Zeugnisse von Leben und Tod

Gießen(chh). "Dann wollen wir mal sehen." Dr. Joachim Hendel weiß, was in dem Paket vor ihm steckt. Trotzdem merkt man dem Leiter des JLU-Universitätsarchivs eine Aufregung an, als er die Kordel durchschneidet.

Er öffnet die Seiten des Kartons, hebt das staubige Tuch an - und blickt in das Gesicht eines Toten. Es gehört Professor Fritz Kleute, der 1921 Ordinarius des Instituts für Geografie am Brandplatz war. Nach seinem Tod im Jahr 1952 wurde ihm eine Totenmaske abgenommen, die seine Stieftochter später dem Universitätsarchiv vermachte. "Oh Mann", sagt Hendel beim Blick auf das gruselige Stück.

Das Archiv ist so etwas wie das Gedächtnis der Hochschule. Hier finden sich Zeugnisse aus über 400 Jahren Geschichte. "Es sind vor allem Dokumente. Aber auch Fotos, Bücher und andere Dinge", sagt Hendel. Das meiste lagere im Sammlungsmagazin in der neuen Uni-Bibliothek, der Fundus sei zum Teil aber auch im Keller der neuen sowie im Magazinturm der alten UB untergebracht. Die Stücke dienen Forschungszwecken, sie dokumentieren aber auch das universitäre Leben. Momentan ist dieses auf ein Minimum beschränkt. Hendel hat ein paar Stücke herausgesucht, die einen Einblick in Zeiten der JLU geben, als Corona für die meisten Menschen nicht mehr war als ein Bier.

Die Poster zeugen von AStA-Feiern, Konzerten, Veranstaltungen des Frauenreferats oder Fachschaftspartys ("Recht"-voll). "Die Sammlung besteht aus 1300 Postern", sagt Hendel und erzählt, dass die meisten von der Öffentlichkeitsarbeit stammten, einige aber auch von seinen Vorgängern von schwarzen Brettern eingesammelt worden seien.

Neben den Postern hat Hendel Umschläge platziert. Sie enthalten etwa Jubiläumsmünzen oder Anstecknadeln. "Das hier", sagt Hendel und zeigt auf einen Anstecker, "ist von den Feierlichkeiten im Jahr 1907. Sie waren nicht nur Erinnerungsstücke, sondern berechtigten auch zum Einlass." Schmunzelnd fügt er hinzu: "Das sind quasi Festival-Bändchen der Vergangenheit."

Die Maske und die Veranstaltungsdevotionalien belegen: Leben und Tod liegen im Universitätsarchiv mitunter sehr dicht beieinander.

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