05. April 2017, 09:00 Uhr

Pendler

So pendelt die Region

Die Zahlen für Mittelhessen zeigen: Immer mehr Menschen pendeln zur Arbeit. Aber wohin? Wie viele Arbeitnehmer fahren raus aus den Landkreisen und wie viele hinein? Fragen und Antworten.
05. April 2017, 09:00 Uhr

Es ist ein gewohntes Bild: Staus auf der A5 oder B3, überfüllte Züge, genervte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Es sind immer mehr Menschen, die »uff de Gass« unterwegs sind. Das zeigt zumindest die Statistik der Bundesagentur für Arbeit für die drei Landkreise Gießen, Wetterau und Vogelsberg. Auch bundesweit ist die Zahl der Pendler im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert gestiegen.

 

Auf welchem Zahlenmaterial basiert die Statistik?

Die jüngsten Zahlen für die Landkreise Gießen, Wetterau und Vogelsberg sind zum 30. Juni 2016 ermittelt worden. Richtgröße ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in den Landkreisen wohnen. Das sind im Landkreis Gießen 93 623 Menschen, ein Plus von 2036 im Vergleich zum Vorjahr. In der Wetterau wohnten Mitte des vergangenen Jahres 115 196 Menschen mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, rund 2700 mehr als ein Jahr zuvor. Ein Plus von 547 ergibt sich beim Blick auf die Zahlen des Vogelsbergkreises. Dort waren es im vergangenen Jahr 40 646 »klassische« Arbeitnehmer, 2015 waren es 39 917. Bei den Pendlern wird grundsätzlich unterschieden zwischen Aus- und Einpendlern. Auspendler verlassen auf dem Weg zur Arbeit den Landkreis, in dem sie wohnen. Einpendler fahren zur Arbeit in einen anderen Kreis.

Ganz gleich übrigens, ob man mit Bus, Bahn oder mit dem Auto unterwegs ist. Ein negatives Pendlersaldo bedeutet, dass auf dem Weg zur Arbeit mehr Menschen den Wohnort über eine Kreisgrenze verlassen, als Beschäftigte in den Kreis einpendeln. Die Zahlen über die Pendlerbewegungen gibt die Bundesagentur für Arbeit heraus.

Welche Unterschiede gibt es strukturell in den Landkreisen?

Die Pendlerstatistik ist eine Ergänzung zu den Arbeitsmarktdaten. Man kann herauslesen, wie viele Jobs vor Ort besetzt werden und wie viele Menschen den jeweiligen Landkreis verlassen, um ihrem Beruf nachzugehen. Der Landkreis Gießen gilt allgemein als eher dienstleistungsorientiert. Im Gegensatz dazu findet man im Lahn-Dill-Kreis mehr produzierendes Gewerbe. Im Gießener Land hat sich das Verhältnis von Ein- zu Auspendlern in der Vergangenheit in etwa die Waage gehalten – seit einiger Zeit verzeichnet man ein negatives Pendlersaldo: Die Zahl der Auspendler übersteigt die der Einpendler. Vereinfacht gesagt: Hier war der Arbeitsplatzzuwachs geringer als in der Nachbarschaft. Auch in der Wetterau dominieren die Auspendler, was unter anderem mit der großen Nähe zum Rhein-Main-Gebiet und der Bankenstadt Frankfurt zu erklären ist.

Auch im Vogelsbergkreis gibt es deutlich mehr Pendler, die den Landkreis auf dem Weg zur Arbeit hinter sich lassen.

Wie sieht die Situation, der Pendler im Landkreis Gießen aus?

Der Pendlersaldo im Landkreis Gießen ist mit den 2013er-Zahlen ins Negative gerutscht. Daraus ist ein Trend geworden: Lag der zahlenmäßige Unterschied zwischen Aus- und Einpendlern 2013 noch bei zarten 68 (28 728 Aus- und 28 714 Einpendler), waren es 2014 schon 332, Mitte 2015 dann 904. Doch das negative Pendlersaldo hat sich nach den jüngsten Zahlen wieder verringert: 32 231 Auspendlern stehen 31 686 Einpendler gegenüber. Eine Differenz von nur noch 545.
 


 

Wohin fahren die Arbeitnehmer im Kreis Gießen zur Arbeit und woher kommen die Einpendler?

Die Auspendler aus dem Landkreis Gießen zieht es bevorzugt in den Lahn-Dill-Kreis (6496), in die Wetterau (5425) und in die Bankenmetropole Frankfurt (5171). Den größten Anstieg verzeichnet der Lahn-Dill-Kreis mit einem Plus von 147 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die täglich für den Job vom Landkreis Gießen nach Wetzlar und Umgebung fahren. Dicht gefolgt aber vom Wetteraukreis, der ein Plus von 144 »Gießenern« verzeichnet. In den Vogelsberg pendeln täglich 1338 Gießener Kreisbürger.

In das Gießener Land kommen am ehesten Arbeitnehmer aus dem Lahn-Dill-Kreis (9743). Mit einigem Abstand folgt der Landkreis Marburg-Biedenkopf (5138) und der Wetteraukreis (5019). Den größten »Gewinn« machen die Gießener mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus dem Lahn-Dill-Kreis (plus 366). Am Rande notiert: Stattliche 1064 Nordrhein-Westfalen kommen täglich zur Arbeit in den Landkreis, aus Bayern kommen nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit 562 Menschen täglich.

Wie stellt sich die Situation im Wetteraukreis dar?

Im Wetteraukreis dominieren die Auspendler – aus den bereits genannten Gründen. Das zeigt sich auch beim Blick auf die jüngsten Zahlen. 63 440 Aus- stehen 30 466 Einpendlern gegenüber. Daraus ergibt sich ein negatives Pendlersaldo von 32 974. Mitte 2015 lag diese Differenz noch bei 32 400, Mitte 2014 bei rund 31 900. Hauptanziehungspunkt für die Wetterauer, die über die Kreisgrenzen hinweg zur Arbeit fahren, ist die Bankenstadt Frankfurt. 26 736 fahren täglich in die Mainmetropole. 2015 waren es noch 25 500. Auf Platz zwei der bevorzugten Arbeitsziele folgt der Hochtaunuskreis (7263), Position drei besetzt der Main-Kinzig-Kreis (7045).

Auf Platz vier landet der Landkreis Gießen: 5019 Wetterauer fahren jeden Morgen nach Mittelhessen an die Arbeit. Nach Friedberg, Bad Nauheim und Co. zieht es vor allen Dingen – wie schon im Vorjahr – Arbeitnehmer aus dem Kreis Gießen (5425). Es folgen, ebenfalls unverändert, der Main-Kinzig-Kreis (5043), Frankfurt (3744) und der Hochtaunuskreis (2527). Auch hier birgt die Statistik eine Überraschung: 1082 Bayern sind als Einpendler in den Wetteraukreis verzeichnet.

Das Gros der Vogelsberger pendelt in den Kreis Fulda. Hat sich daran etwas geändert?

Nein. Die Zahlen von Mitte 2016 bestätigen das. 3955 Vogelsberger fahren jeden Tag in den Landkreis Fulda, um ihrer Arbeit nachzugehen. Im Jahr davor waren es 3740. Der Landkreis Gießen ist den Fuldaern seit jeher am dichtesten auf den Fersen: 3391 Pendler sind täglich in den Nachbarkreis unterwegs. Mitte 2015 waren es 3345. Abgeschlagen auf den Plätzen: Marburg-Biedenkopf (1940), der Wetteraukreis (1818) und Frankfurt (1149). Auch bei den Einpendlern in den Vogelsbergkreis dominiert der Landkreis Fulda: 1536 fahren von dort aus täglich nach Homberg, Alsfeld und Co – vier weniger als im Vorjahr. Aus dem Landkreis Gießen kommen 1338 Pendler, ein Plus von 75 im Vergleich zum Vorjahr.

Auf den Plätzen dahinter rangieren der Schwalm-Eder-Kreis (1069), Marburg-Biedenkopf (1029) und der Wetteraukreis (790). Wie schon eingangs erwähnt, dominieren im Vogelsbergkreis die Auspendler (17 290) deutlich. In den Kreis kommen täglich insgesamt 8080 Menschen zum Arbeiten.

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