17. April 2018, 20:31 Uhr

Wetterauer Fall in Gießen vor Gericht

Rettung für das Rhönschaf Im Schneckentempo in die Zukunft Solaranlagen: Datenbank soll Verbreitung fördern Bevölkerung in Hessen wächst auf 6,23 Millionen Festnahmen und Funde nach Drogenrazzia Tödlicher Autounfall: Bewährung für MS-Kranken Lebenslange H

Bis sich selbstfahrende Kleinbusse durch den normalen Straßenverkehr wühlen, wird es wohl noch ein bisschen dauern. In Frankfurt kann man jetzt schon mal testen, wie sich das anfühlt.
17. April 2018, 20:31 Uhr
Seine Rettung verdankt das Rhönschaf auch seinem guten Aussehen und zugewandten Wesen. (Foto: dpa)

Kassel/Dermbach (dpa). Rhönschaf, Merinolangwollschaf, Leineschaf: Sie alle gelten als gefährdete Nutztierrassen in Deutschland. Beim schwarzköpfigen Rhönschaf allerdings, das in den 1980er Jahren kurz vor dem Aussterben stand, haben sich die Bestände Fachleuten zufolge wieder erholt. Allein in Hessen liegt der Bestand wieder bei 1137 Mutterschafen und 45 Böcken, sagte der Zuchtleiter des Hessischen Verbandes für Schafzucht und -haltung mit Sitz in Kassel, Arnd Ritter. Da sein Verband nur die offiziell für die Zucht zugelassenen Tiere registriert, könne es deutlich mehr Rhönschafe in Hessen geben. »Seit 2005 hat sich der Bestand wieder erholt.«

Mit ein Grund für diese Entwicklung ist nach Angaben des Experten, dass die Schafhaltung in Deutschland kaum noch wirtschaftlich ist und sich immer mehr hin zu einem Hobby entwickelt. Und diese Hobbyzüchter überzeuge das Rhönschaf mit seinem guten Aussehen und seiner freundlichen Art. »Das Rhönschaf ist von der äußeren Erscheinung her ein attraktives Schaf«, sagt der Zuchtleiter über das Tier mit weißem Körper und schwarzem Kopf. Zudem sei es pflegeleicht und lasse sich leicht zähmen.

Dass seine Wolle eher grob ist und es weniger Fleisch als andere Rassen auf den Knochen hat, ist für die Hobbyhalter nicht so wichtig. »Wenn sie schon kein Geld verdienen, wollen sie wenigstens einen Beitrag zur Erhaltung einer bedrohten Rasse leisten«, nennt Ritter einen weiteren Grund, warum Hobbyhalter sich Rhönschafe zulegen.

In Thüringen ist die Lage ähnlich: Dort liegt der Bestand wegen gezielter Förderung inzwischen wieder bei etwa 2300 Mutterschafen, wie Christoph-Johannes Ingelmann vom Verband Thüringer Schafzüchter sagte. 28 Züchter kümmern sich in Thüringen um den Erhalt der alten Schafrasse. Sie gilt als genügsam beim Futter, wetterrobust und widerstandsfähig gegen Krankheiten – und kommt deshalb gut mit dem Klima der auf Thüringen, Hessen und Bayern verteilten Rhön zurecht. Neben zwei größeren Betrieben mit rund 150 Mutterschafen gibt es laut Verband auch in Thüringen überwiegend Nebenerwerbsbetriebe und Hobbyzüchter.

Dass sich die Bestände wieder stabilisiert haben, führt Ingelmann für sein Bundesland vor allem auf Förderprogramme wie das KULAP-Programm aus EU-Töpfen zurück. Damit werden Maßnahmen zur Landschaftspflege und zur Erhaltung vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen gefördert. »Ohne diese Mittel wäre es schwer für die Züchter«, sage der Geschäftsstellenleiter beim Thüringer Schafzuchtverband. In Hessen betreibt unter anderem der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) ein Rhönschaf-Projekt und unterhält eigene Herden.

Sanft fährt der Minibus an. Eben noch war die gelbe Seite vorn und die türkise das Heck, jetzt rollt das Gefährt ohne Wenden in die andere Richtung. Wo sitzt der Fahrer? Es gibt keinen. Auf dem Gelände der University of Applied Sciences wird in dieser Woche erstmals im Stadtgebiet ein autonomer Bus getestet.

Tobias (19) und Markus (20), zwei Informatik-Studenten, gehören zu den ersten Fahrgästen. »Anfangs ist es ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass es keinen Fahrer gibt«, sagt Markus, »aber im Fahren habe ich mich sicher gefühlt.« Tobias fand die fahrerlose Fahrt sogar »angenehmer als mit dem Busfahrer heute Morgen«. Der habe ständig abrupt gebremst und stark beschleunigt.

Zwölf Fahrgäste haben Platz in dem Fahrzeug namens CUbE. Zwei gegenüberliegende Reihen bieten je drei Sitzplätze, dazwischen können weitere sechs Personen stehen. Die Abkürzung CUbE steht für Continental Urban Mobility Experience. Das Unternehmen ist einer der Projektpartner, von ihm stammt die Technik im Fahrzeug. Der Bus ist ein Modell des französischen Herstellers EasyMile. Schnell fahren ist noch kein Ziel der Probefahrt.

Potenzial zur Revolution?

Die Frankfurter Teststrecke ist gerade mal 600 Meter lang und hat vier Stopps. Autos, Straßenbahnen, Busse oder Lastwagen fahren nicht auf dem Campus, aber Radfahrer und Fußgänger gibt es zuhauf. Der Minibus ist mit Technik vollgepackt: »Sensoren, Kameras, Radar und Laser«, erklärt Continental-Projektleiter Andree Hohm. So findet der Bus seinen Weg und erkennt Hindernisse. Für Lenken und Bremsen sind Computersysteme verantwortlich.

Jeder kann einsteigen und mitfahren, der Test ist nicht auf Studenten beschränkt. Immer dabei: Alexandre Zavisic, ein Mitarbeiter des Fahrzeugherstellers, der die Technik überwacht und im Notfall eingreifen könnte. Nach der Fahrt werden die Passagiere gebeten, mit dem Smartphone einen QR-Code zu scannen und ein paar Fragen zu beantworten: »Wie sicher haben Sie sich gefühlt?« oder »Würden Sie selbstfahrende Busse auch im öffentlichen Straßenverkehr nutzen?«.

Bei dem Test geht es vor allem darum, Erfahrungen mit der neuen Technologie zu sammeln. Verschiedene Firmen versuchen sich derzeit auf dem Zukunftsmarkt zu positionieren. Der erste autonom fahrende Bus verkehrt seit Oktober 2017 im niederbayerischen Bad Birnbach, Betreiber ist eine Bahn-Tochter. Bei einem Test auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens war die R&V-Versicherung federführend. EasyMile zählt weltweit 170 Tests mit fahrerlosen Fahrzeugen auf.

Ideal eignen sich autonome Fahrzeuge überall dort, wo ein großer Bus nicht die beste Lösung ist, sagt Prof. Petra Schäfer. Sie leitet die Fachgruppe Neue Mobilität der University of Applied Sciences. »Auf dem Land wird der Bus nicht voll und in der Stadt hat er keinen Platz, weil der Verkehr zu dicht ist.«

»Fahrerlose Mobilitätssysteme werden künftig Teil des öffentlichen Personennahverkehrs sein«, erklärt die Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF). »Die Technik hat das Potenzial, unsere Mobilität nicht nur zu ergänzen, sondern zu revolutionieren«, sagt VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer. Konkrete Pläne, autonome Kleinbusse in Frankfurt einzuführen, gibt es derzeit aber nicht.

Das autonome Fahren wird künftig auch die TÜV-Prüfung für Autos umkrempeln. Statt der Hauptuntersuchungen in festgelegten Intervallen dürfte sich das Prüfgeschäft dank des zunehmenden Einsatzes von Sensoren in Autos hin zu einem stetigen Online-Monitoring von Fahrzeugen entwickeln, sagte der Vorstandschef des TÜV Süd, Axel Stepken, am Dienstag in München. Das senkt die Zahl der Aufgaben für die Prüfer laut Stepken aber nicht. Auch künftig müsse etwa die korrekte Funktion von Bremsen und Reifen geprüft werden – aber beispielsweise auch, ob die Sensoren im Fahrzeug ordnungsgemäß funktionieren oder verfälschte Ergebnisse liefern.

Noch bis morgen fährt in Frankfurt der Bus auf dem Campus neben dem Alleenring Schleifen. Technisch könnte das elektrisch betriebene Fahrzeug 40 km/h fahren, ist im Testbetrieb aber auf 20 km/h gedrosselt. Real schleicht es im Schneckentempo von Gebäude zu Gebäude. Tobias und Markus könnten die Strecke schneller zu Fuß gehen. Die Zukunft kommt in Zeitlupe. (Fotos: dpa)

Wiesbaden (dpa/lhe). Mehr Solaranlagen auf Bürogebäuden oder Werkshallen: Hessen will mit seinem Solarkataster stärker auch Unternehmen ansprechen. Das kündigte der Leiter der Landesenergieagentur, Karsten McGovern, gestern in Wiesbaden an. In der Datenbank sind jedes der fünf Millionen hessischen Dächer und jede Freifläche erfasst. Hausbesitzer können sich in dem Kataster seit 2016 unter anderem darüber informieren, ob ihr Hausdach für eine Solaranlage geeignet ist. Bei den Unternehmen im Land sieht McGovern noch Potenzial. Die Firmen müssten die Anlagen dabei nicht unbedingt selbst betreiben, sagte der Energieexperte.

Wiesbaden (dpa/lhe). Die Bevölkerung in Hessen wächst weiter. Im ersten Halbjahr 2017 lebten knapp 6,23 Millionen Menschen im Land, rund 15 900 mehr als noch ein Jahr zuvor, wie das Statistische Landesamt gestern mitteilte. Das Plus ergibt sich aus einem Wanderungsgewinn von 21 000 – so nennen es die Statistiker, wenn mehr Menschen zuwandern als wegziehen. Im gleichen Zeitraum starben 5100 mehr Menschen, als Kinder geboren wurden. Im ersten Halbjahr 2017 war der Anstieg – im Vergleich zum Vorjahr – mit 0,8 Prozent in Frankfurt und Offenbach am höchsten. Im Kreis Waldeck-Frankenberg lebten dagegen 0,2 Prozent weniger Menschen als noch im ersten Halbjahr 2016. Den höchsten absoluten Bevölkerungszuwachs verzeichnete ebenfalls Frankfurt mit plus 5761.

Ludwigshafen (dpa). Bei einem Schlag gegen mutmaßliche Drogenhändler sind in mehreren Bundesländern acht Verdächtige gefasst und große Mengen Rauschgifts sowie 1000 Cannabispflanzen beschlagnahmt worden. Die Festgenommenen aus Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sollen Drogen »in nicht geringen Mengen« hergestellt und verkauft haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft gestern in Ludwigshafen mitteilten. Insgesamt gebe es etwa 20 Beschuldigte, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in Frankenthal, Hubert Ströber. Manchen davon werde zur Last gelegt, als Mitglied einer Bande gehandelt zu haben, »aber nicht allen«. Bei 19 Durchsuchungen – unter anderem in Worms, Weisenheim am Sand, Mutterstadt und Östringen – entdeckten die Fahnder mehrere Schusswaffen sowie Marihuana und Amphetamin im jeweils zweistelligen Kilogrammbereich.

Darmstadt/Obersthausen (dpa/lhe). Das Landgericht Darmstadt hat einen an multipler Sklerose (MS) erkrankten Autofahrer nach einem tödlichen Verkehrsunfall wegen fahrlässiger Tötung zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Angeklagte hatte am 11. Juni 2015 in Obertshausen (Kreis Offenbach) mit seinem Auto während eines Krampfanfalls einen Fußgänger mit über 140 km/h angefahren. Der 34-Jährige, der bei Grün eine Straße überquert hatte, wurde 40 Meter durch die Luft geschleudert und starb noch am Unfallort.

Gießen/Niddatal (dpa/lhe). Der erste Schlag mit dem Beil kommt für das Opfer völlig unerwartet. Es folgt noch ein Hieb und noch einer. 13-mal schlägt der Angeklagte mit seinem Tomahawk auf den 40 Jahre alten Geschäftsmann ein und raubt sein Opfer aus – davon ist das Landgericht Gießen überzeugt. Es verurteilte den 21-jährigen Angeklagten gestern unter anderem wegen Mordes und Raub mit Todesfolge zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Der 21-Jährige habe die Tat im vergangenen April in Niddatal »perfide geplant und brutal durchgeführt«, begründete der Vorsitzende Richter das Urteil. Vor der Tat hatte sich der Mann im Internet über die Folgen von Schlägen in den Nacken und eines Genickbruches informiert. Zudem soll er einen vorgetäuschten Bargeldtausch mit dem Geschäftsmann eingefädelt haben, damit dieser viel Geld zu Hause hat. Nach der Beilattacke raubte der Angeklagte laut Gericht 100 000 Euro Bargeld, Handy und Laptop. Die Richter gingen davon aus, dass der nicht vorbestrafte Mann mit der Tat seinen Lebensstil finanzieren wollte. Er habe geprahlt, Geld zu besitzen, und sich »als tollen Hecht« dargestellt. Tatsächlich aber habe er von Aushilfsjobs gelebt und kaum Geld auf dem Konto gehabt.

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