15. August 2017, 15:09 Uhr

Buchsbaumzünsler

Achtung, bedrohliche Raupe jetzt auch im Landkreis

Vor zehn Jahren hat der Buchsbaumzünsler seinen Erorberungszug durch Deutschland angetreten. Jetzt ist er im Raum Gießen angekommen. Das können Sie dagegen tun.
15. August 2017, 15:09 Uhr
Kleine Raupe Nimmersatt: Der Buchsbaumzünsler ist auf dem Vormarsch und nun rund um Gießen angekommen. (Foto: Fotolia/Zekor)

Für einen sonnigen Augusttag war die Gartenbesitzerin merkwürdig gekleidet: Gummistiefel, lange Regenjacke, Handschuhe. In der Hand schwenkte sie entschlossen ein Spritzgerät. »Der Buchsbaumzünsler ist da!« verkündete sie.

Eigentlich hat die schwarz-grüne Raupe hierzulande nichts zu suchen. Cydalima perspectalis ist in Ostasien zu Hause und wurde vermutlich mit Containerschiffen eingeschleppt. Seit gut zehn Jahren breitet sich der Falter in Deutschland aus. Seine Eier legt er gerne an den Blättern des Buchsbaums ab. Daraus schlüpfen Raupen, die sich erst an den Blättern und dann an der Rinde gütlich tun. Oberhalb der Fraßstelle sterben alle Pflanzenteile ab.

 

Globalisierung im Garten

 

So kann es enden, wenn der Zünsler sich am Buchsbaum gütlich tut.	(Fotolia/Horst)
So kann es enden, wenn der Zünsler sich am Buchsbaum gütlich tut. (Fotolia/Horst)

Der Ärger beginnt je nach Witterung ab Mitte März und kann sich bis in den Herbst ziehen, denn bei günstigen Bedingungen wächst alle zwei oder drei Monate eine neue Zünsler-Generation heran. Ganze Gartenanlagen sind dem Schädling aus fernen Landen schon zum Opfer gefallen.

Rund um Gießen war man bislang von der Plage ziemlich verschont geblieben. »Der Zünsler verbreitet sich langsam. Aber er kommt«, sagt Angela Römer-Zeibig, die Geschäftsführerin der Baumschule Rinn aus Heuchelheim.

In diesem Sommer scheint er ein gutes Stück Wegs geschafft zu haben. Beim Gartencenter Pastau in Lich jedenfalls ist die Nachfrage nach Mitteln gegen den Zünsler gerade in der vergangenen Woche sprunghaft gestiegen.

 

Das ist schon frustig, dass man den Buchsbaum nicht mehr so bedenkenlos pflanzen kann wie früher

Angela Römer-Zeibig

Wie Römer-Zeibig sagt, warnen die Pflanzenschutzdienste schon seit zehn Jahren vor dem Schädling. Vor drei bis vier Jahren sei er in Südhessen aufgetreten. »Und vor zwei Jahren hatte ein erster Kunde aus Wetzlar den Zünsler im Garten«, berichtet die Fachfrau. Sie selbst hat Glück: »In der Baumschule habe ich ihn nicht. Wir achten darauf, dass die Pflanzen, die wir beziehen, gesund sind.«

Römer-Zeibig macht ihre Kunden darauf aufmerksam, dass es mit Buchs Probleme geben kann. »Nicht nur mit dem Zünsler, auch mit dem Triebsterben.« Diese Pilzerkrankung sei hierzulande flächendeckend zu beobachten. Wer also im Garten Buchs anpflanze, tue das auf eigenes Risiko.

»Das ist schon frustig, dass man ihn nicht mehr so bedenkenlos pflanzen kann wie früher«, findet die Heuchelheimerin. »In gestalteten Gärten ist der Buchsbaum eigentlich unersetzlich.«


Zünsler frisst Pflanze von innen

Kunden, die das Risiko mit dem Buchs scheuen, weist sie auf Alternativen hin. Ilex granata biete sich Ersatz für kleine Hecken an, und wer auf Kugelschnitt steht, sollte es mit Eiben oder Heckenkirschen versuchen.

Doch was ist mit bestehenden Pflanzungen? Römer-Zeibig empfiehlt, regelmäßig in den Buchs hineinzuschauen. »Der Zünsler frisst die Pflanzen von innen.« Weil er dort ein Gespinst hinterlasse, sei er auch gut zu erkennen.

Bei anfänglichem Befall könne man versuchen, die Nester herauszuziehen. Man sollte sie auf keinen Fall zum Kompost geben, sondern möglichst eingepackt in den Hausmüll. Auch für den Fall, dass sich der Zünsler schon ausgebreitet hat, ist noch nicht alles verloren.

Fachhandel-Beratung empfohlen

»Ich kenne Gärtnerkollegen, die mit zugelassenen Mitteln gespritzt und gute Erfolge erzielt haben«, sagt die Rinn-Geschäftsführerin. Man sollte sich im Fachhandel beraten lassen.

Der Buchsbaumzünsler sei übrigens längst nicht der einzige Schädling, der aus fernen Ländern zu uns eingewandert sei. Es gebe noch viele andere, etwa den Apfelbaumbohrer oder die Kirschessigfliege. »Gerade im Obstbau ist dass ein Problem, sagt Römer-Zeibig. Man merkt es eben auch im Garten: Wir leben in einer globalisierten Welt.

 

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Das können Sie gegen den Zünsler tun

- Beim Kauf neuer Buchsbäume die Pflanzen gründlich auf Zünslerbefall untersuchen.

- Es ist wichtig, den Befall rechtzeitig zu erkennen: Gespinste, abgefressene Blattrippen und Kotreste weisen auf den Zünsler hin. Die Schäden treten zuerst im Inneren der Pflanze auf, deshalb genau hinschauen.

- Bei Befall empfiehlt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zunächst das Absammeln der Raupen. Auch ein Rückschnitt der befallenen Triebe könne sinnvoll sein.

- Wer spritzen will, findet im Fachhandel biologische und chemische Mittel.

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