16. September 2018, 19:26 Uhr

Alle Farben des Regenbogens

16. September 2018, 19:26 Uhr
Beeindruckend: Scheinwerfer lassen die Nonnenröther Kirche in wechselnden Farben erstrahlen. (Foto: pad)

Dass weit über 500 Zuhörer zu einem Orgelkonzert auf einem Dorf kommen – das gibt es nur in Nonnenroth, beim Festival »Pop meets classic«. Erstklassige Musiker spielen auf der denkmalgeschützten Kirchenorgel klassische und moderne Melodien. Da das Gotteshaus für so viele Besucher viel zu klein ist, wird die Musik mit hochsensiblen Mikros erfasst und an den Fuß des Kirchbergs übertragen. Hier sitzen die Zuhörer mit Blick auf die Kirche. Am Samstag war es wieder soweit.

Dass das Konzert erst nach Einbruch der Dunkelheit begann, hatte einen guten Grund: Erst jetzt konnte die ausgefeilte Lichtershow ihren vollen Glanz entfalten. Vermutlich reichten die Lichtkegel der großen Strahler die drei Kilometer bis hinüber nach Villingen. Sie zeichneten Quadrate, Rauten und andere Muster an den Nachthimmel. Zeitgleich tauchte eine Vielzahl an Scheinwerfern die Kirche in alle Farben des Regenbogens.

Das Lichterspektakel hatte ein Team von Freiwilligen rund um die beiden Lichttechniker Jannik Schäfer und Jan-Niklas Volk entworfen. Bereits Tage zuvor hatte der Aufbau begonnen, noch in der Nacht auf Samstag wurde an den Effekten gefeilt. Auch die Organisten nutzten die Zeit noch einmal, um zu proben. Schließlich sollte beim Festival alles perfekt sitzen. Dabei kam kurz vor Mitternacht die Hiobsbotschaft: Die Orgel wollte nicht mehr. Keine 20 Stunden mehr vor dem Festival – und das auch noch an einem Wochenende! Zum Glück erwischte man einen Techniker, der das Instrument für das Konzert noch betriebsbereit machen konnte.

Zeichen setzen für eine bunte Welt

»Wir wollten mit dem Konzert ein Zeichen setzen für eine bunte Welt«, sagte Pfarrer Hartmut Lemp. Zusammen mit den Besuchern stimmte er das Lied »We shall overcome« als Zeichen gegen Intoleranz an. Lemp erinnerte an die Bedeutung der Orgel als immaterielles Weltkulturerbe. »Sie ist ein wunderbares Instrument.« Nur dank der Hilfe der Freiwilligen könne man solch eine Veranstaltung überhaupt bei freiem Eintritt ausrichten. Das Dekanat unterstützte das Konzert mit 1000 Euro.

Hermann Wilhelmi eröffnete das Konzert mit einem klassischen Teil. Unter anderem war Wagners »Walkürenritt« und Johann Sebastian Bachs »Präludium G-Dur« zu hören. Von seinem Sohn Martin Wilhelmi auf der Posaune begleitet, spielte er auch zwei eigene Kompositionen. Der Musikpädagoge spielt auch sonst in Nonnenroth jeden zweiten Sonntag im Gottesdienst die Orgel.

Als nächstes nahm der Nonnenröther Jan-Nils Lohrey am Spieltisch Platz. Nun hallte die Melodie von »Stars Wars« vom Kirchberg herab. Zu den »Hobbit«-Melodien aus »Herr der Ringe« tauchten die Scheinwerfer die Kirche in leuchtendes Grün, bei der Filmmelodie von »Mission Impossible« eilten die Scheinwerfer geheimnisvoll über den Nachthimmel. Auch die Anfangsmelodie von »Game of thrones« fehlte in der Sammlung der Filmmelodien nicht, von denen Peter Maffays »Nessaja« den emotionalen Höhepunkt setze. Im dritten Teil spielte Patrick Langer unter anderem »Fluch der Karibik« und Totos »Africa«.

Bis dahin hatte die Orgel brav mitgespielt. Doch nun tauchte der Fehler wieder auf, klemmte ein Ton, ließ sich nicht mehr abschalten. Die Technikcrew und Hermann Wilhelmi improvisierten, bauten schnell eine E-Orgel auf, um mit ihren Klängen die Besucher zumindest noch auf den Weg nach Hause begleiten zu können. Dem begeisternden Konzert taten diese technischen Probleme zum Ende hin jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Viele Besucher fragten Lemp: »Wann gibt es die nächste Auflage?«

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