1. Gießener Allgemeine
  2. Ratgeber
  3. Geld

Gasumlage kommt im Oktober: Das ist wichtig für Verbraucherinnen und Verbraucher

Erstellt:

Von: Carina Blumenroth

Kommentare

Die Gasumlage kommt ab Oktober 2022 – betroffen sind Industrie und Privathaushalte. Ziel sei es, mit der Gasumlage eine stabile Gasversorgung sicherzustellen.

Alles wird teurer – Lebensmittel, Strom und Gas gehören auf jeden Fall dazu. Das sind unter anderem Folgen des Kriegs in der Ukraine und der Inflation. Angestellte können im September oder Oktober mit einer Ausgleichszahlung von 300 Euro im Rahmen der Energiepauschale rechnen. Diese muss versteuert werden. Die kompletten Mehrkosten werden dadurch allerdings nicht getragen. Die Gasumlage kommt auf die Verbraucherinnen und Verbraucher zu – davon betroffen sind die Industrie und Privathaushalte. Jetzt ist klar, wie viel an Mehrkosten auf die Kundinnen und Kunden zukommt.

Gasumlage 2022: Diese Kosten kommen auf die Verbraucherinnen und Verbraucher zu

Gas wird für die Industrie und für Privatkunden deutlich teurer. Jetzt ist klar, wie viel auf die Verbraucherinnen und Verbraucher umgelegt werden kann. Pro Kilowattstunde soll die Gasumlage bei 2,419 Cent liegen. Berechnet wurde die Gasumlage von Trading Hub Europe, einem Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber. Ziel ist es, die Importeure vor möglicher Insolvenz zu schützen, da diese derzeit Gas überteuert einkaufen müssen. Bisher durften die Mehrkosten nicht an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben werden, das ändert sich ab Herbst 2022 allerdings.

Ein Haushalt mit Einfamilienhaus und einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden muss mit Mehrkosten von 480 Euro im Jahr rechnen. Bei einem Zwei-Personen-Haushalt ist mit knapp der Hälfte der Kosten zu rechnen, wie der Bayerische Rundfunk informiert. Dies sei allerdings abhängig von der Wohnfläche und von dem Sanierungsstand des Hauses.

Die Gasumlage kommt ab Oktober 2022.
Die Gasumlage umfasst 2,419 Cent pro Kilowattstunde. Ab 01. Oktober 2022 können die Kosten umgelegt werden. © Rene Traut/Imago

Gasumlage 2022: Die Mehrwertsteuer kommt dazu

Zu den Kosten kommt nach europäischem Recht noch die Mehrwertsteuer hinzu – Bundesfinanzminister Christian Lindner wollte diese abwenden und schrieb nach Brüssel. Im ZDF-Sommerinterview sagte Lindner, dass die Bundesregierung nicht von der Mehrwertsteuer profitieren wolle. Mit seiner Bitte, auf die Mehrwertsteuer bei der Gasumlage zu verzichten, ist Lindner in Brüssel gescheitert. Laut einem Kommissionssprecher sei eine Ausnahme bei der Abgabe nicht möglich. Man wolle aber gemeinsam mit Deutschland eine Lösung finden, wie Verbraucherinnen und Verbraucher entlastet werden können, heißt es.

Bundeskanzler Olaf Scholz spricht sich auf Twitter für eine Entlastung der Bürgerinnen und Bürger aus: „Es wird teurer – da gibt es kein drum herumreden. Die Energiepreise steigen weiter. Aber: Mit 30 Milliarden Euro entlasten wir die Bürgerinnen und Bürger bereits. Und wir schnüren ein weiteres Entlastungspaket. Wir lassen niemanden allein mit den höheren Kosten.“
Was genau geplant ist und wie diese Entlastungen aussehen können, ist allerdings noch nicht bekannt.

Gasumlage 2022: Darum ist das nötig

Die Gasimporteure haben Lieferpflichten – gegenüber den Stadtwerken und anderen Kundinnen und Kunden, diese müssen sie einhalten. Um das zu schaffen, mussten sie sich auf dem Kurzfristmarkt Gas beschaffen. Dies ist meist teurer und die Kosten tragen derzeit die Gasimporteure selbst. Umlegen können sie die Kosten auf Kundinnen und Kunden ab dem 01. Oktober 2022. Bis zu diesem Zeitraum bleiben die Gasimporteure zu 100 Prozent selbst auf den Mehrkosten sitzen. Ab dem 01. Oktober werden sie zu 90 Prozent entlastet. Zehn Prozent der Mehrkosten tragen sie weiterhin selbst. Das soll vor drohenden Insolvenzen der Gasimporteure bewahren.

Gasumlage 2022: Das kritisieren Expertinnen und Experten

Kritik wird vonseiten einiger Ökonominnen und Ökonomen laut, sie fordern, dass Verbraucherinnen und Verbraucher schnell entlastet werden. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, nannte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bereits einen konkreten Vorschlag: „Das beste Instrument sind direkte Transferzahlungen wie ein Energiegeld von 100 Euro pro Person und pro Monat für die kommenden 18 Monate.“

Die derzeitige Situation, dass die Belastungen bereits klar sind, aber die Entlastungen nicht kommuniziert seien, kritisiert auch die Vizepräsidentin des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), Ursula Engelen-Kefer. Sie sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Wir können nicht der großen Mehrheit der Gesellschaft immer mehr Belastungen aufhalsen und sie gleichzeitig im Unklaren lassen, wie sie unterstützt werden.“ Entlastungen sollten zügig beschlossen werden, damit es nicht zu Unruhen im Herbst komme.

Gasumlage 2022: Dann kommt sie bei den Kundinnen und Kunden an

Ab Oktober 2022 gilt die Gasumlage – bei Kundinnen und Kunden könnte diese allerdings etwas später ankommen, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Im Energiewirtschaftsgesetz sind zum Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern Ankündigungsfristen von vier bis sechs Wochen geregelt. Die Gasumlage wird demnach vermutlich ab November oder Dezember auf den Rechnungen ausgewiesen sein. Einige Verbraucherinnen und Verbraucher können allerdings schon ab Oktober damit rechnet, dass Versorger die Kosten umlegen, so der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) berichtet, dass die Gasumlage monatlich abgerechnet werde und alle drei Monate angepasst werden könne. Grundsätzlich sei der Zeitraum ab dem 01. Oktober bis voraussichtlich zum 01. April 2024 für die Erhebung der Gasumlage bemessen. Je höher der Ausgleich für die Importeure, desto mehr Kosten können diese an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben. Falls Russland die vertraglich zugesicherten Gasmengen wieder vollumfänglich liefere, werde der Betrag auf null gesetzt.

Gasumlage 2022: Fernwärme derzeit nicht erfasst

Aus dem Bericht des BMWK gehen ebenfalls Lücken hervor, welche Verbraucherinnen und Verbraucher von der Gasumlage betroffen sind. So seien Menschen, die Fernwärme nutzen, nicht von der Gasumlage erfasst. Diese Frage werde derzeit geprüft (Stand 18. August 2022). Rund 14 Prozent der Haushalte heizten im vergangenen Jahr mit Fernwärme, wie die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen berichtet. Zu über 46 Prozent entsteht die Fernwärme aus Gas.

Gasumlage 2022: Wie umgehen mit Festverträgen?

Unklar ist auch, wie mit Verbraucherinnen und Verbrauchern umgegangen werde, die einen Festvertrag abgeschlossen haben. Damit beschäftigt sich derzeit ebenfalls das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Geplant ist auch eine weitere Umlage, die Verbraucherinnen und Verbraucher treffen kann: die Gasspeicherumlage. In welcher Höhe die ausfallen wird, das wird voraussichtlich am 18. August bekannt gegeben. Die Umlage kommt der Trading Hub Europe zugute. Das Bundeswirtschaftsministerium gehe aber nicht von Umlagen in einer „relevanten Größe“ aus, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Gasumlage 2022: Norwegen kurbelt Produktion für Deutschland an

Auch interessant

Kommentare