+
608 PS, 330 km/h Spitze und ein Drehmoment von 800 Nm: Der Alpina B7 kann auf dem Blatt schon mal überzeugen.

Fahrbericht

Der neue Alpina B7 - außen Bond, innen Terminator

  • schließen

608 PS, 330 Stundenkilometer Spitze. Der B7 der Allgäuer Autoschmiede Alpina ist die schnellste Limousine der Welt. Wir durften auf dem Salzburgring einen wilden Ritt hinlegen.

Das hatte einen (guten) Grund: Denn noch fehlt die Straßenzulassung für den B7. Und so mussten wir leider mit der Rennstrecke vorliebnehmen. Wie alle anderen Fahrzeuge des Allgäuer Herstellers auch basiert der B7 auf einem Serienmodell von BMW. In diesem Fall ist es der neue Siebener, der mit der großen Schnauze.

Alpina B7: Top-Speed 330

Die Allgäuer, einst reine BMW-Tuner und Rennfahrer, haben sich seit Mitte der sechziger Jahre zum veritablen Fahrzeughersteller entwickelt. Rund 1.500 Autos bringt man jährlich auf die Straße, Kernmarkt ist Deutschland, gefolgt von den USA und Japan. Trotz Tempolimit verkauft sich der B7 in Trump-Land am besten. Rund 400 Exemplare gehen dort über den Ladentisch der BMW-Dealer.

Der große Trumpf von Alpina ist das Understatement. Warum auf groß auf die Pauke hauen, wenn man die größte Pauke unter der Motorhaube hat? Und wenn man schneller unterwegs ist als die gesamte Konkurrenz: "V max" heißt einer der Alpina-Grundsätze, erklärt Entwicklungschef Andreas Bovensiepen. Immer Höchstgeschwindigkeit. Beim B7 sind es 330 Stundenkilometer, nicht abgeregelt.

Und noch eine Eigenart gibt es nur bei Alpina: Die Autos mit den typischen feinfächrigen Felgen, haben zwei Fahrgestellnummern. Eine von BMW, die allerdings durchgestrichen ist, und die von Alpina.

Fahrbericht: Der Mercedes AMG C 63 im Test auf der Rennstrecke.

Alpina B7: Testfahrt auf dem Salzburgring

Testfahrt an historischer Stätte. Auf dem Salzburgring trat Alpina anno 1970 bei der Tourenwagen-EM mit großem Respekt an: "BMW hält sich dieses Jahr diskret zurück. So kam es, dass BMW Alpina die schwere und ehrenvolle Aufgabe zuteilwurde, gegen die furchterregende Streitmacht aus fremden Häusern anzutreten", hieß es damals im Renn-Blatt. Am Ende vom Lied lehrten allerdings die Allgäuer der Konkurrenz das Fürchten: Der Spanier Soler-Roig siegte mit einem 2800 CS (Sechszylinder-Sauger mit 300 PS). Und auch am Saison-Schluss stand Alpina ganz oben auf dem Treppchen.

In unter vier Sekunden beschleunigt der Alpina B7 von 0 auf 100.

Aber zurück ins Hier und Jetzt. Da steht er also der neue B7 – in der Boxengasse des Salzburgrings. 5,27 Meter Luxus pur, Langversion. Kostenpunkt: ab 154.800 Euro. Im Gegensatz zum neuen 7er BMW fällt der gigantische Kühler hier gar nicht so auf. Das dürfte an den modifizierten Anbauteilen darunter liegen, die den B7 ein Stück weit eleganter erscheinen lassen. Hinten erkennt man den Alpina an dem kleinen, aber dezenten Heck-Diffusor.

Das hat der Alpina B7 unter der Haube

Das Herzstück aber ist natürlich der Motor. 4,4-Liter, V8, Biturbo – technisch verfeinert und mit größeren Turbo-Ladern ausgestattet. Das wirklich Beeindruckende ist neben der schieren Power von 608 PS das gewaltige Drehmoment von 800 Nm. Schon ab der 2.000 u/min liegt es an und damit um satte 1.000 u/min früher als beim Vorgänger.

Insofern ist der Salzburgring für den Powertest die ideale Strecke. Kaum ein anderer Kurs ist so schnell wie die 4.255 Meter lange Strecke mit den zwei langen Geraden und den sechs Links- und Rechtskurven (Rundenzeiten-Rekorde um die 1.30 Minuten). Rennsportlegenden wie Graham Hill, Jacky Ickx und Emerson Fittipaldi bewegten hier schon ihre Formel-2-Autos. Auf zwei Rädern waren hier Superstars wie Giacomo Agostini oder Tony Mang unterwegs.

Der Alpina B7 klebt wie Kaugummi auf der Straße.

Der Salzburgring liegt dem B7. Sofort geht er ab wie Schmidts Katze, die vor Nachbars Lumpi flüchtet. Um so viel Power auf die Straße zu bringen, braucht es schon Allrad-Traktion. Einen Heckantrieb gibt es nicht mehr. Macht aber nichts, weil die Elektronik die Kraft flexibel zwischen den Achsen hin- und herschiebt, bis zu 85 Prozent nach hinten.

Fahrbericht: Audi e-tron - Kann der Elektro-SUV Tesla Konkurrenz machen?

In 3,6 Sekunden auf Tempo 100

Und damit zu den Werten: Von 0 auf Tempo 100 geht es in 3,6 Sekunden - ein Zehntel schneller als beim Vorgänger. Von Tempo 100 zum Stillstand braucht der B7 eine Strecke unter 36 Metern. Giftig wie Nattern packen die Bremsen zu, um den 2,2-Tonner in jeder Lage im Griff zu haben.

Dabei – und das ist ebenfalls ein Alpina-Charakteristikum – setzt man nicht auf Carbon oder Keramik. Die Bremsscheiben sind nach wie vor aus Stahl. Stolz zeigt Bovensiepen Vergleichstests, bei denen man die High-Tech-Konkurrenz meterweit schlägt.

So fährt sich der Alpina B7

Bei der wilden Jagd über den Salzburgring ist man froh über diese brachiale Bremskraft. Denn die beiden äußerst engen Schikanen jeweils am Anfang und am Ende des Tracks fordern Mann und Maschine im Grenzbereich. Gas geben, bremsen, Vollgas, rein in die Eisen! Beim Asphalt-Slalom macht der B7 so eine prächtige Figur wie weiland Hansi Hinterseer.

Gleiches gilt für Nockstein- und Fahrerlagerkurve. Hier sind es die Grenzen der Fliehkraft, die wir antesten. Aber keine Angst, der 2,2-Tonner pappt wie Kaugummi fest auf der Straße. Auch dank des luftgefederten Fahrwerks, das sich bei Sport plus noch um 15 mm absenkt, und unter Mithilfe von Wankstabilisierung und Hinterradlenkung scharf wie ein Rasiermesser arbeitet. Selten waren wir so souverän mit so einem Dampfhammer auf vier Rädern unterwegs.

Auch das Interior des Alpina B7 weiß zu überzeugen.

Fahrbericht: Nachts auf der Rennstrecke - Der Porsche Panamera GTS im Härtetest.

Das sind die Konkurrenten des Alpina B7

Noch ein Wort zur "furchterregenden Streitmacht", die dem B7 von Alpina heutzutage Konkurrenz machen könnte. Da ist aus dem Hause BMW zum Beispiel der 760i mit zwölf Zylindern, der es immerhin in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 schafft, der aber viel bequemer ausgelegt ist. Oder Porsche Panamera Turbo, AMG S63 & Co. Alles prächtige Power-Limousinen. Am Ende dürfe es aber auch hier ausgehen wie anno 1970. Der B7 räumt alles ab. Ein Gentleman mit vornehmer Gelassenheit – aber gewaltigen Muckis: außen Sir James Bond, innen Terminator.

Alpina B7: Technische Daten

Hubraum:

4.399 ccm

Leistung:

608 PS

Drehmoment:

800 Nm

Länge/B.H.:

5,26/1,90/1,49 m

Leergewicht:

2.175 kg

Kofferraum:

515 l

0 - 100 km/h:

3,6 sek

0 - 200 km/h:

11,9 sek

Top-Tempo:

330 km/h

Normverbrauch:

11,6 l Super

Co2-Ausstoß:

265 g/km

Abgasnorm:

Euro 6d

Preis ab:

154.800 Euro

Fahrbericht: Elektro-Flitzer von BMW: Das neue i8-Cabrio im Test.

Auf diese Autos können Sie sich 2019 freuen

Neue Generation: Mercedes bringt das neue Modelle seiner B-Klasse. Foto: Daimler AG
Neue Generation: Mercedes bringt das neue Modell seiner B-Klasse. © Daimler AG / dpa
Auftakt: Der neue 3er BMW startet im Frühjahr als Limousine, später folgt der Kombi Touring. Foto: Guenter Schmied/BMW AG
Auftakt: Der neue 3er BMW startet im Frühjahr als Limousine, später folgt der Kombi Touring. © Guenter Schmied / BMW / dpa
Ausverkaufter Ausnahmesportler: Der McLaren Speedtail mit 772 kW/1050 PS soll 403 km/h schnell werden. Foto: McLaren
Ausverkaufter Ausnahmesportler: Der McLaren Speedtail mit 772 kW/1050 PS soll 403 km/h schnell werden. © McLaren / dpa
Namensänderung beim Modellwechsel: Aus Rapid macht Skoda Scala. Foto: Škoda Auto
Namensänderung beim Modellwechsel: Aus Rapid macht Skoda Scala. © Škoda Auto / dpa
Comeback des Corolla: Er kommt als Fünftürer und Kombi. Foto: Toyota
Comeback des Corolla: Er kommt als Fünftürer und Kombi. © Toyota / dpa
Fürs Polospiel im Gelände: VW bringt den neuen T-Cross auf Polo-Basis auf den Markt. Foto: Volkswagen AG
Fürs Polospiel im Gelände: VW bringt den neuen T-Cross auf Polo-Basis auf den Markt. © Volkswagen AG / dpa
Neuzugang im Gelände: Range Rover Evoque. Foto: Nick Dimbleby/Land Rover
Neuzugang im Gelände: Range Rover Evoque. © Nick Dimbleby/Land Rover/dpa
Unter Strom ins Gelände: Der neue Audi E-Tron. Foto: Audi AG
Unter Strom ins Gelände: Der neue Audi E-Tron. © Audi AG / dpa
Weitere Geländeneuheit: Der neue Toyota RAV4. Foto: Toyota
Weitere Geländeneuheit: Der neue Toyota RAV4. © Toyota / dpa
Französisches SUV: Der neue Citroën C5 Aircross. Foto: William Crozes/Citroën
Französisches SUV: Der neue Citroën C5 Aircross. © William Crozes / Citroën / dpa
Spanischer Geländegänger: Seat-SUV mit sieben Sitzen. Foto: Seat
Spanischer Geländegänger: Seat-SUV mit sieben Sitzen. © Seat / dpa
Jungfernfahrt im Gelände: Mit dem DBX bringt Aston Martin erstmals ein SUV. Foto: Aston Martin
Jungfernfahrt im Gelände: Mit dem DBX bringt Aston Martin erstmals ein SUV. © Aston Martin / dpa
Groß in Fahrt: Der neue BMW X7. Foto: Daniel Kraus/BMW AG
Groß in Fahrt: Der neue BMW X7. © Daniel Kraus / BMW / dpa
Ein Geländeauto in seinem natürlichen Habitat: Der neue Mercedes GLE. Foto: Daimler AG
Ein Geländeauto in seinem natürlichen Habitat: Der neue Mercedes GLE. © Daimler AG / dpa
Stromer: Der neue elektrische E-Niro von Kia. Foto: Kia
Stromer: Der neue elektrische E-Niro von Kia. © Kia / dpa
Frischer Klassiker: Der Porsche 911 in neuester Generation. Foto: Porsche AG
Frischer Klassiker: Der Porsche 911 in neuester Generation. © Porsche AG / dpa
Solvente Kunden setzt Bentley an die frische Luft: Die Briten starten den Continental zum Sommer 2019 auch als Cabrio. Foto: Richard Pardon
Solvente Kunden setzt Bentley an die frische Luft: Die Briten starten den Continental zum Sommer 2019 auch als Cabrio. © Richard Pardon / dpa
Bayer mit japanischen Genen: Von Toyota und BMW kommen auf der gleichen Plattform die neue Supra und der nächste BMW Z4. Foto: Bernhard Limberger/BMW AG
Bayer mit japanischen Genen: Von Toyota und BMW kommen auf der gleichen Plattform die neue Supra und der nächste BMW Z4. © Bernhard Limberger / BMW / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare