Mund-Nasen-Masken sind derzeit gefragt. Einige schneidern sie selbst, wie die Modedesignerin Dorothea Michalk aus Dresden. Doch was kann der Mundschutz tatsächlich leisten - und was nicht? FOTO: DPA
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Mund-Nasen-Masken sind derzeit gefragt. Einige schneidern sie selbst, wie die Modedesignerin Dorothea Michalk aus Dresden. Doch was kann der Mundschutz tatsächlich leisten - und was nicht? FOTO: DPA

Schutzmasken: Nützlich oder Risiko?

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Aus Angst vor einer Ausbreitung des Coronavirus nähen derzeit viele Menschen Schutzmasken selbst. Während die Befürworter vom Nutzen dieser Masken überzeugt sind, sehen Kritiker aber auch Risiken. Hier stellen wir die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema vor. Dazu gibt es eine Nähanleitung für einen Mund-Nasen-Schutz vom Kasseler Modelabel Soki.

?Welche Arten von Masken gibt es?

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Schutzmasken. Die einen sollen Träger davor schützen, Viren oder Bakterien einzuatmen. Das sind die Atemschutzmasken mit den Schutzklassen FFP2 und FFP3. Sie sind aus einem dichten Material, das Viren so gut wie gar nicht durchlässt. Der andere Typ sind die Mund-Nasen-Masken. Dazugehören die bekannten OP-Masken und die selbst hergestellten Masken, für die jetzt zahlreiche Nähanleitungen zu finden sind. Mund- Nasen-Masken sollen nicht den Träger schützen, sondern verhindern, dass der Träger selbst Erreger an die Umgebung abgibt. Gerade das neuartige Coronavirus wird offenbar hauptsächlich über Speicheltröpfchen verbreitet, die beim Ausatmen, Husten und Niesen durch die Luft fliegen.

?Was weiß man über die Schutzwirkung?

Die Schutzwirkung der echten Atemschutzmasken der Klassen FFP2 und FFP3 ist recht gut untersucht. Werden sie richtig benutzt - wobei Ungeübte vieles falsch machen können - halten sie den allergrößten Teil von in der Luft befindlichen Viren und Bakterien von den Atemwegen fern. Untersuchungen legen auch nahe, dass einige sehr hochwertige Mund-Nasen-Masken bei korrekter Nutzung dem Träger einen gewissen Schutz gewähren. Das gilt aber offenbar für die allermeisten Modelle nicht, und gerade für selbst genähte Masken ist das bislang nur Spekulation. Wie gut ein selbst genähter Mund-Nasen-Schutz verhindert, dass der Träger Viren verbreitet, ist wenig untersucht. Kaum bezweifelt wird, dass selbst genähte Behelfsmasken aus fester Baumwolle zumindest größere Tröpfchen zurückhalten. Auch dürften sie die Geschwindigkeit kleinerer Tröpfchen bremsen, die beim Husten oder Niesen sonst noch weiter durch die Luft fliegen würden. Aber auch mit Maske gilt: Abstand halten und Niesen und Husten in die Armbeuge!

?Was spricht für das Tragen von Masken?

Laut Studien aus der Zeit vor der Corona-Krise kann eine weite Verbreitung von Mund-Nasen-Schutz helfen, Pandemien einzudämmen. Masken, auch selbst genähte, reduzieren das Risiko, andere anzustecken. Doch Kritiker sehen auch Risiken. Manche fürchten, dass das Tragen sogar zur Gefahr werden kann.

?Was spricht gegen das Tragen von Masken?

Damit ein Mund-Nasen-Schutz möglichst wirksam ist, muss er gut sitzen. Sonst ist man verführt, ihn ständig zurechtzurücken. Sind die Hände kontaminiert, kann man so Viren auf die Masken übertragen. Die sind aber in der Regel nicht dicht genug, um ein Einatmen von Viren zu verhindern. Auch beim Abnehmen und Wiederaufsetzen besteht die Gefahr einer Schmierinfektion. Kritiker fürchten auch, dass Masken ein trügerisches Gefühl von Sicherheit geben und allgemeine Hygiene- und Abstandsregeln leichter vergessen werden. Außerdem würden gerade OP-Masken und echte Atemschutzmasken in Kliniken und Pflegeheimen gebraucht. Eine Mundschutzpflicht könne das Angebot weiter verknappen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät vom Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ab, wenn man nicht selbst infiziert ist. Das sah auch das Robert-Koch- Institut (RKI) bislang so, sieht inzwischen aber Behelfsmasken in der Öffentlichkeit als möglichen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Wissenschaftlich erwiesen ist das allerdings nicht. Und zertifizierte OP- und Atemschutzmasken müssten medizinischem Personal vorbehalten bleiben.

?Was sollten Träger von Masken beachten?

Wer sich für das Tragen eines selbst genähten Mund-Nasen-Schutzes entscheidet, sollte einiges beachten: Vor dem Aufsetzen und vor und nach dem Abnehmen Hände waschen. Nicht zwischendurch abnehmen und beispielsweise kurz unters Kinn schieben. Maske möglichst nur an den Befestigungsbändern anfassen und täglich waschen mit 60 Grad, besser noch 95 Grad. Bis zum Waschen in einen luftdichten Beutel packen. Hygiene- und Abstandsregeln trotzdem beachten. sr

Beim Kasseler Öko-Modelabel Soki wird normalerweise nachhaltige Streetwear aus Bio-Baumwolle und upgecycelter Bettwäsche hergestellt. Doch im Moment sitzt Inhaberin Kira Kimm mit zwei Mitarbeiterin in ihrem Atelier und näht Mundschutz. "Wir haben bisher über 200 Bestellungen", sagt Kimm. Sie bietet auf der Web-Seite auch kostenlos ein Schnittmuster zum Herunterladen an, falls man selbst nähen möchte. Ihre Anleitung drucken wir hier ab.

Für die Herstellung der Masken eignen sich Stoffe, die jeder Mensch zu Hause habe: Bettlaken, T-Shirts oder Hemden. Wichtig sei bloß, dass die Materialien aus Baumwolle und bei 95 Grad waschbar sind.

Bei allen "Behelfs-Mund-Nase-Schutzmasken" gilt: Sie können das Risiko der Übertragung reduzieren, indem sie die Verteilung von Tröpfchen verhindern, die beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen. Sie sind aber kein zuverlässiger Schutz vor einer Ansteckung. Deshalb gilt auch mit Maske: Abstand halten und Hände waschen.

akr/aea/FOTO: SOKI LABEL & STORE/NH

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