Tödlicher Hundebiss

Hund beißt Säugling in den Kopf

Ein sieben Monate alter Junge aus dem südhessischen Bad König ist nach einem Biss des Familienhundes gestorben. Das Tier wird als hochaggressiv beschrieben
10. April 2018, 18:41 Uhr
Ein Polizeiauto steht vor dem Haus, in dem ein sieben Monate alter Junge nach einem Biss des Familienhundes gestorben ist. Foto: dpa

Das braune Mehrfamilienhaus liegt idyllisch am Ortsausgang der Kurstadt Bad König in einem Wohngebiet. Alles wirkt beschaulich, nur Vogelgezwitscher ist zu hören. Doch der Schein in der 10 000-Einwohner-Gemeinde im Odenwald trügt: Am Dienstag verlassen Polizei und Spurensicherung eine Erdgeschoss-Wohnung. Am Vortag ist in dem Haus ein Baby auf tragische Weise tödlich verletzt worden. Der Hund der Familie hat den kleinen Jannis in den Kopf gebissen. Der sieben Monate alte Junge stirbt später im Krankenhaus.

Dabei hatte es zunächst Hoffnung gegeben. Der 23 Jahre alte Vater hatte die Rettungskräfte sofort nach dem Vorfall verständigt – der Zustand des Säuglings galt als stabil. Am späten Montagabend ist das Kind jedoch tot. Der Vater und die 27  Jahre alte Mutter standen am Dienstag unter Schock, wie die Polizei berichtet.

Schuld ist immer der am anderen Ende der Leine

Frank Schoenmaker

Rentner Frank Schoenmaker, der eine ältere Dame in einem Nachbarhaus betreut, ist entsetzt über den Vorfall. Er muss gleich an Hannover denken. Dort hat erst vor wenigen Tagen ein Staffordshire-Terrier eine 53-jährige Mutter und ihren 27-jährigen Sohn in einer Wohnung totgebissen. Jährlich sterben in Deutschland im Schnitt drei bis vier Menschen an Hundebissen oder nach Hundestößen. Das Statistische Bundesamt zählte von 1998  bis 2015  insgesamt 64  Todesopfer.

Ein anderer Rentner in Bad König kennt das Paar mit dem Baby und dem Hund vom Sehen. Aufgefallen sei ihm aber nichts, auch nicht an dem Hund. »Schuld ist immer der am anderen Ende der Leine«, betont Rentner Schoenmaker. »Manche Leute sollten einfach keinen Hund haben.«

 

Tier war nicht als Kampfhund registriert

Die Umstände des Vorfalls sind noch nicht klar – auch nicht, ob es sich wie in Hannover um einen Kampfhund handelt. »Es ist ein Mischling«, sagt Polizeisprecherin Andrea Löb. Dem äußeren Anschein nach könne es sich um einen »Staffordshire-Mix« handeln. Im Tierheim, wo der Hund zwischenzeitlich untergebracht wurde, sei er als hoch aggressiv beschrieben worden.

Den Rassenmix und das Wesen des Hundes sollen jetzt Fachleute untersuchen, wie die Staatsanwaltschaft ankündigte. Deshalb sei das Tier in die Obhut der Polizei gebracht worden. Mit Ergebnissen sei erst in einigen Wochen zu rechnen. In Hessen steht der Staffordshire-Terrier auf der Liste der gefährlichen Hunde. Halter müssen in der Gemeinde für solche Rassen eine Erlaubnis beantragen. Doch das Tier war nicht als Kampfhund registriert.

 

Info

Liste gefährlicher Hunde

Das Halten von gefährlichen Hunden ist in Hessen in einer speziellen Verordnung aus dem Jahr 2003 geregelt. Zur Liste der gefährlichen Hunde gehören zehn Rassen und Gruppen, darunter ist der Pitbull-Terrier und der Staffordshire-Terrier. Ein Halter braucht für diese »Listenhunde« – das Wort Kampfhund wird von den Behörden nicht verwendet – eine Erlaubnis der Ordnungsbehörden der jeweiligen Kommunen. Als gefährliche Hunde gelten auch diejenigen, die einen Menschen gebissen oder in Gefahr drohender Weise angesprungen haben. In Zusammenarbeit mit den drei Regierungspräsidien des Landes wird die Liste der gefährlichen Hunde regelmäßig angepasst. Zuletzt wurde 2008 der Rottweiler in die Liste neu aufgenommen. Aus der Liste gestrichen wurden die Rassen Mastiff, Mastino Napoletano und Fila Brasileiro.

 

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