29. Oktober 2012, 11:53 Uhr

Olli Dittrich: »Niemals aufgeben und den Ball flach halten«

Bad Nauheim/Gießen (wz). Über »Das wirklich wahre Leben« hat Olli Dittrich einen viel beachteten Bestseller geschrieben. Mit diesem Buch, mit seiner Leseschau, gastiert er im Rahmen der 100-Jahr-Feier des kommunalen, auch dem Kreis Gießen gehördenden Energieversorger Ovag am Freitag, 9. November, um 20 Uhr im Dolce-Theater in Bad Nauheim.
29. Oktober 2012, 11:53 Uhr
Olli Dittrich

In einem Exklusiv-Interview äußert er sich zu seinem Buch.

Was hat Sie bewogen »Das wirklich wahre Leben« zu schreiben?

Olli Dittrich: Am Anfang stand die Idee der Autorin Anne Ameri-Siemens, Loriot und mich für ein langes Gespräch zusammenzubringen. Sie wollte uns Fragen stellen und das redigierte Ergebnis als Buch herauszubringen. Eine tolle Idee, fand der Verlag, auch Vicco von Bülow war durchaus angetan, bat dann aber aus gesundheitlichen Gründen darum, es ohne ihn zu realisieren. Dann brauchte es noch einige Zeit, bis Anne mich überzeugen konnte, es mit mir allein anzugehen. Ich war wirklich skeptisch, ob irgendjemand in Deutschland an einem Interview-Buch mit Olli Dittrich Interesse haben könnte, ob überhaupt genug relevantes Material zusammenkäme.

Wie war dann Ihr weiters Vorgehen, um die Buchrealisation doch hinzubekommen?

Dittrich: Wir probierten es einfach aus und führten zig Gespräche an unterschiedlichen Orten. Orte, die besondere Stationen in meinem Leben markierten. Zum Beispiel mein altes Gymnasium, den Dittsche-Imbiss, das Münchener Olympiastadion, in dem ich mit Wigald Boning vor 60 000 Leuten aufgetreten bin, oder eine psychiatrische Einrichtung, in der mein großes Vorbild Heino Jaeger bis zu seinem Tod lebte. Alle Plätze, die wir besuchten, hatten eine besondere assoziative Kraft, brachten so manche vergessene Begebenheit wieder ans Tageslicht. So wurde der Grundstein zu sehr unterschiedlichen Kapiteln gelegt.

Das hört sich nach einer aufwendigen Recherchearbeit an.

Dittrich: Das war es auch. Ich begann, den Interview-Teilen neu verfasste Anekdoten und Erzählungen beizufügen. Und – in monatelanger Suche und Recherche – Tausende von Fotos durchzuschauen, alte Dokumente aufzustöbern, Zeichnungen und Briefe zu sichten; alles auszuwählen und aufeinander abzustimmen. So wurde dieses Buch Stück für Stück zu einem wahren Schatzkästchen. Und Loriot schrieb das Vorwort, das macht mich besonders stolz.

Gibt es für Sie eine zentrale inhaltliche Überschrift für das Buch und damit ja auch für Ihr bisheriges Leben und künstlerisches Schaffen?

Dittrich Niemals aufgeben und den Ball flachhalten.

Was hat Sie bewogen »Das wirklich wahre Leben« als Leseschau auf die Bühne zu bringen?

Dittrich Der ganz besonders große Spaß, den wir – das Publikum und ich – bislang bei vereinzelten Lesungen hatten! Die »Leseschau« setzt nämlich auf der Bühne da an, wo das Selbst-Lesen des Buches seine Grenze hat: Wenn der Ton zusätzlich die Musik macht.

Was wird denn bei den Lesungen das Besondere sein, und gibt es inhaltliche Unterschiede zum Buch?

Dittrich Die Interviewteile sind nur bedingt zum Vorlesen geeignet, also stehen die Anekdoten im Vordergrund. Das Besondere daran: Um das Ganze aufzulockern, nicht stundenlang nur stur auf ein Buch zu schauen, sondern mit dem Publikum in lebhaftem Kontakt zu bleiben, verbinde ich die Geschichten mit immer neuen, spontanen Überleitungen. Manchmal geraten sie zu längeren Stegreiferzählungen, sehr zum Spaß der Leute!

Nennen Sie doch ein paar Beispiele.

Dittrich: Na, von skurrilen Begebenheiten mit Rudi Carrell über lustige Familienabenteuer aus meiner Kindheit oder Geschichten meiner Anfänge als Musiker im Hamburg der frühen 1970er Jahre bis hin zu »Backstage«-Anekdoten aus der »RTL-Samstag-Nacht«-Zeit. Da kann ich dann spontan mal eine Figur parodieren, »Dittsche« ein Gedicht aufsagen lassen oder unveröffentlichtes Text-Liedgut aus »Doofen«-Tagen zitieren. Was für ein Spaß! So entsteht jeden Abend eine ganz eigene, lebendige Form einer »Lesung«, die weit über den Buchinhalt hinausgeht. Zum Schluss gibt’s dann meist noch etwas Stand-up-Comedy, »Neues vom Spocht« zum Beispiel.

Wie kann das Spaß machen angesichts der bevorstehenden Mammuttour? Das muss doch wie Extremsport sein?

Dittrich: Seit meinem 16. Lebensjahr gehe ich auf Tourneen, ich liebe das sehr. Klar, muss man fit sein, aber ich rauche und trinke nicht, dann geht das schon.

Kann man irgendwann den Text auswendig und muss aufpassen, dass man nicht in Routine verfällt?

Dittrich Ich kann natürlich mittlerweile weite Strecken des Buches auswendig. Das ist aber völlig irrelevant, denn es geht ja darum, lebendig zu erzählen! Als Schauspieler vor der Kamera oder auf der Bühne muss ich das ja auch können: Stets das Gefühl herstellen, ich erzähle alles zum ersten Mal. Textsicherheit ist handwerkliche Voraussetzung, nicht Ziel. Sozusagen die Pflicht vor der Kür am Abend auf der Bühne.

Warum überhaupt Lesetouren? Welchen Wert, welche besondere Qualität kann das Format im besten Fall haben?

Dittrich Vorgelesen zu bekommen ist eine der schönsten Erinnerungen meiner Kindheit. Ein besonderer Genuss, der auch im Erwachsenenalter nicht verlorengegangen ist. So geht es mir, so geht es dem Publikum. Der Klang einer Stimme, die eine schöne, lustige, tragische, ernste, romantische oder aufregende Geschichte erzählt, regt doch noch ganz andere Sinne an, als wenn man selbst lesen würde. Vor allem, wenn es spannende biografische Erzählungen sind, die derjenige vorträgt, der sie selbst erlebt hat.

Wo liegt für Sie der Zauber in der unmittelbaren Situation des Vorlesens?

Dittrich: So zu erzählen, dass die beschriebenen Figuren, die Orte mit all ihren Details, der Zeitgeist und das Lebensgefühl der Geschichten lebendig werden und zum Greifen nahe sind. Dann gehen die Leute mit auf eine Reise. Großartig.

Karten für die Leseschau mit Olli Dittrich gibt’s bei der Ovag im Dienstleistungszentrum Wetterau (Friedberg, Europaplatz), im Ticket-Shop Friedberg, Tel. 0 60 31/82 11 13 und im Internet unter www.adticket.de.

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