1. Gießener Allgemeine
  2. Ratgeber
  3. Auto

Genesis GV70: Elektro-SUV mit 490 Booster-PS im Fahrtest

Erstellt:

Von: Rudolf Bögel

Kommentare

Genesis greift die Premiumliga an. Mit dem dritten voll elektrischen Modell, dem SUV GV70. Müssen BMW und Audi vor dem Luxus-Koreaner zittern?

Am Anfang steht immer ein Traum. In diesem Fall einer, den schon andere Hersteller geträumt haben. Doch sowohl für Infiniti als auch für Lexus gab es in der Vergangenheit ein böses Erwachen. Der Angriff auf den deutschen Premium-Markt aus dem Fernen Osten – meistens zum Scheitern verurteilt. Traditionsmarken wie BMW, Mercedes und Audi erwiesen sich immer wieder als zu stark. Mit der E-Mobilität taucht jedoch ein echter Spielverderber auf. Plötzlich verlieren die Deutschen die Oberhoheit über das Herzstück eines Autos – den Antrieb. Zündzeitpunkt, Zylinder, Zwischengas – perdu. Jetzt geht es um Ladeleistung, Akkus und Wicklungen. Das können auch andere. Zum Beispiel die Hyundai Motor Group. Mit der Edelmarke Genesis wollen sie tief in den deutschen Premium-Raum vordringen. Tiefer als alle anderen zuvor. Jetzt bringen die Koreaner ihr drittes E-Auto auf den Markt.

Genesis GV70 Front
Zwei Elektromotoren bringen den 2,3-Tonner schon in Schwung. Wenn es sein muss in 4,2 Sekunden von 0 auf 100. © Genesis

Genesis GV70: Elektro-SUV mit 490 Booster-PS im Fahrtest

Mit dem neuen Modell tritt Genesis in der Oberliga an. Anders als der etwas kleinere GV60 steht der GV70 allerdings auf keiner eigenen technischen Elektro-Plattform. Das ist auch der Grund, warum er fast exakt so aussieht wie die Exemplare der Verbrenner-Fraktion. Wer genau hinsieht, bemerkt den Unterschied nur am Kühler. Der ist beim Elektroauto geschlossen, außerdem befindet sich hier die gut versteckte Ladeklappe, die für den Nachteinsatz von innen beleuchtet ist. Das Kabel holt man aus dem 25 Liter großen Frunk direkt unter der Fronthaube.

Genesis GV70 Detail Ladeklappe Kühler
Gut versteckt im Kühler ist die Ladeklappe des Genesis GV70. Mit Innenbeleuchtung, falls man nachts aufladen muss. © Genesis

Da passen auch noch ein paar Handschuhe rein, empfehlenswert, weil man ja nicht immer bei Sonnenschein auflädt. Bei der Elektro-Architektur stößt man auf das 800-Volt-System aus dem Hause Hyundai, das schon im Kia EV6 und dem Ioniq5 vor allem aufgrund seiner Ladeleistung für Furore sorgt: Vorausgesetzt, man findet einen 350-kW-Lader, ist der Akku schon in 18 Minuten wieder bei 80 Prozent. Das entspricht einer Reichweite von über 350 Kilometern. Damit sind die Koreaner zusammen mit Porsche der Klassenprimus. Für den GV70 heißt das: Er ist tatsächlich langstreckentauglich.

Genesis GV70: Innenraum erinnert an Glanzzeit des Automobilbaus

Muss er auch, denn nur fürs tägliche Pendeln von A nach B über vollgestopfte Autobahnen und Einfallstraßen wäre dieser Genesis zu schade. Das über 4,70 Meter lange Teil lädt zum Reisen ein. Weil hier vier Passagiere bequem Platz finden, weil Lack, Leder und Chrom im Interieur an die alten Glanzzeiten des Automobilbaus erinnern. Unterm Blech ist der GV70 hingegen mit allerlei Hightech ausgestattet.

Genesis GV70 Armaturenbrett
Der dezente Charme eines Luxusgeschöpfs. Das Interieur des GV70 glänzt mit viel Chrom, wer will bekommt auch echtes Nappa-Leder. © Genesis

Das Fahrwerk zum Beispiel scannt mit Kameras die Bodenbeschaffenheit und bügelt Schlaglöcher und Unebenheiten blitzschnell mit der elektronischen Federung weg. Unangenehme Geräusche werden über die Hi-Fi-Anlage mit Gegenfrequenzen einfach unterdrückt. Wie ein Raumschiff gleitet der GV70 über die Autobahn. Entspannt, aber auf Wunsch auch ziemlich sportlich. Die zwei Elektromotoren leisten normalerweise jeweils 160 kW. Über den Booster-Knopf am Lenkrad legt die Leistungselektronik – ratzfatz – die Ohren an und powert mit jeweils 20 kW mehr, also insgesamt mit 490 PS und 700 Newtonmetern Drehmoment. Da wird sogar aus einem 2,3 Tonnen schweren Elefanten eine Gazelle. 4,2 Sekunden von 0 auf 100 – da schluckt der Ferrari-Pilot.

Genesis GV70: Besonderer Fahrmodus für Schnee, Sand und Schlamm

Zwei E-Maschinen auf Vorder- und Hinterachse – das heißt auch, dass der Genesis GV70 über Allradantrieb verfügt. Für schlechtes Wetter, sportliche Kurvenfahrten (mit variabler Drehmomentverteilung zwischen den einzelnen Rädern) – oder eben fürs Gelände. Ist ja auch ein SUV. Sogar ein echter. Als erster Genesis verfügt der GV70 über einen speziellen Fahrmodus, der den Antrieb für Schnee, Sand und Schlamm optimiert. Dabei verteilen die beiden Motoren ihre Energie intelligent zwischen Vorder- und Hinterachse.

Genesis GV70 Heck
Da fehlt doch was. Bis auf die Auspuffrohre und ein leicht verändertes Heck unterscheidet sich der elektrische GV70 kaum von den Verbrennern. © Genesis

Wenn nötig, also bei geringer Leistungsanforderung, zum Beispiel bei konstanter Fahrt auf der Autobahn trennt ein Aktuator das vordere Aggregat einfach vom Antrieb. Erstens wird er nicht gebraucht und zweitens, weil das Schleppmoment im Leerlauf nur unnötig Energie verbrauchen würde.

Genesis GV70: Günstiger als BMW und Audi

Das alles hört sich nach Premium an – und ist es auch, mit einer Ausnahme. Der Genesis GV70 ist nicht ganz so teuer wie die Konkurrenz. Der vergleichbare Audi e-tron kostet ab 81.500 Euro, der BMW iX ab 77.300 Euro – nur der etwas kleinere BMW iX3, liegt preislich auf Augenhöhe mit dem Genesis. Mit der Einschränkung, dass der weiß-blaue SUV made in China lediglich einen E-Motor mit 286 PS zu bieten hat.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie im kostenlosen Newsletter von 24auto.de, den Sie gleich hier abonnieren können.

Die Anschaffung eines GV70 startet bei einem Entgelt von 67.300 Euro, wer Spaß an Technik und Komfort hat, kann die Preisschraube schon noch ordentlich anziehen. Dafür hat man dann Nappaleder (2.720 Euro), mächtige 20-Zöller (740 Euro) und ein Panorama-Glasdach (1.700 Euro). Die viel gepriesene Vehicle-to-Load-Funktion, mit der man das Auto zum Ladegerät macht, etwa für ein E-Bike, schlägt immerhin mit 1.040 Euro zu Buche. Etwas mehr kostet das Lexicon-Audiosystem, ohne das es keine aktive Geräuschunterdrückung gibt (1.170 Euro). Etwas kleinlich finden wir, dass die Fingerabdruck-Authentifizierung, mit der man verschiedene Fahrerprofile (Sitzposition, Lenkradhöhe, Spiegeleinstellung) hinterlegen kann, mit 100 Euro abgerechnet wird. Wer alles mit allem und scharf bestellt, gibt dann rund 85.000 Euro aus – mehr geht dann auch beim besten Willen nicht mehr. Rudolf Bögel

Auch interessant

Kommentare