27. August 2018, 13:00 Uhr

Zweite Fremdsprache

Auch in den Schulen im Landkreis liegt Spanisch im Trend

Französische und Latein geraten ins Hintertreffen. Immer mehr Schüler wollen als zweite Fremdsprache Spanisch lernen. Warum?
27. August 2018, 13:00 Uhr
Volle Kurse in Spanisch, starke Rückgänge in Französisch und Latein – die nach dem Englischen meist verbreitetste Sprache wird auch in den hiesigen Schulen immer beliebter. Dort, wo sie angeboten wird, wird sie häufiger von Schülern belegt. (Archivfoto: us)

Seit knapp drei Wochen ist an den Schulen im Landkreis der Alltag zurück. Neben Mathe, Deutsch und Naturwissenschaften büffeln die Schüler wieder Sprachen.

Eine steht beim Nachwuchs hierzulande besonders hoch im Kurs: Spanisch.

Die Anzahl der Mädchen und Jungen, die sich für Französisch oder Latein als Zweit- oder Drittsprache entscheiden, geht dagegen seit Jahren zurück.

Waren es in Hessen laut Kultusministerium im Schuljahr 2008/2009 noch 52 604 Schüler, die Latein wählten, beschäftigten sich 2017/2018 nur noch 33 679 mit Cicero, Caesar und Catull. Ein Minus von 36 Prozent.

Fast ebenso steil die Talfahrt im Fach Französisch: 83 312 Schülern im vergangenen Schuljahr stehen 126 155 vor zehn Jahren gegenüber. Ein Rückgang von 34 Prozent.

Weil beim hiesigen Schulamt Daten von Kursgrößen und Anwahlen der Fremdsprachen nicht statistisch erfasst werden, gibt es für den Landkreis keine vergleichbaren Zahlen.

 

Zusätzliches Angebot

 

Laut Schulamtsdirektor Arne Hogrefe lasse sich grundsätzlich aber festhalten, dass eine Veränderung bei der Verteilung der Anwahlen einer Fremdsprache lediglich dann erfolge, wenn es ein zusätzliches Angebot gibt.

Soll heißen: Wird Spanisch angeboten, entscheiden sich weniger Schüler für Latein und Französisch. Aber warum ist das so?

Peter Blasini, Leiter der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) in Lich, hat dafür eine ganz einfache Erklärung: »Spanisch als zweite Weltsprache hat den Franzosen den Rang abgelaufen«, sagt er.

Die Kursbelegungen an seiner Schule bestätigen die Aussagen Hogrefes. Früher hätten sich zwei Drittel der Schüler für Französisch entschieden, das übrige Drittel für Latein, sagt Blasini.

Seit die Licher Spanisch als zweite Fremdsprache wählen können, ist das anders. Zwei Kurse in diesem Fach stehen je einem in Französisch und Latein gegenüber, die zudem auch noch mit mehr Schülern besetzt sind.

»Spanisch als zweite Weltsprache hat den Franzosen den Rang abgelaufen«

Peter Blasini

Von einer regelrechten »Flucht aus dem Französischen«, spricht Jörg Keller, Direktor der Theo-Koch-Schule (TKS) in Grünberg, wo 2014 Spanisch als zweite Fremdsprache eingeführt wurde. Seitdem habe er vier zusätzliche Fachkräfte einstellen müssen, um den Bedarf zu decken, sagt der Direktor.

Auch in der Gallusstadt gibt es in Jahrgang sieben derzeit zwei Spanisch-Kurse sowie je einen in Französisch und Latein.

Keller hält dies für einen Zeitgeist und versucht mit besonderen Angeboten gegenzusteuern, beispielsweise mit einem Aufenthalt in Straßburg für Französisch-Schüler während der Projektwoche.

 

Einbruch im Französischen

 

Schlechter als sonst sieht es in diesem Jahr in Latein aus, nur sechs Siebtklässler wählten die »tote Sprache«. Sonst seien es doppelt so viele Kinder. Dennoch hält der Direktor das Angebot an einer Schule mit so großem Einzugsgebiet wie der TKS für notwendig. Keller: »Latein gehört zu einer guten Ausbildungsschule dazu.«

Auf dem selben Standpunkt steht Gabriel Verhoff, der die Gesamtschule Gleiberger Land in Wettenberg leitet. Während hier die Lateinzahlen »gering, aber stabil sind«, berichtet Verhoff von einem Einbruch im Französischen, das mittlerweile auf Latein-Niveau sei.

 

In Hungen will man neu nachdenken

 

Latein-Niveau – das heißt an der Gesamtschule Hungen 25 Schüler in Jahrgang sieben. 37 Mädchen und Jungen haben sich dagegen für Französisch entschieden.

Allerdings: Spanisch als zweite Fremdsprache gibt es in der Schäferstadt nicht, eine Anwahl ist erst ab der neunten Klasse möglich.

Aber auch hier ist »die Nachfrage nach Spanisch ungebrochen groß«, sagt die stellvertretende Leiterin Alexandra Kuret. »Wir haben uns immer bewusst für diesen Weg entschieden, um Latein und Französisch zu stärken«, sagt Kuret. »Aber ich fürchte, über kurz oder lang müssen wir uns darüber unterhalten, ob wir das nicht revidieren und Spanisch bereits ab der siebten Klasse anbieten.«

Warum diese Weltsprache bei ihren Schützlingen so beliebt ist, erklärt sich Kuret so: Spanien sei nach wie vor ein beliebtes Urlaubsziel, der Latin Pop bei den jungen Menschen angesagt. Kuret: »Spanisch ist für die Schüler greifbarer.«

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