Echte Lieder aus dem "Bedroom"

Das Bandprojekt Marspol sorgte in den vergangenen Jahren für Aufsehen in der Gießener Szene. Jetzt legt Marius Fietz die erste Musik mit seinem Soloprojekt Farjus vor. Mit diesem präsentiert er fluffigen Indiepop mit Tiefgang, den er selbst als "Bedroom-Pop" bezeichnet. Gerade ist die zweite Single "Reden reicht" erschienen.

Spätestens seit es Marspol in das "Bandpool"-Programm der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim geschafft hatte, galten die beiden musikalischen Köpfe Marius Fietz und Dominik Reh als heimische Hoffnungsträger auf den nächsten großen Wurf. Doch es kam anders: Gerade wegen der sehr präzisen Arbeit an der Popakademie wurde beiden Musikern klar, was sie musikalisch wirklich wollen. Flossen diese Einflüsse bisher in der Musik von Marspol zusammen, war es die logische Konsequenz, die beiden Stränge zu trennen und die jeweils entsprechende Linie fortzuschreiben. Nach Dominik Reh, der bereits im Frühsommer die ersten Songs seines Projektes twocolouredman vorgestellt hatte, legt nun Marius Fietz unter dem Künstlernamen Farjus nach.

Zwei Songs sind bereits auf Spotify erschienen. Bereits die erste Single "So viel zu erzählen" zeigte die Richtung, die der Musiker als Farjus eingeschlagen hat: Fluffiger deutschsprachiger Indie-Pop, der in die Fußstapfen von Bands wie "Die höchste Eisenbahn" oder "Emma6" tritt. Die Melodie des Refrains geht sofort ins Ohr und macht nicht minder Lust, den Song im Sommer bei offenem Verdeck oder am abendlichen Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel voll aufzudrehen.

In der Nummer verarbeitet der Songschreiber seinen Umzug im April 2019 nach Berlin. Eigentlich als konsequenter Schritt in der Entwicklung von Marspol gedacht, wollte Fietz in der Hauptstadt Weichen stellen und Kontakte knüpfen. Einmal im Monat pendelte er nach Gießen, um das Bandprojekt fortzusetzen. "Es hat sich aber nach und nach herausgestellt, dass sich das alles auseinanderentwickelt".

Neuanfang mit Soloprojekt in Berlin

Marius ist es wichtig, zu betonen, dass es nicht zum persönlichen Split kam und beide auch heute noch befreundet sind. "Dass wir unsere Musik in Solo-Projekten weiterführen, ist einfach nur der nächste Schritt." Auch wenn dieser beiden Musikern nicht leichtgefallen ist.

In "So viel zu erzählen" singt Marius Fietz von seinem Neuanfang in Berlin. Das Loslassen von seinen Wurzeln, den Job an der Schule, das Pauken fürs Staatsexamen. Dafür reflektiert er seine bisherigen Erlebnisse als Musiker, thematisiert aber zugleich das menschliche Bedürfnis nach Anschluss, Wärme und Geborgenheit. Und genau das ist es, was Farjus mit seinen Songs erreichen möchten: Er möchte frei heraus über die Liebe und das Leben sprechen, dabei aber nicht kitschig daherkommen, sondern immer ehrlich und echt. Das Streben nach Perfektion lehnt er ab, stattdessen steht für ihn Intuition an oberster Stelle.

Ein Grund, warum er auf die "Bedroom"-Produktion genannte Aufnahmemethode setzt. Zu Hause eingespielt, an einigen Stellen unperfekt. Eben mit Ecken und Kanten. "Ich lande, wenn ich die verschiedenen Aufnahmen durchhöre, oft tatsächlich wieder beim ersten Take", sagt Farjus, der bis auf das Schlagzeug alle Instrumente selbst einspielt. Denn auch mit kleinen Unperfektheiten in den Songs kann er gut leben. "Dafür ist es echter, authentischer". Und so singt er in "So viel zu erzählen": "Ich hab’ meine Prinzipien nicht verletzt, und diese Lieder, die sind echt". Er ergänzt: "Ich verstehe mich als Liedermacher und vertrete in meiner Musik die Einstellung, dass man nicht perfekt sein muss."

Gerade ist der neue Song "Reden reicht" erschienen - deutlich melancholischer als der Vorgänger, aber dennoch mit einer genauso ohrwurmartigen und großen Melodie. Inhaltlich zeigt sich die Nummer noch tiefsinniger: Oberflächlich betrachtet, behandelt der Song das Thema One-Night-Stands und den Umgang mit Gefühlen in einer digitalisierten Welt. Fietz will hier für ein besseres und achtsameres Miteinander werben: "Es geht darum, mehr aufeinander zu achten und sich rücksichtsvoll zu verhalten".

Die bisher erschienenen Songs (siehe dazu Farjus’ Facebook-Seite) machen Lust auf mehr. Das wird definitiv kommen - alle paar Wochen will Marius Fietz als Farjus einen neuen Song präsentieren. Am Ende könnte dann ein komplettes Album stehen. "Material genug ist vorhanden", sagt der junge Musiker. FOTO: PM

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