14. März 2018, 17:57 Uhr

Entführung

Würth-Kidnapper: Festnahme nach Entführung von Milliardärs-Sohn im Vogelsberg

Drei Jahre nach der Entführung von Milliardärs-Sohn Markus Würth im Vogelsberg vermelden Polizei und Staatsanwaltschaft einen Erfolg: Der Kidnapper wurde offenbar gefasst!
14. März 2018, 17:57 Uhr
Reste von Absperrbändern der Polizei im Wald bei Kist (Bayern). In dem Waldstück wurde der entführte 50-jährige Milliardärssohn des Unternehmers Würth gefunden. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand)

Spezialkräfte der Polizei haben am Mittwochmorgen in Offenbach einen 48 Jahre alten Mann festgenommen. Er soll am 17. Juni 2015 Markus Würth, Sohn des Großindustriellen und Schrauben-Milliardärs Reinhold Würth, entführt haben. Der damals 50-Jährige, der auf dem »Hofgut Sassen« in Queck, einem Ortsteil von Schlitz, in einer Wohngruppe für behinderte Menschen untergebracht war, wurde einen Tag später unverletzt an einen Baum gefesselt in einem Waldstück bei Würzburg gefunden. Der oder die Entführer hatten damals der Polizei die Koordinaten des Ortes verraten. Nun, rund 1000 Tage nach der Tat, der Fahndungserfolg.

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In einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben das Polizeipräsidium Osthessen und Gießener Staatsanwaltschaft, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um einen serbisch-montenegrinischen Staatsangehörigen handeln soll. Die Wohnung des Mannes wurde nach seiner Festnahme durchsucht. Der Mann wurde nach Fulda gebracht und dort vernommen. Am späten Mittwochnachmittag sei dann Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes und aufgrund von Fluchtgefahr erlassen worden. Der Beschuldigte wurde daraufhin in eine nicht näher benannte hessische Justizvollzugsanstalt gebracht.

 

Stimmanalyse als Schlüssel zum Fahndungserfolg?

Das »Hofgut Sassen« nahe des Schlitzer Ortsteils Queck. Hier wurde am 17. Juni 2015 Markus Würth, der Sohn des Schraubenfabrikanten und Milliardärs Reinhold Würth, entführt. Einen Tag später verriet sein Kidnapper der Polizei die Geodaten des Standorts, sodass der damals 50-Jährige unverletzt befreit werden konnte. Nun scheint die Polizei den Täter gefasst zu haben. (Foto: dpa)
Das »Hofgut Sassen« nahe des Schlitzer Ortsteils Queck. Hier wurde am 17. Juni 2015 Markus...

Zuerst hatte die »Bild« in ihrer Frankfurter Regionalausgabe über den Zugriff der Spezialeinheit berichtet. Die Einheiten hätten demnach ein 70er Jahre-Hochhaus in der Offenbacher Rhönstraße gestürmt und den Verdächtigen in einer Wohnung im fünften Stock festnehmen können. Mit dabei waren auch Fahnder aus Fulda, denn die Sonderkommission zum Entführungsfall von Markus Würth ist nie aufgelöst worden.

Vermutlich sind die Ermittler dem Mann durch die damals einzige Spur auf die Schliche gekommen: ein Telefonanruf, der mitgeschnitten wurde. Im Juni 2015 hatte Thomas Hauburger, Pressesprecher der Gießener Staatsanwaltschaft betont, dass der Mann mit deutlichem Dialekt gesprochen hätte. Laut einer Stimmanalyse würde es sich um einen Mann zwischen 40 und 52 Jahren handeln, der vermutlich aus der Grenzregion zwischen Serbien und Montenegro stamme, aber vor 2001 nach Deutschland eingereist sei.

 

So klingt der Würth-Entführer

 

Pressekonferenz für Donnerstagvormittag angekündigt

Bis auf die letztere Vermutung, zu der bislang keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen, scheint der Polizei mit dem jetzt festgenommenen 48-Jährigen ein perfekter Fang gelungen zu sein. Auf Anfrage wollten am Mittwochabend allerdings weder Christian Stahl, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen, noch der Gießener Staatsanwalt Hauburger weitere Details zur Festnahme oder der Tat nennen. Diese sollen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Ermittlungsbehörden am Donnerstagvormittag in Fulda bekannt gegeben werden.

+++ Lesen Sie auch bei der Offenbach Post: Hintergründe und Stimmen zum Zugriff in Offenbach

Der Fall Markus Würth hatte seinerseits die rund 250 Menschen umfassende Einrichtung für geistig behinderte Menschen im Vogelsberg in Aufruhr versetzt und auch die kleine Gemeinde rundherum in Atem gehalten. Experten vermuteten damals Insider hinter der Tat, schließlich sei das Opfer aus der Einrichtung entführt worden, von der nicht viele wussten, dass er dort lebte.

 

Fahndung mit Phantombild und nach weißem Lieferwagen

Die Behörden hatten mit Belohnungen und Auftritten in der Fernsehsendung »Aktenzeichen XY…ungelöst« zu Zeugenhinweisen aufgerufen. Daraufhin gingen bei der Polizei Dutzende Hinweise ein, unter anderem wurde mit einem Phantombild und der Beschreibung eines weißen Lieferwagens mit roter Schrift nach dem oder den Tätern gesucht – bis zum heutigem Tag erfolglos.

Markus Würths Vater Reinhold Würth hatte sich im November 2016 erstmals in der Öffentlichkeit geäußert. Der »Funke«-Mediengruppe sagte er damals: »In der besagten Nacht hat die Polizei Unglaubliches geleistet. Mehr war nicht möglich. Es waren Hessen, Bayern und Baden-Württemberg beteiligt. Ich habe den Innenministern danach meinen Dank ausgesprochen. Die Entführer waren einfach zu raffiniert. Das waren sehr professionelle Täter.« Sein Sohn lebt seitdem an einem nicht näher genannten Ort. Zur Festnahme äußerte sich die Familie am Mittwoch nicht.

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