01. Februar 2018, 18:02 Uhr

Landtag

Hitzige Landtagssitzung: Lob für Fischer, Kritik an Beuth

Innenminister Peter Beuth steht im hessischen Landtag gleich doppelt unter Beschuss – wegen Eintracht-Präsident Fischer und einer Büttenrede. Ein Gießener Abgeordneter findet klare Worte.
01. Februar 2018, 18:02 Uhr
Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, ist im hessischen Landtag für seine AfD-kritischen Äußerungen gelobt worden. Innenminister Peter Beuth (CDU) musste sich den Vorwurf gefallen lassen, Fischer und dem Verein zu wenig Rückendeckung gegeben zu haben. (Foto: dpa)

Eintracht Frankfurt


Gleich um zwei politisch brisante Äußerungen ging es am Donnerstag im hessischen Landtag – einmal die AfD-kritischen von Peter Fischer, Präsident des Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt, das andere Mal um eine Büttenrede von Innenminister Peter Beuth (CDU), in der er auch Witze auf Kosten von Flüchtlingen gemacht hatte.

Für seine AfD-kritischen Äußerungen hat der Vereinspräsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, im hessischen Landtag breite Zustimmung geerntet. Der Fußball-Funktionär habe in einer Art und Weise gesellschaftliche Verantwortung übernommen, »wie ich es mir von vielen anderen wünschen würde«, lobte der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Thorsten Schäfer-Gümbel, am Donnerstag in Wiesbaden. »Es geht in solchen Phasen darum, Bekenntnis abzugeben und Haltung zu zeigen.« Der hessischen Landesregierung um Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) warf Schäfer-Gümbel vor, Fischer in dieser Haltung nicht zu unterstützen. Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Hermann Schaus, beklagte eine mangelnde Solidarität vonseiten der Landesregierung. »Was für ein peinliches Armutszeugnis für Hessen«, erklärte er. Das Verhalten von Bouffier und Innenminister Peter Beuth (CDU) sei »vollkommen inakzeptabel«.

 

Grüne und Linke loben Eintracht-Präsidenten

Vereinspräsident Fischer hatte erklärt, dass eine Mitgliedschaft bei Eintracht Frankfurt und eine Unterstützung der rechtspopulistischen AfD nicht miteinander vereinbar seien. Bei der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag war der 61-Jährige mit 99 Prozent Zustimmung im Amt bestätigt worden.

»Genau solche starken Stimmen braucht die demokratische Gesellschaft«, sagte der Grünen-Abgeordnete Jürgen Frömmrich. Eintracht Frankfurt ziehe mit der deutlichen Haltung gegen Hass und Menschenfeindlichkeit auch klare Konsequenzen aus der Geschichte des Vereins, dessen Spieler zu NS-Zeiten als »Juddebube« geschmäht worden seien. Dass in der Satzung der Einsatz »gegen Ausgrenzung, Demütigung, Herabsetzung und Diskriminierung« festgehalten werde, sei eine Lehre aus dieser Zeit, sagte Frömmrich.

 

Beuth verteidigt sich wegen seiner Flüchtlingsbüttenrede

Innenminister Beuth (CDU) erwähnte Fischer in seiner Rede im Landtag am Donnerstag nicht namentlich, aber er sagte: »Ich bin für eine klare Haltung von Sportlern und Sportfunktionären sehr dankbar.« Der Fußball habe hier eine vorbildliche Funktion. Der hessische Innenminister Peter Beuth wies derweil auch Kritik an seinem Auftritt bei einer Karnevalsveranstaltung zurück. »Eine Büttenrede ist eine Büttenrede«, sagte Beuth. Er hatte bei einer Fastnachtssitzung am vergangenen Wochenende in Taunusstein die teils falschen Altersangaben von Asylsuchenden thematisiert.

Er trete seit 19 Jahren als Redner bei seinem Verein »Die Gockel« auf, sagte der 50-Jährige. »Da bin ich nicht als Minister, da bin ich nicht als Abgeordneter, da bin ich als Peter Beuth.« Das müsse in der Gesellschaft möglich sein. Er äußere sich dort politisch, aber nicht parteipolitisch.

 

Gießener Abgeordneter Greilich steigt (fast) in die »Bütt«

Beuth hatte in der Bütt gereimt: »Manch Flüchtling in ‘nem Jugendheim, könnt fast eher Rentner sein.« Dies hatte unter anderem bei SPD und Linken Empörung ausgelöst. Sie warfen dem Minister vor, sich über Schwächere lustig zu machen und Stimmen am rechten Rand zu fischen. Der Sinn von Karneval sei, gesellschaftliche Dinge humoristisch aufzunehmen, entgegnete Beuth. Er habe über Missbrauch bei der Altersangabe gesprochen – und eben nicht über minderjährige Flüchtlinge. Der »Rechte-Ecke-Reflex« seiner Kritiker treibe Menschen eher in die Arme von Populisten, als die Tatsache, dass man Dinge mal anspreche.

Der Gießener FDP-Abgeordnete Wolfgang Greilich saß das völlig anders. Er reimte im Anschluss an Beutz: »Wir sind meistens schwer gedrückt, wenn Migration ins Zentrum rückt - besonders, wenn Beuth zur Fassenacht Witze auf Kosten der Schwachen macht! Populistisch, aber ohne wirklichen Gag, sucht er Stimmen im rechten Eck. Und die Moral von solchen Geschichten? Der Minister hat’s nicht mit dem Dichten. Peter Helau!«

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