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China macht dicht: Streaming-Sperre ab 22 Uhr durchgedrückt

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Von: Julian Kornacker

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Nächster Rieseneinschnitt in das Privatleben der Chinesen. Ab 22 Uhr dürfen keine Streams mehr geschaut werden und Donations von Minderjährigen werden gesperrt.

Shanghai, China - Die kommunistische Partei Chinas, KPCh, hat die nächste große Einschränkung auf den Weg gebracht: unter 18-jährige Chines*innen dürfen ab 22 Uhr keine Streams mehr schauen. Hinzu kommt, dass die Plattformen dafür sorgen sollen, dass Minderjährige keine Donations mehr an ihre Lieblingsstreamer ausgeben können. Damit fällt eine wichtige Einnahmequelle für Streamer weg. Und als sei das noch nicht genug, dürfen Minderjährige in Zukunft nur noch mit einer staatlichen Erlaubnis streamen.

Maßnahme (Gaming und Streaming)Eingeführt am
Minderjährige dürfen an Werktagen nur 1,5 Studen spielenNovember 2019
Wochenende und Feiertage max. 3 StundenNovember 2019
Kein spielen zwischen 22 Uhr und 8 UhrNovember 2019
Im Stream soll Mandarin gesprochen werdenAugust 2021
Streamer*innen müssen sich angemessen kleidenAugust 2021
Kein vulgären InhalteAugust 2021
keine Donations mehr durch MinderjährigeMai 2022
Minderjährige dürfen keine Streams mehr ab 22 Uhr schauenMai 2022
Streaming nur noch mit staatlicher GenehmigungMai 2022

Streaming-Sperre ab 22 Uhr: Wieso macht China das?

Die chinesische Regierung möchte damit die Anbieter von Streamingservicen mehr in die Pflicht nehmen, die Regeln konsequent durchzusetzen. Durchgesetzt werden die neuen Regeln mithilfe einer Kindersicherung, dem sogenannten „youth mode“, die den Stream gezwungenermaßen automatisch ausschaltet, sobald es 22 Uhr Ortszeit ist. Durchgesetzt werden die Regeln von der nationalen Radio- und Fernsehverwaltung in China.

Mann vor chinesischer Flagge schaut schockiert auf seine Uhr
Streaming-Sperre ab 22 Uhr in China - neue Verbote für Minderjährige © Freepik (Montage)

All diese Regeln dienen nur einem Zweck: China ist der Meinung, dass Gaming Konsequenzen für die Gesellschaft habe. Die Regierungspartei KPCh rechtfertigt ihre Entscheidungen damit, dass immer mehr junge Menschen in eine Abhängigkeit geraten würden. Somit dürfen Minderjährige seit einiger Zeit nur noch drei Stunden in der Woche Videospiele zocken. Außerdem kontrolliert der Staat, was gespielt wird und schränkt die Freigabe von Spielen, die wir im Westen jederzeit spielen dürfen, ein. Das aktuellste Beispiel ist Elden Ring.

Im April 2022 hatte China eine zweimonatige Spezialkampagne gestartet, um das „Chaos“ im Live-Streaming- und Kurzvideo-Business (gemeint ist z.B. TikTok) einzudämmen. Es ist Teil eines weitreichenden Plans der chinesischen Regierung, mit dem dafür geworben werden soll, was von der Regierung als angemessener und legaler Inhalt erachtet wird.

Streaming-Sperre in China: Ein riesiger reglementierter Markt – DouYu statt Twitch betroffen

Seit Corona hat Streaming auch in China einen Boom erlebt. Anders als bei uns gibt es in China kein Twitch. Die Anbieter heißen dort unter anderem Huya, DouYu und Bilibili. Huya wird übrigens vom bekannten Konzern Tencent gehalten und auch bei DouYu ist der Tech-Gigant Anteilseigner. Eine der größten Streamerinnen in China ist Nai Nai, die aktuell aus Shanghai streamt.

DouYu ist die größte Streamingplattform in China, mit einer monatlichen Nutzerzahl von 163,6 Millionen im Jahr 2019. Das sind ca. 20 Millionen mehr als bei Twitch. Hier schauten mehr als 140 Millionen monatliche Nutzer Livestreams. Anfang 2022 hatte das Spiel Elden Ring, von From Software, eine tägliche Zuschauerschafft von ca. 17,1 Millionen und das, obwohl es nicht offiziell lizenziert ist.

Wie sich die neuen Regeln auf den Streaming-Markt in China auswirken werden, bleibt abzuwarten. Experten gehen davon aus, dass es einen sehr starken Einfluss auf die Unternehmen hat, wenn die neuen Regeln konsequent durchgesetzt werden.

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