinweg hatte die CBES mit Problemen zu kämpfen, die nicht hausgemacht waren: Die Schulleitung war nur kommissarisch besetzt, Aufgaben mussten auf viele Schultern verteilt werden.

Als Ex-Gymnasialzweigleiter Keller Anfang 2018 als Schulleiter zurückkam, musste er sich in einem »Ruheraum« einrichten. Der Grund: Bei der Sanierung von Haus A, dem Verwaltungstrakt, war Wasser eingetreten. Messungen förderten dann Schimmelbildung zutage. Die Sanierung zog sich hin – und damit auch die beklemmende Raumsituation.

Seit kurzem ist Haus A wieder bezogen, dort befinden sich die Verwaltung, Lehrerzimmer, Konferenzräume, die Aula. Zur Freude der Schulgemeinde mit etwa 125 Lehrkräften und rund 1200 Schülerinnen und Schülern ist die Hängepartie vorüber.

 

"Eltern-Kompetenzzentrum"

Keller denkt derweil schon an kommende Baustellen: In Kooperation mit der Uni Marburg soll der Schulhof umgestaltet werden, Toilettensanierungen stehen an, mittelfristig außerdem der Bau eines neuen Oberstufengebäudes.

In Kooperation mit der Uni Marburg soll der Schulhof bald erneut umgestaltet werden, auch die Sanierung der Toiletten steht an.	(Foto: dcg)
In Kooperation mit der Uni Marburg soll der Schulhof bald erneut umgestaltet werden, auch ...

Auch inhaltlich ist vieles in Bewegung gekommen: Als »Campus-Schule« bringt sich die CBES bei der Lehrerausbildung ein, internationale Schulpartnerschaften werden wieder intensiviert, Inklusion vorangetrieben.

Neuerdings bietet ein »Kompetenzzentrum« auch schulfremden Eltern die Möglichkeit, sich fortzubilden. Sabine Gerbich, Vorsitzende des Schulelternbeirats, lobt die Einbindung der Eltern bei der Schulentwicklung. Luft nach oben gebe es dagegen in Sachen Zusammenarbeit mit der Gesamtschule Lumdatal, die inzwischen eine Zweigstelle der CBES ist, so Gerbich.

»Wir sind eine Einwanderungsgesellschaft«, sagt der Schulleiter. Das wollen manche bis heute nicht wahrhaben, an der CBES ist es seit Jahrzehnten selbstverständlich. Interkulturalität sieht man hier als Chance, um Schüler auf eine globalisierte Welt vorzubereiten. Ein Pfund, das die Schule auf ihrem Weg in die Zukunft nutzen will – wie auch immer sie aussehen mag.

 

Info

Das Jubiläumsprogramm

Am Freitag, 7. September, feiert die CBES ihr 50-jähriges Bestehen. Nach einem Festakt um 10 Uhr stehen ein Sektempfang und Führungen durch die von allen Klassen gestaltete Jubiläumsausstellung an. Von 12 bis 17 Uhr findet ein Schulfest statt, angeboten werden unter anderem Escape-Rooms, ein Bücherflohmarkt und Stationen zum Mitraten, außerdem ein Jubiläums-Bühnenstück und Auftritte von Musikgruppen der Schule. (pm/jwr)

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