18. Oktober 2018, 22:12 Uhr

Schrecken auf Burg Frankenstein

18. Oktober 2018, 22:12 Uhr

Mühltal (dpa/lhe). Schaurige Voodoo-Zeremonien, ein Schrottplatz mit Zombies, eine blutrünstige Metzgerin, ein Folterturm und ein Sumpf: An zwölf Stationen treten ab dem heutigen Freitag verschiedene Monster auf der Burg Frankenstein in Interaktion mit den Besuchern. Dazwischen schleichen sich Werwölfe, Clowns, Hexen und Vogelscheuchen unbemerkt an, fangen Grusel-Fans, sperren manche kurzzeitig in Särge und Käfige oder zerren sie ins Stroh und in den Sumpf.

»Das war schon vor 40 Jahren so, die Leute erwarten das«, sagt die Sprecherin des Spektakels, Petra Kämmerer, bei der Generalprobe am Samstag. Selbstverständlich werde aber niemand in eine Kiste gesperrt, der das wirklich nicht wolle. In Südhessen stationierte US-Soldaten riefen das Halloween-Spektakel 1977 ins Leben. Manche Besucher seien anfangs aus den Staaten eingeflogen, organisiert von einer gemeinnützigen Organisation.

Kathrin Butz aus der Nähe von Bingen ist zum ersten Mal zu Gast und findet es »sehr gruselig«. »Man erkennt die Personen hinter den Masken und Kostümen gar nicht«, sagt die 27-Jährige beeindruckt.

Zwischen lodernden Flammen, Rauch, Schreien und Totenköpfen sind auf dem imposanten Burggelände Showeinlagen zu sehen. Auf einer Bühne tanzen Hexen, Vampire und Dämonen. Rund 2000 Arbeitsstunden steckten allein in der Gruselkulisse, sagt der Veranstalter. »Die Kino-Animationen machen es uns von Jahr zu Jahr schwerer«, sagt der Geschäftsführer der Event und Restaurant GmbH Burg Frankenstein, Ralph Eberhardt. »Es kann nicht nur um Blut gehen. Wir müssen mehr mit Ängsten spielen, mit Dunkelheit, mit Räumen.«

Rund ein Drittel der etwa 100 Monster werden intensiv geschminkt und müssen eine Dreiviertelstunde in die Maske. Die anderen tragen Masken oder schminken sich selbst.

37 Jahre und damit am längsten ist Boris Stirn dabei: »Angefangen habe ich als Werwolf, in den letzten Jahren bin ich der Sumpfkönig«, erzählt der 61-Jährige aus Hattersheim. Wie schrecklich er werde, hänge von seinem Gegenüber ab: »Wir machen Vollkontakt. Aber wenn jemand Angst hat, ist man ganz anders, als wenn sich jemand für mutig hält.«

Frankenstein selbst ist 2018 gar nicht dabei. Sein Darsteller habe aufgehört, es sei noch kein neuer gefunden und das sei auch nicht leicht, sagt Kämmerer. Ein Frankenstein müsse mindestes zwei Meter groß sein.

»Früher waren es bis zu 20 000 Gäste an einem Abend, 90 Prozent davon Amerikaner«, sagt Sumpfkönig Stirn. Inzwischen sind nur noch maximal 3000 Zuschauer erlaubt. »Das Publikum war früher besser«, findet Stirn. »Die Amerikaner haben Spaß verstanden und alles mitgemacht.« Die Vorschriften seien heute aber auch viel strenger.

»Es ist professioneller geworden«, sagt Kraftfahrer Jürgen. Der 59-Jährige mimt einen Toten in einer Badewanne und trägt deshalb einen Neoprenanzug unter seinen Kostüm. »Die Atmosphäre, der Aufbau, das ganze Drumherum – es ist wie eine Sucht«, schwärmt er. Und was fasziniert die Besucher so daran? Sozialpsychologe Prof. Ulrich Wagner von der Universität Marburg nennt vor allem zwei Gründe: Die Suche des Einzelnen nach Aufregung und ein soziales Gruppenerlebnis.

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