Eine Labor-Mitarbeiterin beschriftet eine Blutprobe: Den Einfluss der Blutgruppe auf Coronavirus-Infektionen haben Wissenschaftler jetzt erforscht.
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Eine Labor-Mitarbeiterin beschriftet eine Blutprobe: Den Einfluss der Blutgruppe auf Coronavirus-Infektionen haben Wissenschaftler jetzt erforscht.

Blutgruppe A?

Grazer Corona-Studie bestätigt: Mit dieser Blutgruppe sind Sie weniger anfällig für Covid-19

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Forscher klären immer mehr Fragen rund um Covid-19. Welche Rolle die Blutgruppe bei Coronavirus-Infektionen spielt, will jetzt eine neue Studie aus Österreich herausgefunden haben.

  • In Hinblick auf die Ansteckungsgefahr mit Coronaviren kann man viele Faktoren selbst beeinflussen. So entfalten etwa Mundschutzmasken* schützende Wirkung.
  • Einer neuen Studie zufolge gibt es aber auch Risikofaktoren für Covid-19, auf die man keinen Einfluss hat.
  • So soll die Blutgruppe maßgeblich bestimmen, ob man sich mit Covid-19 ansteckt.

Kennen Sie Ihre Blutgruppe? Blutspender wissen, ob sie zur Gruppe A, B, AB oder 0 zählen. Dabei ist es die Struktur der roten Blutkörperchen, die die Blutgruppe bestimmt – genauer gesagt sind es die Eiweiße – auch Antigene genannt – auf der Oberflächenstruktur der roten Blutkörperchen. Werden keine Antigene auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen nachgewiesen, sprechen Mediziner von der Blutgruppe 0. Sie ist mit 41 Prozent die zweithäufigste Blutgruppe in Deutschland. Menschen mit der Blutgruppe A tragen das Antigen A auf den roten Blutkörperchen, dazu zählen rund 43 Prozent der deutschen Bevölkerung, wie die Apotheken Umschau berichtet. Bei der Blutgruppe B kann im Labor das Antigen B auf der Membran der roten Blutkörperchen nachgewiesen werden, bei Blutgruppe AB sind beide Antigene vorhanden.

Doch was hat das mit Coronavirus-Infektionen zu tun? Sehr viel – zu diesem Ergebnis kamen bereits chinesische Wissenschaftler. Eine Studie aus dem österreichischen Graz bestätigt das nun. Eva Maria Matzhold und Thomas Wagner von der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin an der Medizinischen Universität Graz (Med Uni Graz) schlussfolgern aus ihrer groß angelegten Studie: Menschen mit der Blutgruppe Null sollen seltener am Coronavirus Sars-CoV-2 erkranken als Menschen mit den Blutgruppen A, B oder AB.

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Corona-Schutzwirkung? Menschen mit Blutgruppe 0 statistisch gesehen seltener infiziert

Für ihre Studie hatten die Grazer Wissenschaftler Daten von 399 Covid-19-Patienten ausgewertet, die wegen der Krankheit stationär behandelt werden mussten. „Als Vergleichskontrolle für die ‚normale‘ Blutgruppenverteilung in der Steiermark dienen die VollblutspenderInnen (250.298) des Blutspendedienstes (ÖRK Landesverband Steiermark)“, wird Thomas Wagner in einer Pressemitteilung der Med Uni Graz zitiert. „Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Menschen mit der Blutgruppe O eine statistisch signifikant geringere Wahrscheinlichkeit haben, an Covid-19 zu erkranken, als Menschen mit der Blutgruppe A, B oder AB“, so die österreichischen Studienleiter. „Die Blutgruppe AB hingegen wurde bei Infizierten und an Covid-19 erkrankten Menschen signifikant häufiger festgestellt“, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

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Bereits aus einer chinesischen Studie ging hervor, dass überdurchschnittlich viele Covid-19-Patienten Blutgruppe A hatten und nur bei wenigen Fällen Blutgruppe Null nachgewiesen wurde. Auch eine europäische Studie kam zu dem Ergebnis, dass Menschen mit Blutgruppe A ein um etwa 50 Prozent höheres Risiko für eine stationär zu behandelnde Covid-19-Erkrankung hatten. Menschen mit Typ-O-Blutgruppe waren laut der Studie um knapp 50 Prozent besser vor einer ernsten Covid-19-Erkrankung geschützt, wie orf.at berichtet. Dem Mechanismus hinter dem möglichen Zusammenhang wollen die Grazer Forscher nun auf den Grund gehen.

Sie stellen klar: Der Schweregrad der Covid-19 Erkrankung bleibt von der Blutgruppe unbeeinflusst. Eine Coronavirus-Infektion verlaufe bei Menschen mit Blutgruppe 0 nicht leichter als bei anderen. „Personen mit Blutgruppe Null müssen sich trotzdem gleich schützen“, zitiert orf.at den Grazer Transfusionsmediziner Wagner. (jg) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Mehr Quellen: www.apotheken-umschau.de

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Blut - Saft des Lebens

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Ein Tropfen Blut besteht zu 90 Prozent aus Wasser, roten Blutkörperchen (Erythrozyten), weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozythen). Vier bis sechs Liter Blut pulsieren ohne Pause durch den Körper eines erwachsenen Menschen. © dpa
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Der österreichische Immunologe Karl Landsteiner stellte 1901 das Blutgruppen ABO-System vor. Er konnte vier klassischen Blutgruppen A, B, AB und 0 benennen. Danach lässt sich heute genau feststellen, ob ein Blutspender wirklich zum Empfänger passt. Der Körper das Blut verträgt. © dpa
Ein Mensch mit der Blutgruppe A hat auf seinen roten Blutkörpern (Erythrozyten-Oberfläche) das Antigen A, während bei Gruppe B das entsprechend Antigen B vorhanden ist. Blutgruppe AB bedeutet beide Antigene. Menschen der Blutgruppe 0 haben weder das A- noch das B-Antigen.
Ein Mensch mit der Blutgruppe A hat auf seinen roten Blutkörpern (Erythrozyten-Oberfläche) das Antigen A, während bei Gruppe B das entsprechend Antigen B vorhanden ist. Blutgruppe AB bedeutet beide Antigene. Menschen der Blutgruppe 0 haben weder das A- noch das B-Antigen. © dpa
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Der sogenannten Rhesusfaktor bestimmt auch ein weiteres Antigen auf den roten Blutkörperchen: das Blut rhesuspositiv also mit Antigen oder rhesusnegativ ohne Antigen. © dpa
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Die Blutgruppen kommen unteschiedlich häufig in Mitteleuropa vor. Gruppe A: 44,5 Prozent, B: 10,5 Prozent. AB: 4,5 Prozent. 0: 40 Prozent. 85 Prozent der europäischen Bevölkerung sind rhesuspositiv, weshalb es einen ständigen Mangel an rhesusnegativem Spenderblut gibt. © dpa
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Als Universalspender gelten Menschen mit der Blutgruppe 0. Ihr Blut kann von allen anderen Gruppen empfangen werden. © dpa
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Universalempfänger sind dem entsprechend Menschen der Gruppe AB, da ihnen zur Not auch Blut der Gruppen A, B und 0 übertragen werden kann. © dpa
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Die roten Blutkörperchen werden im roten Knochenmark gebildet. Sie leben etwa vier Monate und werden dann in der Milz abgebaut. Fließt das Blut an der Lunge vorbei, nehmen sie dort den Sauerstoff auf und bringen ihn zu allen Zellen des Körpers. Das Kohlenstoffdioxid bringen sie wieder zurück zur Lunge. © dpa
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Die weißen Blutkörperchen sind Immunzellen und die Polizei des Körpers. Sie im Knochenmark gebildet. Auch die Blutplättchen entstehen im Knochenmark. Sie sind für die Blutgerinnung verantwortlich. © dpa
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Blutspenden kann jeder gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 und 59 Jahren mit einem Mindestkörpergewicht von 50 Kilogramm. Da Blut nicht künstlich erzeugt werden, ist das Blutspenden wichtig. Bei einer Blutspende werden dem Körper 0,5 Liter Blut entnommen. © dpa
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Blutplasma kann im Labor durch Zentrifugieren von Blut gewonnen werden. Es besteht zu 90 Prozent aus Wasser. In der leicht gelblichen Flüssigkeit sind Eiweißstoffe, Hormone, Fette, Zucker, Mineralstoffe und Vitamine gelöst. © dpa

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