07. September 2012, 18:33 Uhr

Baumgärtel überträgt Banane in alle Lebensbereiche

Marburg. Er wurde als »Bananensprayer« bekannt und ist doch mehr als ein Street-Art-Künstler. Zeitweise wäre er diese einengende Bezeichnung gern wieder losgeworden und signierte seine oft großformatigen Gemälde mit Baumgärtel. Doch mittlerweile sieht er es mit Gelassenheit und Humor und signiert wieder mit »Bananensprayer«.
07. September 2012, 18:33 Uhr
In den Werken des Kölner Künstlers Thomas Baumgärtel dreht sich fast alles um Bananen. (Foto: dkl)

Thomas Baumgärtel (geb. 1960) hat schließlich nicht nur Malerei studiert, sondern auch Psychologie, kennt sich daher aus mit Wirkungsweisen von Kunst und Vermarktungsmechanismen, die er beide ironisch kommentiert. Bereitwillig erzählt er bei der Vernissage in der Marburger Kunsthalle – lebhaft, sympathisch und immer noch jungenhaft wirkend.

Kunstvereinsleiter Dr. Gerhard Pätzold beschäftigt sich schon seit Jahren mit Street Art, die lange Zeit nur als Sachbeschädigung wahrgenommen wurde. Zu diesen aufgeschlossenen Menschen gehört auch der Einführungsredner des Abends, Dr. Michael Euler-Schmidt, Leiter des Kölnischen Stadtmuseums, der Baumgärtel bereits 1997 dessen erste Museumsausstellung in seinem Haus ermöglichte. Und dafür reichlich »Dresche bezog von kulturpolitischer Seite«, wie er sagte.

Ein in Köln beheimateter Künstler hat natürlich seine Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche zu führen, mit ihren Verdrängungsleistungen und ihrer aktuellen Politik. Sie ist sogar für den Beginn seiner Karriere als Bananensprayer mitverantwortlich, wie Baumgärtel schmunzelnd erzählt. Als Ersatzdienstleistender in einem katholischen Krankenhaus reparierte er ein heruntergefallenes Kruzifix, indem er eine Bananenschale in der Haltung des Gekreuzigten daran nagelte.

Von Anzeigen bedroht

Seitdem ist die »Metamorphose der Köln-Banane« zu einem eigenständigen Gemälde geworden, überträgt er das Motiv konsequent in alle Lebensbereiche. Es gibt offenbar nichts, das sich mit Farbe und Form der Banane nicht assoziieren ließe. Auch in der Marburger Kunsthalle verkündet eine vielteilig bestückte Wand die Botschaft: »Alles Banane«.

Baumgärtel begann in Deutschland, Europa und den USA, wichtige Kunstorte mit dem Bananensignet zu kennzeichnen. Anfangs unabgesprochen und von Anzeigen bedroht, schließlich sogar auf Anfrage wie es auch in Marburg geschah. Und dann dokumentiert er das Ergebnis seiner Arbeit wieder, indem er entsprechende Wandausschnitte in Originalgröße abmalt.

Baumgärtel wählte die Banane zu seiner kleinsten Maleinheit, wie der Pinselstrich bei van Gogh oder die Farbpunkte der Pointillisten. Dazu sprüht er durch eine Schablone auf eine farbig grundierte Leinwand. Am Anfang war es eine Gelbphase, dann wählte er das Grau als Grundton, mittlerweile ist beim schichtweise Auftragen von Farben angelangt. Er arbeitet sich an berühmten Vorbildern ab, malt einen bäuchlings liegenden Akt nach Boucher oder ein Stillleben nach Calw; beide Gemälde sind in der Ausstellung zu bestaunen. Seine neuesten Arbeiten sind großformatige Porträts von zeitgenössischen Berühmtheiten – hier: Steve Jobs, Robin Gibb und Mark Zuckerberg -, für die er den Bananenstiel als Rastereinheit entdeckte.

Und er macht auch Großprojekte mit Bananeninstallationen, davon sind nachträglich dokumentierende Bilder – wie die Banane im Portal des Kölner Doms – und geplante – wie die Banane quer im Brandenburger Tor – in Marburg zu sehen.

Bereits am Eröffnungsabend wurde deutlich, dass der Künstler polarisiert. Die einen fanden’s unsäglich, die anderen ausgesprochen witzig. Das mag an der sexuellen Konnotation der Banane liegen, die vor allem in der Kölner Metamorphose optisch ausgeprägt ist. Vielleicht trägt Marburg doch mehr an der protestantisch-puritanischen Tradition als vermutet. Dagmar Klein

Bis 18. Oktober, Di-So 11-17 Uhr, Mi 11-20 Uhr, Eintritt frei, Führungen samstags 16 Uhr, für Schulklassen und Gruppen nach Vereinbarung.

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