Baum des Jahres: Im Frühjahr bildet die Robinie weiße Blütenstände, die traubenartig von der Krone herabhängen. FOTO: DPA

Schön und unscheinbar

Die Robinie kann ein schöner Hausbaum sein: Groß genug wird sie und fügt sich gut ins Gartenbild ein. Doch die Baumart macht auch viel Arbeit. Gärtner empfehlen daher eine bestimmte Robinien-Sorte.

Die Robinie, der Baum des Jahres 2020, ist eine Schönheit. Reizvoll ist der Kontrast aus einem groben rissigen Stamm und einer hellen luftigen Krone mit zart gefiederten Blättern. Und im Frühjahr bildet der Baum weiße Blütenstände, die traubenartig von der Krone herabhängen. Im Winter hängen dann dort schwarz-braune Hülsenfrüchte. Die Robinie wird maximal 25 Meter hoch. "Die gefiederten Blätter werfen einen tollen durchlässigen Schatten, der nicht so dunkel und ganz anders ist als bei anderen Laubbäumen", sagt Christoph Dirksen vom Bund Deutscher Baumschulen.

Trotzdem sticht die Schönheit der Robinie nicht jedem gleich ins Auge. "Es ist eine relativ unscheinbare Pflanze", findet der Baumschuler. Und auch das kann ein Plus des Baumes im Garten sein: Er ist da, er ist schön, aber er zieht eben nicht alle Aufmerksamkeit auf sich.

Anspruchslos und tolerant

Und die Robinie ist anspruchslos. Sie wächst gerne dort, wo sonst wenig gedeiht - in der freien Natur sind das die Waldränder, in der Stadt die Brachen, die Bahntrassen und Schutthalden. Mancherorts hat es das Gehölz mit den herabhängenden duftend weißen Blütenständen aber auch zum beliebten Stadt- und Alleebaum geschafft.

Die Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung wählte die Robinie nicht nur wegen ihres angenehmen Äußeren zum Baum des Jahres, sondern wesentlich wegen ihrer Eigenschaften. Einige davon sind in Zeiten des Klimawandels besonders wertvoll.

Sie widersteht Hitze und Trockenheit, toleriert selbst aggressive Streusalzreste an Straßen- und Autobahnrändern. Und ihre Blüten gelten als wahre Bienenweiden, reichlich gefüllt mit Nektar. Das macht die Robinie auch für Privatgärtner interessant. Allerdings ist zu beachten, dass der Baum als stark giftig gilt, vor allem Rinde und Früchte.

"Die Robinie kam vor etwa 300 Jahren aus dem östlichen Nordamerika nach Europa", sagt Simon Heitzler vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Die häufig mit der Akazie verwechselte Robinie, die deshalb auch Scheinakazie genannt wird, wurde zunächst als Zierbaum in Barockgärten und Parks eingesetzt. Benannt ist sie nach dem französischen Hofgärtner Jean Robin.

Wenn sich diese Baumart erst einmal irgendwo ansiedelt, ist sie kaum wieder wegzubekommen. Die Robinie gehört zu den invasiven Baumarten, und damit macht sie sich - trotz ihrer positiven Eigenschaften - nicht nur Freunde.

Naturschützer sehen Probleme

"Sie ist sehr gut an stickstoffarme Böden angepasst, da sich an ihren Wurzeln Stickstoff anreichert", erklärt Heitzler. "Allerdings stellt sie damit eine potenzielle Gefahr für stickstoffarme Naturräume wie Sandmagerrasen dar. Arten, die auf nährstoffarme und trockene Böden spezialisiert sind, haben neben der Robinie schlechte Karten. Sie werden von ihr verdrängt."

Es sind also gerade ihre besonderen Eigenschaften, die Robinien vor allem aus Sicht der Naturschützer auch problematisch macht. "Die Robinie ist sehr anspruchslos und gedeiht auch unter mageren Bedingungen. Solche Landstriche sind inzwischen aber selten geworden und sollten wegen ihrer spezifischen Biodiversität erhalten werden", führt Heitzler weiter aus.

In privaten Gärten ist die Robinie eher selten zu finden. "Zum einen werden die Bäume recht groß, zu groß für die meisten Hausgärten", sagt Dirksen. Zum anderen macht die Pflege viel Arbeit. "Es ist schwer, den Baum zu beherrschen. Man muss ihn beobachten und aufpassen, dass er sich nicht permanent neu aussät."

Sein Rat an Hobbygärtner: Sämlinge, die man nicht haben möchte, entfernen - und zwar früh. Ein Sämling bildet vom ersten bis zum dritten Lebensjahr schon Wurzeln bis zu drei Metern Länge. Später werden die Wurzeln der Robinie sogar sieben bis acht Meter lang. Auch der Baum selbst braucht viel Aufmerksamkeit und Liebe, denn er muss regelmäßig stark zurückgeschnitten werden. "Werden die Pflanzen nicht gut kultiviert, bilden sich lediglich Peitschentriebe, und das Holz ist wind- und bruchanfällig", erklärt Dirksen.

Einige Baumschulen haben Robinien im Programm, anderen machen sie zu viel Mühe und sie haben die pflegeintensive Art aus ihrem Sortiment genommen. "Jetzt, da die Robinie der Baum des Jahres 2020 ist, rechnen wir mit einer stärkeren Nachfrage, auch von Kunden aus dem privaten Bereich", sagt Dirksen aber.

Er rät für kleinere Gärten zur Kugelrobinie (Robinia pseudoacacia "Umbraculifera"). Sie ist wesentlich kleiner als die herkömmliche Robinie und bildet auch ohne Schnitt eine rundliche Baumkrone aus. Und sie ist pflegeleichter. "Die Kugelrobinie muss nur alle zwei bis drei Jahre zurückgeschnitten werden, das ist auch in privaten Gärten durchaus machbar", sagt Dirksen.

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