Es muss nicht immer SUV sein: Mercedes CLA 220d im Fahrtest
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Geht ab wie die Feuerwehr, aber mindestens der 250er Benziner mit 224 PS oder der 220er Diesel mit 190 PS müssen her.

Fahrbericht

Es muss nicht immer SUV sein: Mercedes CLA 220d im Fahrtest

  • Rudolf Bögel
    vonRudolf Bögel
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Der erste CLA hat sich 750.000 Mal verkauft. Wird die zweite Generation des kompakten Coupés ähnlich erfolgreich? Schöner ist sie allemal – und sie fährt sich auch besser.

  • Mit 4,70 Meter länger ist der kleine CLA so groß wie die C-Klasse.
  • Das Coupé wechselt sogar selbständig die Spur.
  • Nur 6,2 Liter Verbrauch trotz sportlicher Fahrweise

Welch optische Wohltat! Vor der Haustüre steht nicht wie so oft ein fahrbarer Wohnzimmerschrank, also ein weiterer gesichtsloser SUV. Nein hinter der Hecke duckt sich ein schlankes weißes Coupé. Nicht höher als 1,44 Meter. Über das Auto hinweg kann man sogar ein Schwätzchen mit dem Nachbarn halten. Und bei der Einfahrt in die Tiefgarage zieht man auch nicht mehr automatisch den Kopf ein, weil man Angst haben müsste, dass einem die Decke auf den Kopf fällt.

Schön ist ein SUV im seltensten Fall. Charakteristisch vielleicht, so wie eine G-Klasse von Mercedes*, oder der Renegade von Fiat – und vielleicht noch der neue Land Rover Defender. Ansonsten: Viel Einheitskost von der Stange, weil alle Welt halt nun mal einen SUV haben will. Dabei geht Autofahren auch viel eleganter. Mit dem neuen CLA von Daimler beispielsweise. Die Seitenlinie ist so schön geschwungen, das Auto so wohl proportioniert, dass der Platz im Designmuseum schon längst reserviert ist.

Mercedes CLA 220d: Durchdachtes aerodynamisches Design

Schön wie ein CLS, nur kleiner. Der CLA macht auch von hinten eine gute Figur.

Im Vergleich zur normalen A-Klasse ist der neue CLA breiter geworden. Die Spur vorne ist um 45 Millimeter, hinten sogar um 55 Millimeter gewachsen. Das lässt ihn breitbeinig auf der Straße stehen. Beim Design hat man sich an einer Colaflasche orientiert: Knackiges Heck (Colaboden), schlanke Taille und oben rum, quasi zum Flaschenhals (Frontpartie) hin, wieder breiter. Dabei ging es nicht allein um die Schönheit, sondern auch um einen geringeren Luftwiderstand. Mit einem cw-Wert von 0,23, rechnet man bei Mercedes vor, fährt man so windschlüpfrig durch die Gegend wie ein professioneller Radrennfahrer.

Sieht aus wie ein kleines Stadtauto, ist aber so lang wie die C-Klasse: Der Mercedes CLA.

Manch einer meint, dass der CLA ein nur zu heiß gewaschener und geschrumpfter CLS ist. Das ist unmöglich, aber ziemlich gut beschrieben. Nur klein ist die Limousine, die auf der A-Klasse basiert, nicht wirklich. Mit 4,70 Metern Länge und zwei Metern Breite hat der CLA fast die identischen Abmessungen wie die C-Klasse.

Damit ist das Coupé von den Maßen her kein reinrassiger Kompaktwagen mehr – allenfalls bei den beengten Platzverhältnissen im Fond. Kopf einziehen, Körper eindrehen, Schwerpunkt etwa auf Steißhöhe legen, reinschwingen.

Der Fond im CLA: Wer hier rein muss, sollte nicht allzu groß und halbwegs beweglich sein.

So lässt sich der Einsteigevorgang eines 1,78 Meter großen Menschen beschreiben. Wenn man sitzt, bleibt einem nur die Hoffnung, dass Fahrer und Beifahrer ausnahmsweise ein wenig weiter nach vorne rutschen als sonst. Für eine längere Fahrt mit vier Erwachsenen ist der CLA nicht geeignet. Singles, Pärchen, Jungfamilien mit einem Kind – das ist die richtige Zielgruppe. Zumal der Kofferraum zwei Nachteile hat: Die Ladekante ist hoch, die Höhe des Kofferraums niedrig. Zwar passen ordentliche 470 Liter hinein, aber für sperrige Gegenstände ist er nicht geeignet.

Nicht geeignet für sperrige Ladung. Der Kofferraum des CLA hat zwar eine ordentliche Größe, praktisch ist er aber nicht.

360-Grad-Rundumsicht übers Display

Mehr Platz hinten – das ist aber auch schon der einzige Punkt, den ein SUV gegen den CLA macht. Schon bei der Übersicht kann das Mercedes-Coupé mithalten. Zwar ist der Blick zur Seite und nach hinten wegen der dicken B-Säule und der abfallenden Dachlinie eingeschränkt. Aber für was sind denn Radar und die vielen Kameras an Bord? Mit der 360-Grad-Rundumsicht aus der Vogelperspektive hat man seine Umgebung auf dem Display besser im Blick, als wenn man verkrampft seinen Rumpf verdreht und nach hinten schaut. Im Fall der Fälle greift der Computer sowieso mit dem Notbremsassistenten ein.

Und auch bei der objektiven Sicherheit hat ein SUV keinen Vorteil im Vergleich zu einer Limousine. Der Mensch lenkt – das Auto denkt. Moderne Sicherheitssysteme wie Spurwechselwarnung oder automatische Abstandsregelung gibt es hüben wie drüben. Besonders gut – und zwar in allen Fahrzeugklassen – funktioniert das teilautonome Fahren im Mercedes. Auch beim CLA wird da angeboten. Der Tempomat mit Verkehrszeichenerkennung und automatischer Anpassung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, spart Geld und Punkte. Der Stop-and-Go-Pilot für den täglichen Stau in die Arbeit schont die Nerven.

Modern, digital, mit einem Hauch von Retro-Look. Das Mercedes Cockpit setzt in seiner Klasse die Benchmark.

Automatischer Spurwechsel über den Blinker

Das schönste Feature ist und bleibt aber der automatische Spurwechsel. Nur den Blinker setzen und schon bewegt sich der CLA wie von Geisterhand auf die linke Autobahnspur. Überholen, Blinker rechts, und schon geht es wieder zurück. Macht Spaß – aber ehrlicherweise wissen wir nicht, wozu wir das brauchen sollten. Außer es gilt seinen Beifahrer zu beeindrucken. Denn wenn der Fahrer schon mit der Hand den Blinker betätigen muss, dann kann er doch auch gleich noch lenken.

Den größten Vorteil bietet eine Limousine beim Fahrgefühl. Und gerade so ein (gegen Aufpreis) luftgefedertes Coupé wie der CLA. Leichtfüßig flitzt es um die Ecken, in den Kurven läuft das Auto wie auf Schienen. Bei einem schweren SUV, der mit seinem Gewicht immer die Fliehkraft herausfordert, muss man kraftvoll mit dem Lenkrad dagegenhalten. Und die Wankstabilisierung, die das Wanken im Wortsinn der hochbeinig gelagerten Karosserie ausgleichen will, ist zwar meistens sehr effektiv, fühlt sich immer aber auch unnatürlich an.

Schöner fahren im Coupé – das liegt freilich auch am Motor. In unserem Testwagen werkelte ein Diesel. Und wie! Der 220d hat 190 PS ist eine kleine Rennmaschine. 400 Nm Drehmoment sind ja auch kein Pappenstiel. Und die packt der Vierzylinder schon bei 1.600 Umdrehungen aus. Kraftvoll, kompromisslos, kernig! Sparsam ist der Selbstzünder auch noch. Trotz dynamischer Fahrweise fast immer im Sportmodus, verbrauchten wir im Test nicht mehr als 6,2 Liter.

Geht ab wie die Feuerwehr, aber mindestens der 250er Benziner mit 224 PS oder der 220er Diesel mit 190 PS müssen her.

Das kostet der CLA

Den (Fahr-)Spaß lässt sich Mercedes auch was kosten. 40.000 Euro kostet der CLA mit dieser Maschine. Der günstigste Diesel mit 150 PS kostet ab 37.700 Euro, der kleinste Benziner mit 136 PS knapp 31.500 Euro. Wenn man an das obere Ende schaut, da entdeckt man die schärfste AMG-Variante, den CLA 45 S, mit 421 Pferdestärken. Macht summa summarum rund 67.000 Euro. Dafür bekommt man gleich zwei Einstiegsbenziner.

Die Liebe zur Limousine wiederentdeckt: Unser Autor Rudolf Bögel.

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Unser Fazit zum Mercedes CLA 220d

Es muss nicht immer ein SUV sein. Wer mit einem neuen Auto liebäugelt und nicht unbedingt eine vierköpfige Familie hat – der bekommt mit dem CLA ein wirklich schönes und praktisches Auto mit Fahrdynamik und digitaler Kompetenz. Wir jedenfalls haben bei den Testfahrten die Liebe zur Limousine wieder neu entdeckt.

Datenblatt Mercedes CLA 220d

Hubraum:

1950 ccm

Leistung:

190 PS

Drehmoment:

400 Nm zwischen 1600 - 2600 U/min

Getriebe:

8-Gang Doppelkupplung

Antrieb:

Front

Länge/Breite/Höhe:

4,69/2,00/1,44 m

Leergewicht (zul):

1560 kg / 505 kg

Kofferraum:

460 l

0 auf 100:

7,1 Sekunden

Top-Tempo:

244 km/h

Normverbrauch:

4,4 l

Co2:

117 g/km

Preis:

ab 40.430 Euro

Rudolf Bögel

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