27. April 2008, 18:12 Uhr

Stadt würdigt Bernhard Grzimek mit einer Allee

Frankfurt (skh). Seit Donnerstag hat der Zoologische Garten offiziell die Anschrift »Bernhard-Grzimek-Allee 1«. Mit der feierlichen Umbenennung der Straße »Am Tiergarten« würdigt die Stadt einen Bürger, der über seine Tätigkeit als Zoodirektor hinaus als Tierfilmer und Naturschützer weltweit größtes Ansehnen genießt. Der 99. Geburtstag, den Professor Grzimek am 24. April gefeiert hätte, sei ein guter Anlass für diese Würdigung, so Kulturdezernent Felix Semmelroth.
27. April 2008, 18:12 Uhr
Die Enkelsöhne Christian (l.) und Stephan sowie Witwe Erika Grzimek (vorne) freuen sich über die außergewöhnliche städtische Würdigung für Bernhard Grzimek. (Fotos: Knauf-Hochvárt)

»Ohne ihn gäbe es den Zoologischen Garten nicht mehr«, nennt Zoodirektor Manfred Niekisch ein das Stadtbild prägendes Verdienst seines legendären Amtsvorgängers. Als Direktor habe er sich nach dem Krieg nicht um Genehmigung geschert, sondern getan, was erforderlich war. In Zeiten leerer Kassen habe er mit eigenen Mitteln und Verbindungen den Fortbestand des Zoos und der wenigen verbliebenen Tiere gesichert. »Dass dies überhaupt möglich war, sei fünf Personen zu verdanken, von denen heute nur noch der Amtsmann Acker und der Betriebsdirektor Lederer namentlich bekannt sind, und die gemeinsam mit drei Tierpflegern den Mut aufbrachten, sich der Erschießung der wenigen überlebenden Tiere zu widersetzen und mit größten Anstrengungen sowie persönlichen Opfern zu versorgen«, so Niekisch. Unter Grzimek entstanden beispielsweise das Giraffenhaus, die Freianlage für Löwen, und das Aquarium wurde zum Exotarium umgebaut. Auch die Zoologische Gesellschaft (ZGF) verdanke ihren Fortbestand Grzimek, der als engagierter Pionier des Naturschutzes der ZGF eine neue Prägung gab. Ein moderner Naturschützer müsse Wissenschaftler sein, der sein Schutzobjekt detailliert kenne, aber auch Stratege, Manager, Mittelbeschaffer und PR-Profi, der in Gummistiefeln ebenso sicher auftritt, wie auf dem politischen Parkett, skizzierte ZGF-Geschäftsführer Christof Schenck. Bereits vor 60 Jahren habe Grzimek diese gesamte Klaviatur wie kein zweiter beherrscht. »Der Name Grzimek ist untrennbar mit der Serengeti verbunden«, sagte Schenk, und mit dem durch ihn mitbegründeten ersten Deutschen Nationalpark Bayerischer Wald habe er die Idee von Naturschutzgebieten auch nach Deutschland getragen. Er gelte als der Entwickler des Naturtourismus, von dem die Reisenden nicht mehr mitnehmen als ihre Eindrücke.

Auch sein Enkelsohn Christian begleitete den Forscher und Bewahrer während vieler seiner Reisen und hielt in der Feierstunde die Laudatio. Von Kindheit an habe ihn die Freude an der Tierwelt begleitet, für die er sich als charmanter Plauderer, genialer Mahner, schlagfertiger Kämpfer und vorausschauender Visionär eingesetzt habe. Auch vor Provokationen sei sein Großvater nicht zurückgeschreckt, und mit Aussprüchen wie »wer so etwas trägt, ist keine Dame« habe er der Damenwelt die Freude am Naturpelz verleidet.

Die Bernhard-Grzimek-Allee beginnt am Alfred-Brehm-Platz und endet an der Kreuzung Zobelstraße. Mit dem neuen Namen ändert sich nicht nur die Anschrift von Zoo und ZGF, sondern auch die des Fritz-Rémond-Theaters, des Gagern-Gymnasiums und der Kindertageseinrichtung »Drachenburg«. Das Gymnasium ließ seine Streicher und Blechbläser aufspielen, und Kitakinder sangen »Ich gehe gerne in den Zoo«, um die offizielle Enthüllung musikalisch zu umrahmen. Seit der Gebietsreform der 1970er-Jahre, ist die Benennung von Straßen an die Ortsbeiräte delegiert. Über die Umbenennung erfreut äußerte sich Ortsvorsteherin Hedi Tschierschke, denn es sei nicht leicht gewesen, einen würdigen Platz zu finden. Der Ortsbeirat Bornheim/Ostend beschloss im Februar 2007 einstimmig die Umbenennung, nachdem das ursprüngliche Anliegen, den Alfred-Brehm-Platz zum Bernhard-Grzimek-Platz zu machen, 2006 an Anwohnerprotesten gescheitert war.

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