Michael Schulte freut sich, wieder einmal auf einer richtigen Bühne zu stehen. FOTO: S: LUDEWIG

Lichthupe für Michael Schulte

Sieger der Herzen beim Eurovision Song Contest, bodenständig trotz all des Rummels und ein guter Live-Künstler - das ist Michael Schulte. Der Musiker erzählt vor seinem ersten Autokinokonzert, was ihn inspiriert und wie es sich anfühlt, ohne Kontakt mit den Fans zu sein.

Sie haben mit Coversongs auf YouTube angefangen. Da sieht man sein Publikum auch nicht. Insofern müssten Sie ja bestens vorbereitet sein auf ihren Auftritt im Autokino?!

Stimmt. Wobei man im Autokino zumindest durch die Windschutzscheiben Menschen erahnen kann. Und man weiß ja, dass sie da sind. Sie können auch Feedback geben, mit Lichthupe oder Warnblinker. Meine Vorfreude, endlich mal wieder auf einer richtigen Bühne stehen zu können, ist auf jeden Fall riesengroß.

Der Auftritt in Gießen ist Ihr erstes Autokinokonzert überhaupt. In der Elbphilharmonie haben sie vor Kurzem bei der ESC-Ersatz-Finalshow ohne Publikum im Saal gespielt. Das muss ein komisches Gefühl sein?

Es ist ungewöhnlich und fühlt sich eher an wie eine Generalprobe. Auch für die Zuschauer vor dem TV muss es merkwürdig gewesen sein, dass einer allein auf der Bühne steht und die Halle mehr oder weniger leer ist. Schöner wäre es mit Publikum.

Eines der Lieder, mit denen Sie bekannt geworden sind, handelt von der Unbeschwertheit der Kindheit. Wie sieht es mit Ihrer Unbeschwertheit aus? Spüren Sie Erfolgsdruck?

Die Corona-Krise ist aus musikalischer Sicht, auch was das Finanzielle angeht, natürlich schon sehr tragisch. Man findet irgendwie keinen Frieden mit diesem Thema. Es lässt sich einfach nicht schönreden, wie schlimm es ist, dass wir, so wie es aussieht, wohl nahezu alle normalen Konzerttermine absagen müssen. Es macht auch ein bisschen wütend, wenn so etwas kommt, und einem das ganze Jahr zerschießt. Für meine Band, meine Crew, die fast ausschließlich von solchen Auftritten leben muss, ist es hart. Auf der anderen Seite wirkt das alles auch sehr entschleunigend. Die Zeit zu Hause war für mich auch sehr schön. Wenn man nicht die ganze Zeit an Corona gedacht hat, konnte man den Kopf freibekommen.

Ich kann mir vorstellen, dass es auch noch einen anderen Begriff gibt, der Ihnen "auf den Keks geht". Es gibt doch kaum ein Interview, bei dem Sie nicht auf Ihre ECS-Teilnahme angesprochen werden.

Es gibt schon Interviews, bei denen das nicht zur Sprache kommt. Aber aktuell ist das natürlich wieder Thema. Und das ist voll in Ordnung. Es ist einfach ein Teil meines Lebens. Und ich liebe den ESC, ich bin auch als Kommentator dabei. Das begleitet mich und ich bin froh, dass ich ein Teil dieser ESC-Welt sein darf.

Was inspiriert Sie zu Songs?

Natürlich überwiegend mein eigenes Leben. Es gibt natürlich auch andere Themen, die ich beobachte und zu Songs mache.

Was ist erst da: die Melodie oder der Text?

Bei mir ist es erst die Melodie. Das erzeugt eine Stimmung, die bei mir etwas auslöst. Die bringt mich dazu zu sagen, das empfinde ich und das ist das, was der Text für mich jetzt sagen müsste.

Ahnen Sie beim Schreiben schon, was ein Hit werden kann?

Man kann es schwer sagen. Bei meinem letzten Song habe ich schon beim Schreiben gespürt, dass es "catchy" ist, ein Ohrwurm. Aber auch da gibt es Songs, die doch nicht funktionieren, und andere gehen total durch die Decke.

Und wie schaffen Sie es, Privatsphäre zu schützen?

Das ist gar nicht so schwierig. Man muss einfach nur das erzählen, was man auch mit der Öffentlichkeit teilen möchte. Dass ich eine Frau und ein Kind habe und in Buxtehude wohne, das sind ein paar Facts, die man sehr gerne teilen kann. Mir ist es auch wichtig, dass die Fans wissen, wer ich bin, was für ein Mensch ich bin. Dann kann man vielleicht auch die Songs besser verstehen.

Gab es jemals einen Plan B, wenn das mit der Musik nicht geklappt hätte?

Ich habe vor drei/vier Jahren angefangen, eine Künstleragentur aufzubauen. Die gibt es auch noch. Es ist das Label, über das ich veröffentliche. Aber ich bin da nicht mehr in aktiver Managementfunktion, weil ich als Künstler ansonsten gut zu tun habe. Aber das wäre eine andere Richtung, die mir Spaß gemacht hätte. Und wer weiß, ob ich die vielleicht eines Tages wieder aufnehmen werde.

Wie füllen Sie Ihren Akku wieder auf?

Unter anderem natürlich durch Urlaub. Wir waren sechs Wochen in Südafrika. So eine Auszeit braucht man mal, um den Kopf freizubekommen. Die Musikbranche ist doch sehr intensiv und man macht sich selbst viel Druck.

Sie sagen, Ihr neues Album sei ein "typisches Schulte-Album". Was heißt das?

Meine Musik ist ehrlich, sehr authentisch. Sie ist zusammengehalten durch meine Stimme, die wohl einen großen Wiedererkennungswert hat. Sie ist zwar etwas lustiger geworden, aber sie hat generell auch immer so eine kleine Melancholie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare