07. Dezember 2012, 09:43 Uhr

Forscher finden neue weitläufige Höhlengänge

Breitscheid (bf). In der Herbstlabyrinth-Adventhöhle bei Breitscheid ist es den Höhlenforschern der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen (SAH) gelungen, in weitläufige neue Höhlenteile vorzudringen: Über 520 Meter lang sind die neu entdeckten Bereiche im Westen der Höhle, die jetzt erstmals betreten werden konnten. Die Höhle im Westerwald gilt als größtes Höhlensystem Hessens.
07. Dezember 2012, 09:43 Uhr
Die Forscher der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen entdeckten in der Herbstlabyrinth-Adventhöhle bei Breitscheid neue Gänge. (Foto: pm)

Nach einer Fortsetzung der Höhle in diese Richtung wurde bereits seit mehreren Jahren intensiv gesucht. »Dass es irgendwo weitergehen musste, war uns klar, da wir an mehreren Stellen deutlichen Luftzug spürten. Und wo Luftzug ist, muss auch ein Gang sein. Wir wussten nur nicht, ob er auch begehbar ist«, erklärte Ingo Dorsten, einer der Höhlenforscher, die die Suche nach dieser Fortsetzung vorangetrieben hatten.

Durch die Erweiterung einer Engstelle in einem Seitenbereich der Halle »Hohe Alb« konnten die Forscher schließlich in engräumige Bereiche vordringen. Dort galt es, einige Kletterstellen zu überwinden, teilweise mit Hilfe von Drahtseilleitern. 25 Meter tiefer war zunächst unklar, wo es weitergehen könnte, da dieser Bereich durch große Felsblöcke geprägt ist. Dass es überhaupt noch in diesem Jahr zu der »großartigen Entdeckung« kam, war Zufall, so Dorsten. Eigentlich sollte die Forschung in diesem Teil des Höhlensystems bis zum Frühjahr ruhen, da ein Verbindungsgang dorthin normalerweise aufgrund der herbstlichen Niederschläge ab November unter Wasser steht. Da er aber bisher noch trocken war, wurde der neue Bereich noch vermessen. Dabei machten Dieter Kraus und Steffi Jamann dann eine aufregende Entdeckung: Sie hörten unter sich in geringer Entfernung einen Bach rauschen. »Mit einem Bach haben wir dort gar nicht gerechnet. Das hat unsere Fantasie ungeheuer angekurbelt«, erzählt Kraus.

»Wir schauten ins Schwarze«

Dann machte sich eine Gruppe von acht Forschern auf den beschwerlichen Weg dorthin. »Die Spannung war enorm. Wir wussten, wo ein Bach ist, können möglicherweise richtig lange Strecken offen liegen. Und wir fragten uns, woher das Wasser kommt und ob es uns vielleicht sogar weiter in Richtung des unterirdisch fließenden Erdbachs bringt. Völlig neue Möglichkeiten des weiteren Höhlenverlaufs wurden diskutiert«, erinnert sich Forscherin Annette Dorsten.

Und tatsächlich: Nachdem ein weiterer Abstieg überwunden und der Weg durch ein Labyrinth aus Kriechgängen und Kletterstellen gefunden war, stand die Forschergruppe schließlich in einem Bachgang. Auf den ersten 30 Metern war das Weiterkommen mühsam, doch dann konnten die Forscher in eine Halle aufsteigen und waren begeistert. Ingo Dorsten: »Nach dem langen Weg durch enge Höhlenteile schauten wir nun ins Schwarze. Sofort erkundeten wir die Halle, wobei wir darauf achteten, möglichst wenige Spuren zu hinterlassen und keine sensiblen Bodenstrukturen zu zertreten.«

Der Höhlenraum ist rund 80 Meter lang, 20 Meter breit und über 30 Meter hoch. Wie in der zur Besucherhöhle ausgebauten »Knöpfchenhalle« besteht der Boden überwiegend aus großen Felsblöcken. Die Halle ist fast doppelt so lang, weist allerdings weniger Tropfsteine auf. Nach dieser Entdeckung konnte der Bachgang noch rund 400 Meter weiter erkundet werden. Dabei wechseln sich flache Bereiche, in denen man nur kriechend weiter kommt, mit Gangstrecken ab. Am Ende des erforschten Bereichs treffen zwei Bäche aufeinander. Da das Vorwärtskommen hier schwierig ist, wurden sie bisher noch nicht weiter erkundet. Ebenso gibt es im Verlauf des Bachgangs mehrere Stellen, die vielversprechend aussehen, deren Erkundung aber noch aussteht, berichteten die Forscher.

Asche und Bims gefunden

Dann wurde das Neuland grob vermessen, um einen Überblick über die Lage zu erhalten. Es stellte sich heraus, dass die neuen Höhlenteile rund 70 Meter unter der Oberfläche weiter nach Westen in Richtung Breitscheid ziehen. Der Höhenunterschied beträgt auf der Länge des Bachgangs nur elf Meter. Richtung Süden konnte dem Bachverlauf weitere 90 Meter bachabwärts gefolgt werden. Hier ändert sich sein Charakter, er fließt überwiegend durch schmale, aber teilweise hohe Canyongänge. An einer Engstelle mussten die Forscher umdrehen, konnten dahinter aber bereits wieder in einen größeren Hohlraum schauen.

»Es bleibt sehr spannend«, sagt Höhlenforscher Simon Mischel. »So viele Meter Neuland auf einmal zu finden, ist eine Sensation. Bereits jetzt ist die Höhle von Platz elf unter die acht längsten Höhlen Deutschlands gerutscht. Und wir sind noch nicht am Ende.« Er und seine Kameraden hoffen, weiter nach Süden vordringen zu können und auf diesem Weg endlich einen Zugang in das noch unbekannte Höhlensystem des unterirdisch fließenden Erdbachs zu erhalten. Am vorläufigen südlichen Ende befinden sie sich nur noch etwa fünf bis acht Meter höher als die Stelle, an der der Erdbach nach seinem unterirdischen Verlauf wieder zum Vorschein kommt und etwas tiefer als der tiefste Punkt in der Erbachhöhle.

Außer der Neulandsuche stehen im kommenden Jahr zahlreiche weitere Arbeiten an: Die neuen Teile sollen genau vermessen werden, um einen Höhlenplan zeichnen zu können. Darüber hinaus wird der Frage nach der Entstehung nachgegangen. Bereits bei der Entdeckung wurden große Mengen Asche und Bims gefunden, die vermutlich vom Ausbruch des Laacher-See-Vulkans in der Eifel stammen.

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