Eine Gruppierung aus dem Rhein-Main-Gebiet ruft in Gießen zum Kampf gegen rechts auf. FOTO: SCHEPP

Gegen Rassismus

Gießen(kw). "Seid ihr für Liebe oder seid ihr für Hass?", ruft Charles ins Mikrofon. "Liebe", klingt es vereinzelt hinter Mundschutzmasken, und schließlich entsteht ein kleiner Sprechchor: "Liebe! Liebe! Liebe!" "Aber ich wurde gehasst. Auf dem Spielplatz, bei Facebook, egal wo ich hingehe", sagt der Wiesbadener, der sich selbst als "Afro-Hesse" bezeichnet.

Aufruf zur Demo in Hanau

Mit einer Handvoll Mitstreitern ruft er am Freitag auf dem Gießener Marktplatz und dann am Berliner Platz zum Protest "gegen Rechtsextremismus und Rassismus" auf. Etwa 50 Interessenten schließen sich schließlich an.

Ausschließlich über soziale Medien ist zu der Kundgebung im Rahmen einer "Hessentour" aufgerufen worden. Dahinter stehe unter anderem die Initiative "Be Heard" ("werde gehört"), die seit Juni mehrere "Black Lives Matter"-Demonstrationen in Frankfurt organisiert hat. Das erläutern im Gespräch Charles sowie Siavash Moeini, der in Frankfurt lebt und in Gießen Jura studiert. Ihre unabhängige Gruppierung baue ein Netz auf, habe aber bisher kaum Kontakte nach Gießen.

"Klassenkampf statt Vaterland! Sozialistisch, antifaschistisch, basisdemokratisch und feministisch" steht auf dem Transparent, hinter dem sich das Grüppchen versammelt. Einige Neugierige halten zunächst etwas Abstand und rücken dann näher, andere bleiben spontan stehen und spenden Applaus. Rassismus gebe es auch in Deutschland und gerade in Hessen, sagt Charles und zählt auf: Der Mord an Walter Lübcke, der Anschlag in Hanau, die Droh-E-Mails mit der Unterschrift "NSU 2.0". "Es muss sich etwas verändern", sonst passiere "wieder etwas Ähnliches wie 1933". Beispielsweise würden Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe durchsucht, etwa am Frankfurter Opernplatz. "Wir fordern Erinnerung, Gerechtigkeit und Konsequenzen", sagt Moeini. "Wir Migranten sind das Rückgrat dieser Gesellschaft."

Die Initiative ruft auf zur Demonstration am Samstag (22. August) in Hanau zum Gedenken an die neun Opfer des rassistischen Anschlags vor sechs Monaten.

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