21. Oktober 2010, 19:28 Uhr

Stundentaktung der Vogelsbergbahn wird möglich

Alsfeld/Gemünden/Gießen (rs). Bis zum Jahresende 2011 soll die rund 106 Kilometer lange Vogelsbergbahn zwischen Gießen und Fulda umfassend saniert und leistungsfähiger werden. Der Bund stellt dafür 24,6 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II zur Verfügung.
21. Oktober 2010, 19:28 Uhr
Das Thermitschweißen im Bahnhof von Ehringshausen war für die Politik- und Behördenvertreter ein besonders anschauliches Verfahren. (Fotos: rs)

Alsfeld/Gemünden/Gießen (rs). Bis zum Jahresende 2011 soll die rund 106 Kilometer lange Vogelsbergbahn zwischen Gießen und Fulda umfassend saniert und leistungsfähiger werden. Der Bund stellt dafür 24,6 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II zur Verfügung.

Ziel ist es, die Streckengeschwindigkeit auf der eingleisigen nicht elektrifizierten Strecke von bisher maximal 90 auf bis zu 120 Kilometer pro Stunde anzuheben. Am Donnerstag informierten Bahn-Vertreter Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie die Bürgermeister der Anliegerkommunen über die Baumaßnahme und die Perspektiven.

Sehr anschaulich gestaltete sich dabei für die Parteien- und Behördenvertreter der Einsatz der Spezialmaschinen auf dem Gleis am Bahnhof in Gemünden-Ehringshausen sowie das Zusammenschweißen der Gleise nach Einbau neuer Schwellen.

Rund 20 Arbeiter umfasst ein Bautrupp, der - je nach Vorgabe - auf dem Bahndamm alles erneuert oder nur Teile der Anlage. Gleise und Schwellen kann ein Gleisbauzug vorne aufnehmen und hinten wieder verlegen, etwas aufwändiger sind dann die Folgearbeiten wie das Verschrauben der Gleise auf den Schwellen und insbesondere das Zusammenschweißen der Gleisstücke.

Was nicht vom Gleisbauzug erledigt werden kann, geht alles mit schwerem Werkzeug vonstatten, weshalb allgemein bekannte Maschinen wie beispielsweise Schrauber oder Trennschleifer für die besonderen Bedürfnisse auf dem Gleis umgebaut oder ergänzt worden sind.

Der Arbeitsabschnitt Schweißen war dann auch von besonderem Interesse für die Politiker und Bürgermeister, war er doch verbunden mit Funkenflug, hoch lodernden Flammen und viel Qualm. Als Verfahren wurde Thermitschweißen gewählt. Thermit ist der Handelsname für ein Gemisch aus Eisenoxid- und Aluminium-Granulat. Vor dem Schweißen werden die Schienen mit Keilen ausgerichtet, danach wird eine entsprechend große Lücke frei geschnitten. Um diese Lücke kommt eine Form, die mit einem Sandgemisch abgedichtet wird. Über diese Form kommt ein Tiegel mit dem Thermit.

Nach kurzem Eintauchen eines Schweißbrenners in das Gemisch leuchtet es nach wenigen Sekunden aus dem Tiegel wie bei einem Feuerwerk. Danach rinnt der flüssige Stahl aus dem Tiegel in die Form.Nach dem Abkühlen wird die Form abgebrochen, hervorstehendes Material noch hydraulich beseitigt und die Schiene genau in Form geschliffen.

Auf dem derart verbesserten Gleiskörper können höhere Geschwindigkeiten gefahren werden, und dies ist Voraussetzung für einen einheitlichen Stundentakt zwischen Gießen und Fulda. 40 Kilometer stehen auf der Vogelsbergbahn zur Verbesserung an, vier Brücken und fünf Bachdurchlässe werden erneuert und 61 Bahnübergänge signaltechnisch angepasst. Das heißt an 28 Bahnübergängen wird die Signaltechnik komplett erneuert; an 33 werden die Einschaltkontakte versetzt, damit sich die Schranken wegen der schneller herannahenden Züge rechtzeitig schließen.

Die Gleis- und Brückenbauarbeiten können nur unter Sperrung des Zugverkehrs erfolgen. Um die Bahnpendler, vor allem im Schüler- und Berufsverkehr, möglichst wenig zu beeinträchtigen, finden die Arbeiten abschnittsweise in vier Ferienperioden statt. Die erste intensive Bauphase war in den Sommerferien zwischen Alsfeld und Fulda. Derzeit wird am Abschnitt Mücke-Alsfeld gearbeitet. In den Weihnachtsferien ist der Abschnitt Gießen-Grünberg an der Reihe. Den Abschluss bilden in den Osterferien 2011 noch einmal Arbeiten mit Gleissperrung zwischen Alsfeld und Wallenrod. Die Bahn nutzt die Gleissperrungen auch für Gleisumbauten und Schienenwechsel. Dafür werden zusätzlich zum Konjunkturprogramm rund 4,4 Millionen Euro investiert. Zwischen den Osterferien und dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 finden noch Anpassungen an den Bahnübergängen und an der Signaltechnik statt. Dazu sind aber keine Gleissperrungen notwendig.

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