28. Januar 2011, 12:50 Uhr

Rossinis »Barbier von Sevilla« in Wiesbaden

Begeisterung für Rossinis »Barbier von Sevilla« im Staatstheater Wiesbaden - eine aus dem Rahmen fallende Inszenierung.
28. Januar 2011, 12:50 Uhr
Jetzt geht's rund: Im Wiesbadener »Barbier« sind die Figuren so opulent wie die Kostüme farbenfroh.

»Der Barbier von Sevilla«, Rossinis buffoneskes Meisterwerk steht nach zehn Jahren erstmals wieder auf der Bühne des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Helle Begeisterung des ausverkauften Hauses für die buchstäblich aus dem Rahmen fallende Inszenierung, die für ein sattsam bekanntes Stück neue und reizvolle Bilder fand: Ein Volltreffer, der dem Haus volle Kassen bringen wird, die es dringend braucht.

Regisseur Michiel Dijkema, der auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, ist ein großer Bewunderer von Rossinis sicherem Instinkt für Situationskomik, Ironie und Absurditäten.

Bartolo, ein auf späten Freiersfüßen wandelnder Doktor, und Graf Almaviva balzen um die Gunst der streng bewachten Rosina, die der junge Adlige mit tatkräftiger Hilfe Figaros (seines ehemaligen Kammerdieners) dem Alten am Ende vor der Nase wegschnappt. Bartolos Domizil ist in Dijkemas Einstudierung ein grün schimmerndes Haus, das per Drehung mal die Straßenansicht mit Rosinas Balkönchen, mal das Innere mit Treppe ins Obergeschoss zeigt. Einziges Requisit außer Figaros fahrbarer »Werkstatt« ist ein kleiner grüner Kaktus, dessen spitze Stacheln Kostümbildnerin Claudia Damm offensichtlich zum Entwurf ihrer witzigen Verkleidungen inspirierten.

Kiril Manolov singt und spielt den Figaro mit Bravour. Wo er auftaucht, gibt es keinen Leerlauf. Allerdings hat er in Bartolo (Thomas de Vries) einen nicht zu unterschätzenden Widerpart. In Dijkemas Interpretation ist Bartolo nämlich keineswegs der in Schlafrock und Pantoffeln daherschlurfende vertrottelte Alte im dritten Frühling, sondern ein moderner Senior, der genau weiß, was er will.

Merit Ostermann besticht als begehrte Rosina nicht nur mit Charme und schönen Koloraturen, sondern auch mit Witz, Raffinesse und lebendigem Spiel. Ein energisches Mädchen, das sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln vehement gegen Bartolos Bevormundung wehrt und für heilloses Durcheinander sorgt.

In weiteren Rollen erfreuen Bernd Hofmann als profilierter Basilio, Norman Shankle als wandlungsfähiger Almaviva, Stephanie Gooch als witzig über die Bühne kugelnde, stachlige Berta und Erik Biegel als Fiorillo.

Das Staatsorchester ist in Hochform. Unter Generalmusikdirektor Marc Piollets nuancenreicher und differenzierender Leitung spielen die Musiker mit Verve, Schärfe und Sensibilität. Britta Steiner-Rinneberg

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