Ärger mit Nilgänsen

04. Mai 2018, 21:52 Uhr
Nilgänse in der Stadt sorgen für geteilte Meinungen. (Foto: dpa)

Wenn im Mai nach und nach die Frankfurter Freibäder öffnen, müssen die Mitarbeiter nicht nur die Badegäste, sondern auch die tierischen Besucher im Blick haben: Nilgänse haben in der vergangenen Saison die Wiesen so stark mit Kot verunreinigt, dass die Bäderbetriebe für das Brentanobad eine Abschussgenehmigung erwirkt haben.

Ob die Tiere im Frühjahr wiederkommen, »das muss man jetzt beobachten«, sagte der Geschäftsführer der Frankfurter Bäderbetriebe, Frank Müller. Über den Winter sei ein Pärchen immer wieder aufgetaucht. Wenn es mehr würden, müsse man reagieren: »Als Bäderbetriebe sind wir – im Gegensatz zu öffentlichen Parkanlagen – verpflichtet, sicherzustellen, dass auch Kinder das Bad ohne Gesundheitsgefahren nutzen können.«

Zuerst werde man es mit »Vergrämung« versuchen, sagte Müller. Die Mitarbeiter sollen täglich die Zahl der Vögel zählen und nach Nestern suchen. Knallgeräusche – ob aus einer Schreckschusspistole oder vom knackenden Sprungbrett – sollen die Tiere aufschrecken. Schwarze Kunststoffstörche am Wasser und Jagdrufe aus den Lautsprechern sollen sie verunsichern. »Letztes Mittel ist dann wieder die Beantragung der Bejagung«, sagte Müller.

Seit Jahren kämpft die Stadt gegen eine Invasion von Nil-, Grau- und Kanadagänsen. Neueste Idee: Ein Sichtschutzzaun um den Weiher im Ostpark, der den Gänsen den Blick auf ihren Rückzugsort, das Wasser, verwehren soll. Ob die Anti-Nilgans-Maßnahmen etwas bringen? Bei der Vogelschutzwarte heißt es, man müssen den Versuchen noch etwas Zeit geben.

»Am allerwichtigsten wäre die Einhaltung des Fütterungsverbots«, sagt die Leiterin der Vogelschutzwarte. Dass sich die Gänse in Parks und Bädern so vermehrt hätten, liege vor allem daran, dass es für sie dort viel und leicht zugängliches Futter gebe: Im Bad verfüttern Kinder Pommes, im Park Omas altes Brot, nach dem Grillen lassen die Menschen Essensreste auf der Wiese liegen.

Nicht nur Gegner

Die einen wollen sie abschießen, die anderen pflegen sie gesund: Auf einem Bein hüpft die Nilgans »Einbein« in Frankfurt am Deutschherrnufer und unter der Alten Brücke umher. Der schwer verletzte Vogel war gefunden und zu einem privaten Naturschutzprojekt gebracht worden, wo das Tier monatelang gesund gepflegt wurde.

Der Einsatz für die Vögel stößt nicht überall auf Verständnis. Radfahrer ärgern sich über das furchtlose Federvieh entlang des Mains, Eltern sorgen sich angesichts des Kots um die Gesundheit ihrer Kinder in Freibädern, in Parks stört das laute Geschnatter die Spaziergänger. Die Nilgans hat in der Stadt viele Feinde. Aber eben auch Freunde.

Dabei sei die Gänseart sozial, intelligent und nicht so aggressiv wie es oft dargestellt werde, sagt Martina Chane, Gründerin des »Projekts Oase«. Die Aggression gehe vielmehr vom Menschen aus. Die Tiere würden von Booten überfahren, von Angelhaken getroffen, von Fahrrädern angefahren, Küken würden tot getreten, Hälse umgedreht, zu Tode gehetzt oder einfach erschossen.

Im Stadtteil Niederrad liegt die »MS Heimliche Liebe«. Das Boot ist Heimat des privaten Naturschutzprojekts »Natur Ship« von Monika Endler und Herbert Hasselhoff. Sie nehmen unter anderem verletzte Vögel auf und pflegen sie gesund, »Einbein« war einer davon und hatte Glück, denn: »Bei den meisten Tierärzten und Tierkliniken werden schwer verletzte Wasservögel in vielen Fällen gleich eingeschläfert«, sagt Monika Endler.

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