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Nur nicht falsch herum: Beim i-Kfz-Verfahren sollen Verbraucher die Plakette künftig selbst aufkleben.

Online gehen statt Nummer ziehen

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Für einen Besuch in einer Kfz-Zulassungsstelle müssen Autobesitzer oft viel Zeit mitbringen. Nummer ziehen, sitzen, warten. Geduld ist gefragt. Mit solchem Ärger soll bald Schluss sein. Ab Herbst wird Phase drei des Projekts i-Kfz eingeläutet. i-Kfz bedeutet internetbasierte Fahrzeugzulassung. Ein neues Auto soll man künftig online anmelden, umschreiben oder wiederzulassen können - ohne Wartezeit im Amt zu verbringen. In Teilen ist das schon möglich, betrifft aber nur Abmeldungen oder Wiederzulassungen im selben Zulassungsbezirk - dies waren die ersten beiden Phasen des Projekts. Jetzt folgt die nächste.

"Wir ermöglichen nun auch das erstmalige An- und das Ummelden per Mausklick", erklärte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in einer Mitteilung. Für den Neu- und Gebrauchtwagenmarkt sei das eine enorme Erleichterung. Das zeigen auch die Zahlen.

20 Millionen Zulassungsvorgänge für Pkw hat es laut Bundesverkehrsministerium 2018 gegeben. Damit sei die Kfz-Zulassung eine der meistgenutzten Verwaltungsvorgänge in Deutschland. Geplant ist, i-Kfz im Herbst bundesweit anbieten zu können. Abmelden, umschreiben oder wiederzulassen kann man allerdings nur Fahrzeuge, die zum ersten Mal nach dem 1. Januar 2015 zugelassen worden sind.

Und: Was einfach klingt, erfordert vom Nutzer mehr als nur eine Internet-Anbindung. "Zur Identifizierung ist ein Personalausweis mit Online-Funktion notwendig. Daneben wird ein Lesegerät oder ein Smartphone mit NFC-Chip zur drahtlosen Übertragung der Daten benötigt", erklärt Thomas Schuster von der Sachverständigenorganisation KÜS. Die KÜS gehört zu den ersten Projektpartnern von i-Kfz und hat die entsprechenden Sicherheitsanforderungen für die Datenübermittlung umgesetzt. "Wird ein Fahrzeug online zugelassen, erfolgt ein Datenabgleich mit dem Zentralen Fahrzeugregister", erklärt Schuster. Prüforganisationen wie die KÜS übermitteln ihre Daten nach der Hauptuntersuchung (HU) an das Register des Kraftfahrt-Bundesamts, von wo aus sie dann von den Zulassungsstellen abgerufen werden können.

In der Praxis soll die Online-Neuzulassung zukünftig so ablaufen können: Im Onlineportal der Behörde identifiziert man sich mittels Personalausweis mit PIN und Kartenlesegerät oder via Smartphone und AusweisApp 2.

Dann muss bei der Zulassungsbescheinigung Teil II, früher auch Fahrzeugbrief genannt, der Sicherheitscode freigelegt werden. In die Auftragsmaske im Portal werden nun alle notwendigen Daten wie Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN), Sicherheitscode, Datum der HU, eVB-Nummer der Versicherung (elektronische Versicherungsbestätigung) und IBAN des Halters eingetragen. Dann wird ein freies Kennzeichen ausgewählt - oder ein reserviertes Kennzeichen oder Wunschkennzeichen angegeben.

Die Daten werden vom System automatisch gecheckt, danach zahlt man. Anschließend wird der Antrag von einem Sachbearbeiter geprüft. Per Post kommen dann Zulassungsbescheid, die Zulassungsbescheinigung Teil I und II sowie die Plaketten für die Kennzeichen.

Eine Zeitersparnis hat der Autofahrer hier also nur bedingt, denn bis die Post mit Brief und Prüfsiegeln ankommt, können zwei bis drei Tage vergehen. Dafür entfällt die Wartezeit in den Behördenräumen.

Wird ein bereits zugelassenes Fahrzeug umgemeldet, geht es schneller. Wenn beispielsweise ein Autofahrer aus Hamburg in Berlin ein Auto mit Berliner Kennzeichen kauft, kann er künftig den Halterwechsel mit Kennzeichenmitnahme komplett online durchführen. Vor Ort stellt er über das Handy auf dem Onlineportal den Antrag und kriegt einen vorläufigen Zulassungsbescheid in sein elektronisches Postfach auf dem Portal. "Damit kann der Hamburger Bürger sofort losfahren. Das Auto ist somit zugelassen. Die finalen Dokumente werden auf dem Postweg zugeschickt", erläutert der Landesbetrieb Verkehr (LBV) der Stadt Hamburg auf Anfrage.

Was die Online-Meldung nicht ersetzen kann, ist das Aufkleben der amtlichen Prüfsiegel. Das soll der Autofahrer künftig selbst erledigen. In Hamburg etwa verschickt der LBV eine genaue Anleitung, damit die Plaketten korrekt aufgeklebt werden.

Noch sind nicht alle Zulassungsstellen so vernetzt, dass sie den Autofahrern i-Kfz überhaupt anbieten können. "Für die Zulassungsstellen gibt es noch eine Übergangsfrist bis Oktober, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen", sagt Boos. Dem Verkehrsministerium zufolge sind über 400 der insgesamt 431 Zulassungsbehörden im Land an das Verfahren angebunden. Aufseiten der Prüforganisationen würden nahezu alle Anbieter wie TÜV, Dekra oder KÜS die Voraussetzungen für i-Kfz erfüllen. dpa

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