Für eine frostige Nacht lassen sich Topfpflanzen noch mal warm einpacken. FOTO: DPA
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Für eine frostige Nacht lassen sich Topfpflanzen noch mal warm einpacken. FOTO: DPA

Verwechslung im Beet

Unkraut als Insektennahrung

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Im Frühling, wenn im Garten noch alles kahl ist, zeigen sich mitunter an Stellen Sämlinge, die eigentlich woanders ihren Platz haben. Gartenexperten geben Tipps, diese Vagabunden einzubinden.

Unkraut ist Geschmackssache. Für die einen hat es ganz sicher keinen Platz im Garten verdient. Die anderen essen es sogar und ziehen es dafür bewusst auf - man spricht dann von Wildkräutern. Vor allem aber für die Tierwelt haben viele typische Unkräuter einen hohen Nutzen als Nahrung.

Daher gibt es im Handel inzwischen Samenmischungen mit typischen Unkräutern wie etwa Weißer Gänsefuß, Gemeiner Beifuß, Brennnesseln, Wiesenbärenklau, Wiesenkerbel, Hornklee oder Einjähriges Rispengras. Darauf weist der Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz hin. dpa

Der Tod kommt nach einem lauen Frühlingstag. Denn wenn wie so oft nachts die Temperaturen auch nach offiziellem Winterende doch noch mal in den Minusbereich abgleiten, schadet das vielen Pflanzen auf Balkon, Terrasse und im Garten.

Man spricht hier von Spätfrösten oder auch weniger gängig, dafür aber verständlicher von Frühlingsfrösten. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist das ein Frost, der nach Beginn der Vegetationsperiode auftritt. Und genau das macht ihn so gefährlich: Denn die Pflanzen im Garten treiben nun schon von der Frühlingssonne angeregt aus, manches blüht sogar schon. Daher können Spätfröste laut DWD insbesondere im Obst-, Gemüse- und Weinbau Schäden verursachen. Für Hobbygärtner heißt das: Frostempfindliche Pflanzen, gerade viele Gemüsesorten, werden am besten erst nach der möglichen Spätfrostphase in den Gartenboden gesetzt.

Und kälteempfindliche Topfpflanzen, die den Winter im Haus eingelagert waren, werden nur dann schon ins Freie getragen, wenn es warm genug ist. Oder zumindest zeitweise wieder ins Haus geholt oder mit einem Vlies für die frostige Nacht eingepackt.

Das Ende der Spätfrostgefahr in Deutschland markieren traditionell die sogenannten Eisheiligen. Das sind die Gedenktage zu Ehren einiger Heiliger im Mai, nach denen statistisch betrachtet Minusgrade kaum noch vorkommen.

In Norddeutschland gelten Mamertus, Pankratius und Servatius (11. bis 13. Mai) als Eisheilige. Im Süden und Südosten des Landes werden neben Pankratius und Servatius auch Bonifatius (14. Mai) und die "Kalte Sofia" (15. Mai) dazu gezählt. Die Gedenktage sind eine grobe Orientierungshilfe. Nicht jedes Jahr bringt noch Spätfröste bis Mitte Mai - in den vergangenen Jahren blieben sie oft ganz aus. dpa

Nach dem Winter braucht die Kalanchoë wieder mehr Gießwasser. Die Wassergabe wird nun gesteigert - von einem Rhythmus von alle zwei Wochen im Winter bis zu wöchentlich einmal im Sommer. Allerdings braucht die Zimmervariante der beliebten Pflanze jeweils nur einen kleinen Wasserguss so "Always Kalanchoë", eine Initiative der Kalanchoëzüchter und -produzenten. Alle zwei bis drei Wochen gibt man der Kalanchoë am besten etwas Pflanzendünger für Sukkulenten ins das Gießwasser.

Die Kalanchoë gehört zu den sogenannten Sukkulenten, die viel Wasser in ihren Blättern speichern können und so auch Trockenzeiten überstehen. Dank seiner Blüten in leuchtenden Farben wird die Pflanze Flammendes Käthchen genannt. dpa

Na, was machst du denn da? Noch winzige Blühstauden schieben sich aus dem Gemüsebeet. Neben den Rosen entwickelt sich auch überraschend ein kleiner grüner Teppich - in ihm die Vagabunden des Gartens.

Das sind Pflanzen, die selbst ihre Samen verbreiten und so erst einmal unbemerkt neue Plätze im sonst doch immer so durchgeplanten und strukturierten Garten einnehmen. Verbreitet wurden die Samen im vergangenen Sommer vom Wind, aber auch Schuhsohlen und spielende Hunde sind daran beteiligt und jetzt finden Hobbygärtner überall dort kleine Sämlinge, wo sie nicht sein sollten.

Das kann nerven, es kann aber auch seinen Reiz haben, wenn man sich auf die Überraschung einlässt. "Eine herrliche Eigenschaft" nennt die Gartengestalterin Anja Maubach aus Wuppertal diese Art der Vermehrung. Die daraus entstehenden ungeplanten Pflanz-Kombinationen verleihen einer Anlage, die vorwiegend statisch ist, neben Zufälligkeit auch Dynamik.

Ameisen als Transporteure

Vor allem da nicht alle Sämlinge in unmittelbarer Nähe zu ihrer Mutterpflanze auftauchen, wie das etwa bei Akelei und Leinkraut der Fall ist. Zum Beispiel die staudig wachsenden Wolfsmilcharten wie Euphorbia characias tauchen auch schon mal in einigem Abstand auf.

Auch wenn es davon Ausnahmen gibt, "die meisten Vagabunden haben als Individuum eine sehr kurze Lebensdauer", erläutert Jonas Reif, Professor für Pflanzenverwendung und Vegetationskonzepte an der Fachhochschule Erfurt. Sie lassen sich daher in Gruppen einteilen:

"Die Einjährigen überleben nur über Aussaat", erklärt Dieter Gaissmayer, Staudengärtner und Vorstand der Stiftung Gartenkultur in Illertissen (Bayern). Die Zweijährigen nutzen zwar die gleiche Aussaatmethode, aber in einem anderen Rhythmus. Im ersten Jahr bilden sie nur Wurzeln und Blätter, im zweiten Jahr erst folgt die Blüte und damit die Selbstaussaat. "Bei diesen Vagabunden muss man schon aufpassen", sagt Gaissmayer zu den Zweijährigen. Zum Beispiel die Königskerze kann zu einem lästigen Großbewohner im Garten werden, da sie sich stark vermehrt.

Eine Sondergruppe unter den Reisenden im Garten bilden jene Pflanzen, die wie die Minze sich "quasi zu Fuß" ausbreiten, so Gaissmayer. Ihre Wurzelausläufer können die Pflanze unterirdisch weit verzweigen.

Reisefreiheit gewähren

Wer auf geordnete Verhältnisse ohne Überraschungen steht, kann zumindest versuchen, die Ausbreitung dieser Pflanzen teilweise zu verhindern. Etwa indem man ihre kleinen Helferlein verscheucht - denn eine ganze Reihe von Vagabunden sind auf die Hilfe von Ameisen als Samentransporteure angewiesen. Sie können sogar dafür sorgen, dass der Gelben Lerchensporn plötzlich aus einer Backsteinmauer in zehn Metern Höhe sprießt.

Man kann aber auch den Vagabunden und ihrem Reisedrang bewusst im Garten einen Raum geben. Etwa dadurch, dass man nur einzelne dieser Pflanzen ins Beet integriert. Nach ein bis zwei Jahren der Selbstaussaat taucht die Pflanze dann dort in größerer Stückzahl auf. "Dann beginnt man einzugreifen und lenkt die Entwicklung", erläutert Gaissmayer.

Man kann dann zum Beispiel einzelne Farben selektieren oder auch die Menge an sich bestimmen, indem man immer nur eine bestimmte Anzahl an Sämlingen weiterwachsen lässt. Das bedeutet natürlich, dass man genau hinschauen und durch die Beobachtung lernen muss, die Pflanzen schon im Jugendstadium zu erkennen.

Eine andere Methode der Einbindung ist, einem neuen Staudenbeet erst mal nur eine lockere Pflanzendecke zu geben und in die Zwischenräume Vagabunden zu säen. "So wird das Prinzip der bleibenden und weichenden Stauden im Beet lebendig", sagt der Staudengärtner Gaissmayer.

So braucht zum Beispiel die Pfingstrose gut drei bis fünf Jahre nach ihrer Pflanzung, bis sie sich im Beet etabliert hat. In der Zwischenzeit nehmen etwa die vagabundierenden Akeleien als Nachbarn mehr Platz ein, die aber wieder wegziehen, wenn der Platz knapp wird.

Spielfläche ganz überlassen

Man kann den Vagabunden auch gleich etwas Spielfläche ganz überlassen - und sich jedes Jahr aufs Neue von der Zusammensetzung überraschen lassen. Zahlreiche Vagabunden sind typische Ruderalpflanzen, die sich auf Freiflächen ansiedeln. Dazugehört der Fingerhut ebenso wie die Spornblume und die Königskerze. Auch Fugen von Pflastern lassen sich bepflanzen. Zu der sogenannten Spontanvegetation gehören beispielsweise das Spanische Gänseblümchen und die Walzenwolfsmilch. Grundsätzlich muss man beim bewussten Gärtnern mit Vagabunden lernen, die Pflanzen stärker gewähren zu lassen.

Die Samen sind gesät - und nichts passiert? Es kann eine Weile dauern, bis Pflanzen keimen. "Manche Saaten brauchen lange zum Keimen - wie lange, steht auf der Tüte", erläutert die Staudengärtnerin Svenja Schwedtke aus Bornhöved (Schleswig-Holstein).

"Petersilie wird beispielsweise nachgesagt, dass die Saat nach der Aussaat erst siebenmal zum Papst nach Rom reisen muss, um sich die Keimung genehmigen zu lassen. Das dauert in der Regel sechs Wochen", sagt Schwedtke. Ihr Rat: Aussaaten mit einem Schild oder Etikett kennzeichnen. "Dafür sind die Saatguttüten genauso geeignet wie handelsübliche Kunststoffetiketten oder auch Holzspatel." So vergisst man nicht, was dann da plötzlich nach Wochen aus der Erde sprießt.

Das ist vor allem praktisch in den Beeten im Garten. Dort allerdings dürfen die allermeisten Samen in Mitteleuropa erst im späten Frühjahr ausgesät werden, weil bis dahin in der Regel noch Spätfröste drohen. Einige Gemüsesorten wie Tomaten und Paprika brauchen allerdings mehr Zeit zum Wachsen, daher werden sie bereits zum Ende des Winters hin in Kästen an einem hellen Standort im warmen Haus vorgetrieben. dpa

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