Cabriofeeling ist keine Frage des Alters: Dieser VW Käfer auf der Messe Techno Classica wurde 1950 gebaut. FOTO: DPA

Fast alles eine Frage des Verdecks

Cabrios sind keine normalen Autos, nicht nur wegen des flexiblen Dachs. Sie rosten gerne mal von innen und sind speziell konstruiert, weshalb beim Gebrauchtkauf gilt: Einmal Schrägstellen, bitte.

Der Frühling ist Cabriozeit, Autos mit Verdeck stehen wieder hoch im Kurs. Wer sich eines kaufen will, findet auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt viele Angebote. Doch hier lauern einige Tücken, auf die Interessenten gefasst sein sollten.

Im Fokus steht das Verdeck - es ist allerdings nicht die einzige kritische Stelle. "Ich muss darauf achten, ob es einwandfrei funktioniert und sich leicht bedienen lässt", erklärt Vincenzo Lucà vom TÜV Süd mit Blick auf das Verdeck. Für das Öffnen und Schließen dürfe man keinen großen Kraftaufwand benötigen, es müsse leichtgängig sein. Viele Fahrzeuge haben dafür eine Automatik eingebaut, diese sollte nicht ruckeln.

Ein Laie wird aber nicht alle Details erkennen. Daher rät Lucà dazu, auf eine einwandfreie Wartungshistorie zu achten: "Gelenke und Scharniere sollten leicht funktionieren, denn natürlich gehört die Verdeckmechanik zum Wartungsplan der Werkstätten."

Auch die Dichtungen seien Schwachstellen, warnt der Experte. Sie könnten einreißen, zum Beispiel durch falsche Handhabung, aber auch durch Alterung des Materials. Bei einer gerissenen Dichtung könne es zu Wassereinbruch kommen oder zu Pfeifgeräuschen durch den Fahrtwind, schildert Lucà. Daher empfiehlt er, sich die Dichtungen entlang des Verdecks sowie die Anschlüsse am Scheibenrahmen anzusehen. Bei der Probefahrt sollte man außerdem genau auf Windgeräusche achten.

Lösungen für die meisten Probleme

Jörg Dilge arbeitete lange für den unter anderem auf Cabrios spezialisierten Autobauer Karmann. Heute ist er Besitzer des daraus hervorgegangenen Cabriozentrums Osnabrück und auf den Austausch von Verdecken spezialisiert. "Es gibt bekannte Probleme bei den einzelnen Marken", erklärt er. Bei älteren Modellen des Audi A4 Cabrio könne sich zum Beispiel die Scheibe lösen - und der 2003 gebaute VW Beetle habe öfter Probleme mit Scheuerstellen.

Für die meisten Probleme gibt es aber Lösungen: "Wir haben Verdeckreiniger, beispielsweise für ein grün gewordenes Dach", sagt Dilge. Man könne auch einen neuen Verdeckbezug montieren, das koste im Schnitt rund 1400 Euro. Auch Vertragswerkstätten der Hersteller machten je nach Modell einen Austausch, der Originalbezug sei aber deutlich teurer. Das ist dann eine Kalkulationsfrage: Lohnt sich der Kauf eines Cabrios mit beschädigtem Verdeck für den günstigeren Preis noch, wenn man die Kosten für den Austausch dazurechnet? Wie verschlissen ist das Stoffverdeck? Auch das Material des Verdecks ist ein Faktor. "Stoff- und Kunststoffverdecke können mit der Zeit altern - und dort, wo sie gefaltet werden, auch brechen", erklärt Vincenzo Lucà. Entscheidend sei die Frage, ob das Auto ganzjährig gefahren wurde. "Etwa nach zehn Jahren sollte man genauer hinschauen, vor allem bei Stoffverdecken", rät er.

Doch auch ein 20 Jahre altes Verdeck könne top sein, sofern es gut in Schuss gehalten wurde und wenig UV-Licht abbekommen hat. Ein Wagen, der immer draußen steht, ist meist in einem anderen Zustand als ein Garagenfahrzeug: "Das Sonnenlicht spielt eine sehr große Rolle. Kunststoffe altern, sie werden spröde und verlieren ihre Weichmacher", betont Lucà. Das führe zu Brüchen. Auch kleine Löcher könnten entstehen, da müsse man als Käufer wirklich genau hinschauen. Scheiben verschleißen ebenso - denn Kunststoffscheiben werden mit den Jahren trüb, vor allem wenn das Auto häufig in der Waschstraße war. Undichtigkeiten zwischen Scheibe und Verdeck sind immer möglich.

Ein Cabrio sei "im Prinzip nie hundertprozentig dicht. Es gibt immer irgendwo einen leichten Wassereinbruch", sagt Lucà. Das Auto habe eben eine große Klappe, durch die Wasser hineinlaufen kann - an den Säulen entlang kriecht es in den Innenraum und kann für Rost an den Bodenblechen sorgen. Das passiere, anders als bei geschlossenen Autos, von innen nach außen. Deshalb rät der TÜV-Fachmann: "Man sollte auf jeden Fall den Teppich hochheben und unten auf die Bodenbleche schauen." Denn das Thema Rost am Bodenblech sei beim Cabrio sicherlich größer.

Ein weiterer Prüfpunkt sind die Türen. Hartmut Adam von der Zeitschrift "Cabriolife" rät dazu, mit einem Rad auf dem Bordstein zu fahren, sodass der Wagen schräg steht. "So kann man gut prüfen, ob die Karosse noch stimmt." Hierbei geht es darum, "dass man die Türen leicht öffnen und schließen kann und auch das Verdeck in dieser Stellung noch gut läuft, schließt und öffnet, egal ob Automatik oder Handbetrieb. Alles muss einwandfrei funktionieren", erläutert Adam.

Oft sind Cabrios Sommerautos und stehen im Winter in der Garage. Wer den Wagen dabei nicht aufbockt oder die Reifen stärker aufpumpt, riskiert platte Pneus. Unwuchten drohen. Die spüre man, wenn man bei der Probefahrt langsam fährt, erklärt Adam. "Ich muss mir die Reifen auch genau anschauen, denn das kann man sogar sehen."

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