16. August 2018, 21:00 Uhr

Brücken-Einsturz

»Hessische Brücken sicher«

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua mit vielen Toten stellt sich auch in Hessen die Frage nach dem Zustand der Brücken. Etliche sind schon in die Jahre gekommen.
16. August 2018, 21:00 Uhr
Burkhard Vieth (r) und Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) besichtigen während eines Pressetermins die Wiesbadener Salzbachtalbrücke (Autobahn A66). Am Beispiel der Überführung zeigt Hessen Mobil, wie der Zustand eines solchen Bauwerks überprüft wird. (Foto: dpa)

Wiesbaden (dpa/lhe). Als Präsident der Straßenbaubehörde Hessen Mobil ist sich Burkhard Vieth sicher: »Was in Genua geschehen ist, kann hier nicht passieren.« In der italienischen Stadt hat ein verheerender Brücken-Einsturz mindestens 40 Menschen in den Tod gerissen. Vieth steht am Donnerstag auf der Baustelle der etwa 310 Meter langen Salzbachtalbrücke in Wiesbaden, die zu den schlechtesten in Hessen gehört, abgerissen und bis Mitte 2024 neu gebaut werden soll.

»Schlechter Zustand heißt aber nicht einsturzgefährdet«, sagt Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), der mit Hessen Mobil zusammen schildert, wie Brücken in Hessen kontrolliert werden. Gerade Bauten aus den 1960er und 1970er Jahren seien vom Zuwachs des Verkehrs betroffen. »Es gibt teilweise dringenden Handlungsbedarf«, sagt Al-Wazir. Allein in diesem Jahr hätten sich die Kosten dafür auf rund 225 Millionen Euro summiert. »Das wird so weitergehen, damit wir dem Sanierungsstau begegnen. Wir können aber auch sagen, dass unsere Brücken sehr gut überwacht werden.«

 

Regelmäßige Kontrollen

 

2017 wurden laut Ministerium insgesamt 135 Brückenerhaltungsarbeiten begonnen. 94 wurden abgeschlossen, 41 Projekte laufen im Jahr 2018 weiter. Hinzu kommen 108 neue Vorhaben wie die Talbrücke Langenschwarz (A 7), die Überführung der B54 bei Haiger (A 45, B 54) und die Verstärkung der Bergshäuser Brücke (A 44).

Die Salzbachtalbrücke sei ein Beispiel, wie Hessen sich um die Brücken kümmert und sie überprüft, erklärt Hessen Mobil. Kontrolleur Sebastian Krahle wird von einem Steiger nach oben gefahren und checkt mit einem Hammer einen oberflächlichen Riss. »Der Hammer ist bei uns der Klassiker. Bei Hauptprüfungen, sie sind alle sechs Jahre fällig, müssen wir an jedem Zentimeter handnah rankommen«, erklärt Krahle die Vorgehensweise an den wichtigen Punkten einer Brücke. Nach einem Hauptcheck schließe sich nach drei Jahren eine einfache Prüfung an, sagt er. Da werde nach neuen Fehlern geschaut und, ob sich bei den alten Mängeln etwas verschlechtert hat.

 

Nicht für Verkehr ausgelegt

 

Krahle hat die rund 5500 Brücken im Land im Blick, an Autobahnen, Bundesstraßen und Landstraßen. Von diesen seien etwa 370 reparaturbedürftig. 55 Brücken – davon allein 49 an Autobahnen – seien in einem besonders schlechten Zustand. Die Folgen: regelmäßige Kontrolle und oft ein Neubau.

So auch im Fall der Salzbachtalbrücke, die laut Vieth »einige Kopfschmerzen bereitet«. Denn sie sei ein klassischer Fall und wurde 1963 fertiggestellt. »Noch zu einer Zeit, wo man sich den Verkehr von heute nicht vorstellen konnte«, sagt Al-Wazir. Für etwa 23 000 Fahrzeuge am Tag sei die Brücke ausgelegt gewesen, sagt Hessen Mobil. Inzwischen seien es etwa 90 000 Fahrzeuge. »Die reine Zahl ist aber nicht entscheidend, sondern die gestiegene Zahl der Lkw.«

Als die Salzbachtalbrücke gebaut wurde, bekam sie laut Vieth einen Spannbeton, der zu dünn war. Er platze auf, beim Streuen im Winter wurde das Salz zu einem Problem. »Es drang ein und trug zur Korrosion des Stahls bei.« Die Masse des Verkehrs und die Schwere der Fahrzeuge »führen zu einer Ermüdung der Brücke, die jetzt hier ersetzt werden muss« – und das, nachdem sie schon verbessert wurde.

 

Reparatur bis ins Detail geplant

 

Abriss und Neubau sind bis ins Detail geplant. Ein Teil der Brücke bleibt erst einmal stehen. Er ist mit Stahlverstrebungen verstärkt worden, um den Verkehr aufzunehmen, während der andere Teil abgerissen und neu gebaut wird. Dann nimmt dieser den Verkehr auf, der zweite Teil kommt weg und wird neu gebaut. Das Projekt ist mit etwa über 100 Millionen Euro veranschlagt. Die Kosten trägt laut Hessen Mobil der Bund.

Damit alles klappt, wird die Salzbachtalbrücke besonders oft kontrolliert, etwa alle zwei Wochen. An Brücken, auf die noch besser achtgegeben werden muss, werden Sensoren angebracht. Diese lieferten Informationen an die Computer in den Büros, sagt Eberhard Pelke, Dezernent bei Hessen Mobil. Alarm werde ausgelöst, wenn eine Brücke sich zu sehr bewege.

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