09. August 2018, 13:05 Uhr

»Land hat Zukunft«

Al Wazir übergibt ersten »Bürgerbus« an Rabenau

Als erste hessische Gemeinde hat Rabenau einen vom Land finanzierten Bürgerbus erhalten. Dass der kein Ersatz, nur eine Ergänzug des ÖPNV sei, betonte Minister Tarek Al Wazir.
09. August 2018, 13:05 Uhr
Als Zivi fuhr er einen VW-Bus, in Londorfs Burggarten kommt er mit einem Neunsitzer aus Rüsselsheim: Minister Al Wazir (l.) übergibt Ulrich John (2.v.l.) den Förderbescheid. (Foto: tb)

Ehrenamt wird in Rabenau großgeschrieben – schon als man großgeschrieben noch nicht zusammengeschrieben hat. Ein weiterer Beleg ist der nur wenige Wochen alte Verein »Rabenau Ehrenamtlich Aktiv« (REA) zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und der Altenhilfe. Was Letzteres angeht, war der gestrige Mittwoch ein guter Tag, für den Verein wie ganz Rabenau: Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir fuhr mit dem ersten von zunächst 60 »Bürgerbussen« vor, die Hessen dem ländlichen Raum spendiert.

 

Leichter zum Arzt und zum Einkauf

 

Kein Wunder also, dass die Mitglieder des Vereins – nicht wenige zuvor schon als Ehrenamtslotse oder im Seniorenbeirat aktiv – das Geschehen mit freudiger Miene verfolgten. Sie wie alle Gäste der »Premierenfeier« im Burggarten erfuhren vom REA-Vorsitzenden Ulrich John, wie es zu diesem Schritt hin zu einer Verbesserung der Mobilität auf dem Land kam – und dass dabei ein Zufall eine Rolle spielte.

Die Anregung, älteren Menschen ohne Führerschein den Besuch eines Arztes, eines Lebensmittelmarktes oder des Friseurs mit einem Fahrdienst erleichtern, kam danach vor Längerem von Besuchern des Seniorencafes. Die Ehrenamtler um Ulrich John griffen sie auf, machten sich an die Organisation, wozu auch die Sponsorensuche zählte. Der Zufall: Just in diese Vorbereitungszeit wurde das Landesprogramm publik, und natürlich bewarb sich REA und reichte das verlangte Betriebs- und Finanzierungskonzept ein – mit Erfolg, wie die gestrige Übergabe bewies.

 

Für sechs, sieben Jahre sicher

 

Teil des Konzeptes ist, dass der Trägerverein in sechs, sieben Jahren genug Geld für ein Anschlussfahrzeug in der Kasse hat. Dafür aber spricht einiges: Die Unterstützung von Sponsoren wie der Sparkasse, deren Vorstand Andreas Klunz gestern 1500 Euro überbrachte. Der Einsatz der Bürger, aus deren Reihen bereits 20 Fahrer und Disponenten rekrutiert werden konnten. Und die Hilfe der Gemeinde, die voraussichtlich Versicherung und Steuer überweist, wie Bürgermeister Florian Langecker sagte. Der sich ebenso wie sein Vorredner über diese Hilfe für mobilitätseingeschränkte Rabenauer freute, doch auch mahnte: »Es ist noch viel zu tun, bis der Betrieb plangemäß laufen kann.« Dem Minister gab der Rathauschef der klammen Gemeinde noch mit auf den Nachhauseweg, man hoffe »auf weitere gute Nachrichten aus Wiesbaden«.

Für die Neunsitzer, als Anschubfinanzierung vom Land übereignet, stellt das Land jeweils 1,2 Millionen Euro in diesem und nächstem Jahr bereit, sie sind Teil des Projektes »Land hat Zukunft – Heimat Hessen«. Das Wirtschaftsministerium kooperiert hier mit der Stiftung »Miteinander in Hessen«.

Wie Al Wazir in Rabenau auch betonte, gehe es hier nur um eine Ergänzung, keineswegs um einen Ersatz des ÖPNV. Den gelte es gerade auch auf dem Land als »stabiles Grundgerüst« zu erhalten. In diesem Zusammenhang erneuerte er seine positive Grundstimmung zur Reaktivierung der Lumdatalbahn. Angesichts der im Vergleich zu Frankfurt geringen Fahrgastzahlen von 800 bis 900 täglich sieht der Grünen-Politiker die »härteste Arbeit« darin, die Verbünde ins Boot zu kriegen. Jüngst erreichte Unterstützung des RMV sei daher ein »entscheidender Punkt.

 

Ein- und Ausstieg an der Tür

 

Und um wieder auf den Bürgerbus als Projekt, das auch das soziale Miteinander belebe, zurückzukommen: »In Wiesbaden«, so der Minister, »fand man die Voraussetzungen in Rabenau optimal. Zumal nicht nur der Förderverein REA, sondern auch die Engagement-Lotsen, der Seniorenbeirat und viele Mandatsträger der Gemeinde hinter dem Projekt stehen.« Auch die wüssten um die große Bedeutung von Mobilität auf dem Land, wo doch der nächste Arzt oder Laden oft nicht zu Fuß zu erreichen ist. »Deshalb reicht es nicht aus, nur an Straßen und Parkplätze zu denken«, unterstrich Al Wazir. Und machte endlich noch auf die mit angebotene Beratung aufmerksam. Dies als Beitrag dafür, dass sich sämtliche Bürgerbus-Initiativen möglichst wenig mit rechtlichen Fragen beschäftigen müssten.

Der Start des Rabenauer Busses soll nun mit zwei Betriebstagen die Woche erfolgen. Die Fahrten werden telefonisch bestellt und umfassen Ein- und Ausstieg an der Haustür.

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