Fahrräder statt Autos, so stellen sich die Aktivisten die Innenstadt rund um den Brandplatz vor. FOTO: SCHEPP

Aktionstag

Demo in Gießen für weniger Autos und mehr Bäume

Bei einer Aktion unter dem Namen "Parking Day" haben Menschen in Gießen Parkflächen in Aufenthaltsraum verwandelt. Es gab auch Proteste gegen die Rodung des Dannenröder Forstes.

Gießen(chh). "Städte sind für Menschen, nicht für Autos." Mit solchen und ähnlichen Parolen haben am Freitag etliche Gruppen einen Teil des Brandplatzes in ein autofreies Areal verwandelt. Anlässlich des weltweiten "Parking Days" wollten die Aktivisten auf den Flächenverbrauch durch Autos aufmerksam machen. Auf den Parkbuchten hatten Weltladen, BUND, Arbeitsloseninitiative, Fridays for Future und weitere Gruppen Stände aufgebaut. Sofas sollten nicht nur symbolisch, sondern auch ganz praktisch die Aufenthaltsqualität erhöhen.

"Wir wollen mehr Platz für Cafés, Spielplätze und Grünflächen in Gießen. Dabei nicht das Auto verbieten, sondern so tolle Angebote haben, dass man kein Auto mehr braucht", sagte Lione Stienecke von Greenpeace in ihrer Rede auf dem Lindenplatz. Ihre Kollegin Andrea Barany rechnete vor, dass alle privaten in Gießen gemeldeten Pkw eine Gesamtfläche von knapp 400 000 Quadratmetern benötigten. "Das entspricht 100-mal dem Kirchenplatz. Guckt rüber und schaut ihn euch an." Zudem sagten die Aktivistinnen, dass ein Auto im Durchschnitt 23 Stunden am Tag parke.

Am Freitag gab es dafür in der Innenstadt ein bisschen weniger Platz als sonst. Neben dem Brandplatz, auf dem zwei Drittel der vorhandenen Parkplätze gesperrt waren, gehörte auch die Neuen Bäue zum Aktionsgebiet. Vor und gegenüber von Klatschmohn durften keine Autos parken. Auch hier waren Stände und Sitzgelegenheiten aufgestellt. Laut Dirk Drebes, Abteilungsleiter des Ordnungsamts, sorgte die Aktion für keine größeren Staus. "Im Grunde war es wie mittwochs oder samstags, wenn Wochenmarkt ist."

Ein längerer Stau gegen 17 Uhr auf dem inneren Anlagenring hatte nichts mit dem Aktionstag zu tun, wie einige Autofahrer dachten. Grund war ein Unfall vor der Sachsenhäuser Brücke, bei dem Schmierstoffe ausliefen. Die Feuerwehr sperrte eine Spur.

Die Rodung des Dannenröder Forstes war dagegen Thema des Aktionstages. Slogans wie "Wald statt Asphalt" waren an mehreren Ständen zu sehen. Vor dem Regierungspräsidium neben dem Brandplatz versammelten sich zudem rund 40 Leute und demonstrierten gegen die Abholzung des Waldes im Zuge des Weiterbaus der Autobahn 49 bei Homberg (Ohm). Später zogen die Aktivisten in einem Protestmarsch durch die Stadt.

"Unsere Lebensgrundlage Wasser ist in Gefahr", betonte Max von Extinction Rebellion. Schließlich liege der Forst in einem Wasserschutzgebiet. Abgesehen davon sei die 40 Jahre alte Planung mittlerweile überholt und würde so heute gar nicht mehr genehmigt werden, fügte seine Mitstreiterin Michelle hinzu. Sie sagte: "Wenn Unrecht geschieht, müssen wir das aufzeigen."

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