28. Juni 2018, 22:16 Uhr

Lebenslange Haft für Dolch-Mörder

28. Juni 2018, 22:16 Uhr

Der geständige Dolch-Mörder nimmt das Urteil regungslos entgegen: lebenslange Haft. Aber der Angeklagte – ein Ex-Soldat aus Afghanistan (58) – verzieht bei der Verkündung am Donnerstag vor dem Landgericht Hanau keine Miene. Auch dann nicht, als der Vorsitzende Richter Peter Graßmück versucht, ihm die Folgen seines Handelns eindringlich näherzubringen. »Sie haben schwere Schuld auf sich geladen«, sagt er. Ein Dolmetscher übersetzt.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte seine Frau (52) mit einem beidseitig geschliffenen Dolch aus niedrigen Beweggründen tötete, weil er von ihr verlassen worden war. Er sei bei der Tat im Dezember 2017 in der Hanauer Innenstadt mit »absolutem Vernichtungswillen« vorgegangen, verdeutlichte Richter Graßmück.

Der Mann erstach seine Frau nicht einfach, er metzelte sie in einem Gewaltexzess in aller Öffentlichkeit nieder. Das Opfer erlitt etwa 40 Stich- und Schnittverletzungen, darunter Durchstiche in den Schädel. Oberstaatsanwalt Dominik Mies sagte, das Ausmaß der Brutalität sei bemerkenswert gewesen. Wie im Rausch habe er auf die am Boden liegende und wehrlose Frau eingestochen. Eine Zeugin berichtete, der Afghane habe den Dolch mit beiden Händen gegriffen und über den Kopf ausholend zehn- bis 20-mal in die Frau hineingerammt. Als er seine geplante Tat vollendet hatte, bat er aufgeschreckte Augenzeugen darum, die Polizei zu verständigen. Er ließ sich am Tatort widerstandslos festnehmen und räumte die Tat bei der Polizei ein.

Hohe Aggressivität

Fachleute sprechen bei solch explosiver Gewalt und einer Vielzahl an tödlichen Verletzungen von »Übertöten«. Der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Das Übertöten des Opfers ist ein Zeichen von hoher Aggressivität des Täters. Anhand der massiven Verletzungen zeigt sich, dass er das Opfer nicht nur töten, sondern zerstören wollte. Er wollte damit wohl seine Verachtung und Wut zum Ausdruck bringen.« Womöglich habe er sich im Kern seiner Persönlichkeit verletzt gefühlt.

Im Prozess wird nachgezeichnet, wie es zu diesem verhängnisvollen Dezemberabend 2017 kam. Die Eheleute zogen mit ihren beiden Töchtern vor acht Jahren nach Deutschland. Doch die Beziehung ging in die Brüche. Die Frau trennte sich von ihrem Mann. Aus Angst vor ihm ging sie ins Frauenhaus. Der Mann versuchte sie zurückzugewinnen, allerdings mit Todesdrohungen. Er fühlte sich in seiner Ehre verletzt. Er sagte in Vernehmungen laut Richter Graßmück: »Wenn ich allein bleiben muss, bringe ich sie um.« Und: »Wenn sich die Ehefrau trennt, hat der Ehemann einen schlechten Ruf.«

Der von Besitzansprüchen gegenüber seiner Frau getriebene Mann habe für die Ehrverletzung Rache nehmen wollen, sagte Graßmück. Er besorgte sich im September 2017 einen Dolch, beidseitig geschliffen. Mit dem Dolch unter der Jacke lauerte er ihr nahe der Marienkirche in Hanau auf. Der Angeklagte beging seine Tat bei vollem Bewusstsein, wie das Gericht befand. Er sei zwar laut einem Gutachter depressiv, aber eine krankhafte seelische Störung habe nicht vorgelegen. Deswegen wurde er als voll schuldfähig eingeschätzt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Dolmetscher
  • Haftstrafen
  • Polizei
  • Übersetzung
  • Hanau
  • DPA
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 12 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.