Zur Ruhe kommen und entspannen: Doch Wellnesshotel ist nicht gleich Wellnesshotel. FOTO: PM
+
Zur Ruhe kommen und entspannen: Doch Wellnesshotel ist nicht gleich Wellnesshotel. FOTO: PM

Wellness mit Wein

  • Marion Schwarzmann
    vonMarion Schwarzmann
    schließen

Wenn es draußen nasskalt und nebelig ist, sehnt sich der Mensch nach wohliger Wärme. Da kommt eine Auszeit in einem Wellnesshotel gerade recht. Doch nicht alle Angebote halten, was sie versprechen.

Wellnesshotels boomen. Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden, denn der Wunsch, sich und seinem Körper besonders in der kalten, dunklen Jahreszeit etwas Gutes zu tun, ist ungebrochen und nur allzu verständlich. Aber nicht jedes Haus, das über ein kleines Schwimmbecken und eine Saunakabine verfügt, im Keller eine Massagebank und ein paar Fitnessgeräte aufstellt, verdient das Prädikat Wellnesshotel. Doch wie die Spreu vom Weizen trennen?

Orientierung bietet der "Relax Guide" des österreichischen Herausgebers Christian Werner, der in der Branche als hart, aber gerecht gilt. Seit 19 Jahren nimmt sein Team anonym die Fülle des Angebots kritisch unter die Lupe. Für die aktuelle Ausgabe 2020 waren es allein 1209 Hotels in Deutschland. Dabei finden die Tester durchaus deutliche Worte für das, was ihnen bei ihren Tests nicht gefällt. Ein paar Beispiele gefällig? Sie bemängeln "stümperhaft durchgeführte Massagen, die zudem teuer verkauft werden", "veraltete Fitnessgeräte in miefigen, tageslichtlosen Kellerräumen mit Spannteppich" und "zerschlissene, viel zu kleine Bademäntel".

Aber es gibt auch Positives zu berichten. So zählt beispielsweise das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe im Hohenloher Land seit zehn Jahren zu den Top Five in der Bewertungsliste. Das heißt, der "Relax Guide" hat den idyllischen Landsitz mit großzügigem Spa-Bereich unweit von Heilbronn mit der Höchstpunktzahl 20 und vier Lilien ausgezeichnet. Eine Ehrung, die Spa-Managerin Gabriele Noschka als Bestätigung der täglichen Arbeit und Ansporn für Professionalität in allen Bereichen empfindet. Ihr oberstes Gebot: "Der Gast soll hier zur Ruhe kommen." Dafür sorgt nicht nur das ansprechende Ambiente, sondern auch die knapp 30 kompetenten Mitarbeiter im Spa-Haus, denen der "Relax Guide" attestiert: "Sie sind ausgesprochen gut geschult und achtsam."

Eine von ihnen ist ausgebildete Hauttherapeutin und verfügt über goldene Hände: Ihre wunderbare Gesichtsmassage, die an den Ohrläppchen beginnt und am Dekolleté endet, wirkt nicht nur äußerst entspannend, sondern auch entschlackend. Denn das Besondere dieser Intensivpflege: Hier wird mit Wein und Traubenkernöl behandelt.

Die Idee dazu hatte die frühere Schönheitsfarm-Chefin Irmgard Sanwald, die in eine Winzerfamilie einheiratete und die wertvollen Inhaltsstoffe des ursprünglichen Abfallprodukts bei der Weinherstellung erkannte. Der Extrakt von Traubenkernen enthält OPC (Oligomere Procyanidine), ist also ein Antioxidans, das zellschützend und entgiftend wirkt. Eigenschaften, die auch dem Rotwein zugeschrieben werden. Eine Massage mit kaltgepresstem Traubenkernöl regt den Stoffwechsel an, die Haut fühlt sich nachher klar und samtig an. Für eine Ganzkörperbehandlung braucht man statt der sonst üblichen 70 Milliliter Massageöl nur 30 Milliliter erwärmtes Traubenkernöl, da es gut einzieht. Es duftet dezent nach Nüssen und Schokolade, muss also nicht zwingend abgeduscht werden.

Seit ein paar Jahren findet das hochwertige Traubenkernöl - ein halber Liter kostet rund 54 Euro - auch in der Küche Verwendung. Mit 215 Grad Celsius hat es den höchsten Rauchpunkt aller Speiseöle und eignet sich deshalb hervorragend zum Anbraten von Fleisch. Ein paar Tropfen verfeinern den Smoothie oder die Salatsoße. Im Bistro des Spa-Hauses werden Nudeln, Teigtaschen, Gnocchi und Brot aus glutenfreiem, ballaststoffreichem Traubenkernmehl serviert.

Vom Rotwein-Reinigungsgel bis zur Traubenkern-Peelingsseife reicht inzwischen die Sanvino-Produktpalette. Das nachhaltige Konzept, in dem die Grundstoffe aus der Region stammen, hat inzwischen auch rund 50 Partnerbetriebe überzeugt. "Wir haben hier ja altes Wissen", sagt Gabriele Noschka, die den Begriff Spa natürlich von "Sana per aquam" ableitet, also "gesund durch Wasser", wie Pfarrer Kneipp schon wusste. So wird im Schlosshotel Friedrichsruhe, an dem der Limes in der Nähe vorbeiführt, auch ein römisches Baderitual angeboten: Nach dem Dampfbad folgt die sanfte Seifenbürstenmassage auf warmem Stein. Denn Winterzeit ist schließlich Wellnesszeit. Foto: Schwarzmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare