08. August 2018, 22:16 Uhr

Viel Arbeit nach Starkregen

08. August 2018, 22:16 Uhr

Kirchhain/Offenbach/Berlin (dpa). Nach heftigen Unwettern sind zahlreiche Hessen mit den Aufräumarbeiten beschäftigt und müssen gleich erneut mit bangem Blick gen Himmel schauen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach sagte schwül-heißes Wetter für heute voraus, vor allem ab dem Nachmittag soll es kräftig blitzen und donnern. Auch Starkregen und Orkanböen seien möglich, teilte der DWD am Mittwoch mit.

Nach wochenlanger Hitze hatten sich am Dienstag Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen insbesondere in Mittelhessen entladen. Besonders betroffen war Kirchhain. Ein Sprecher des Kreises Marburg-Biedenkopf sprach von »riesigen Wassermengen«, die vom Himmel gefallen seien. Straßen und Keller wurden überflutet, Dächer abgedeckt und Bäume auf Straßen geworfen. Manche Autofahrer unterschätzten die Gefahr, fuhren in die braune Brühe und blieben stecken. Die Feuerwehr rückte im Kreis zu mehr als 500 Einsätzen aus, die meisten davon waren in Kirchhain. Laut dem Wetterdienst Kachelmannwetter fielen in drei Stunden 150 Liter Regen pro Quadratmeter. Es seien »riesige Wassermengen«.

Schäden an zwei Schulen

Die Einsatzkräfte seien weiterhin damit beschäftigt, die Folgen zu beseitigen, sagte ein Sprecher des Kreises Marburg-Biedenkopf am Mittwoch. Zudem müssten Schäden an zwei Schulen in Kirchhain begutachtet werden. Dort war teils Wasser in die Gebäude gedrungen oder das Dach in Mitleidenschaft gezogen worden. »Wir müssen in Ruhe prüfen, was los ist, es geht um die Sicherheit der Kinder.« Die Schüler hatten deswegen am Mittwoch frei, heute sollte der Unterricht aber wieder stattfinden.

Nach Starkregen hat die Feuerwehr am Abend auch in Südhessen zahlreiche vollgelaufene Keller auspumpen müssen. Die Zentrale Leitstelle Darmstadt-Dieburg in Dieburg sprach von rund 50 Einsätzen im Ortsteil Alsbach von Alsbach-Hähnlein sowie von jeweils etwa zehn Einsätzen in Bickenbach und in Seeheim-Jugenheim. Außerdem gab es eine Reihe vollgelaufener Keller in Zwingenberg, wie die Zentrale Leitstelle des Kreises Bergstraße berichtete. Verletzte wurden an den Unwetterorten nicht gemeldet.

Die Auswirkungen der Hitze sind weiterhin spürbar: So darf kein Wasser aus mittlerweile sämtlichen Flüssen und deren Nebengewässern im Rheingau-Taunus-Kreis, Main-Taunus-Kreis, Hochtaunuskreis und in Wiesbaden entnommen werden, wie das Regierungspräsidium Darmstadt am Mittwoch mitteilte.

Vielerorts blieb es am Mittwoch allerdings noch schwül oder extrem heiß und trocken. Im Osten Deutschlands herrschte weiterhin die höchste Waldbrandgefahrenstufe. »Es gibt viele Erdblitze, die Gewitter begleiten«, sagte DWD-Meterologe Gerhard Lux. Die Gefahr von Wald-, Böschungs- oder Feldbränden nehme bei Gewitter zu, sollten diese nicht von ausgiebigen Regenfällen begleitet werden.

Der für heute angekündigte Starkregen mit Sturm und Hagel könnte die Probleme der Bauern und Tiere verschärfen, warnte die Landwirtschaftskammer in NRW.

Die erwarteten Gewitter führen aber auch die ersehnte Abkühlung mit sich: Die Temperaturen steigen laut DWD heute noch einmal auf 28 bis 33 Grad. In der Nacht auf Freitag gibt es dann bei neun bis 16 Grad Gelegenheit zum Durchlüften. Tagsüber ist es heiter bis wolkig und wird nicht mehr wärmer als 26 Grad.

BUND fordert Nothilfeplan

Das Wochenende wird im Süden sonnig und im Norden regnerisch. Am Samstag ziehen Schauer und Gewitter vor allem über den Norden und Nordwesten hinweg, hier wird es bis 25 Grad, ansonsten bis 27 Grad warm. Am Sonntag sind vereinzelt wieder mehr als 30 Grad möglich.

Angesichts der »Klimakrise« hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum sofortigen Handeln aufgefordert. Merkel müsse ihren Sommerurlaub beenden, sagte BUND-Chef Hubert Weiger am Mittwoch in Nürnberg. In einem »Klima-Nothilfeplan« fordert der BUND unter anderem die Abschaltung klimaschädlicher Kohlekraftwerke, ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen, eine Verteuerung von Flugtickets und einen ökologischen Landbau.

Eine ähnlich lang anhaltende Hitzewelle wie zuletzt erwartet der DWD in diesem Jahr allerdings nicht mehr. Zwar werde es punktuell noch über 30 Grad heiß werden, sagte DWD-Meteorologe Jens Winninghoff: »Ich gehe aber nicht mehr von Werten über 35 Grad aus.«

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