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BMW i7 xDrive60: So überzeugend ist der Elektro-Siebener im ersten Fahrtest

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Von: Rudolf Bögel

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Der BMW i7 ist der erste voll elektrische 7er des Münchner Autobauers. Wir haben sieben Gründe gefunden, warum er auch der beste Siebener aller Zeiten ist. 

Man kann mit dem Auto ins Autokino fahren. Oder man holt sich das Autokino ganz einfach ins Auto. Wiederspruch? Nein – der neue 7er BMW beweist: Es geht. Und weil wir gerade bei Hollywood sind: Der Sound des neuen elektrischen i7 ist Oskar verdächtig. Warum? Das ist einer der Gründe, warum das neue Flaggschiff aus München der beste 7er aller Zeiten ist.

BMW i7 xDrive60 Front
Der neue Chef auf vier Rädern für die Chefs in den Konzernzentralen. Der BMW i7 ist voll elektrisch und wird, so schätzt BMW, vor allem in Deutschland und Europa zum Einsatz kommen. © BMW

BMW vs. Mercedes: Die Schlacht der Schlachtschiffe

Aber zunächst einmal ein wenig Statistik. Zwei Millionen Exemplare der Luxuslimousine haben die Bayerischen Motorenwerke seit 1977 produziert – und dabei so manchen (technischen) Coup gelandet. Xenon, Navi, iDrive – das alles feierte Premiere im weiß-blauen Super-Dienstauto. Legendär die Premium-Schlacht mit Mercedes um den Zwölfzylinder, die BMW eindeutig gewinnt. Schon 1987 bollert ein solches Triebwerk im 7er – erst 1991 ziehen die Stuttgarter nach. 30 Jahre später sind die mit dem Stern schneller. 2021 bringt Daimler die elektrische S-Klasse auf den Markt, den EQS. Jetzt reicht BMW den i7 nach. Und legt gleichzeitig ziemlich vor, wie die erste Testfahrt im 544-PS-Stromer zeigt.

Jeder dritte 7er in Europa wird elektrisch sein

Noch eine kleine Zahlenspielerei. Jeder fünfte 7er geht in die USA, jeder vierte landet im Golf bei den Scheichs sowie in Korea und Japan, der Löwenanteil, nämlich 45 Prozent, düst durch das Reich der Mitte – die restlichen neun Prozent kreuzen auf Europas Straßen. Ein Großteil davon (75 Prozent) übrigens rein elektrisch, so lautet die Prognose von BMW. Und das ist gut so. Da mögen die Verbrenner-Freunde noch so laut aufheulen, dass der prächtige 760i mit seinem wundervollen Achtzylinder und seinen ebenfalls 544 PS nicht in Europa angeboten wird. Aber ehrlich gesagt, der i7 ist besser. Womit wir beim ersten Grund sind, warum dieser 7er, der beste aller Zeiten ist.

BMW i7 xDrive60 Cockpit
Shytec - das ist Hightech, ohne dass man sie gleich erkennt. So nennt BMW das neue Bedienfeld in der Mittelkonsole. Die Schalter verbergen sich scheu hinter einer kristallinen Struktur. © BMW

BMW i7 xDrive60: Ist der Elektro-7er besser als der Achtzylinder?

Achtzylinder hin, Turbolader her – wir halten mit einem E-Motor auf der Vorderachse (190 kW/258 PS/365 Nm Drehmoment) und einem auf der Hinterachse (230 kW/313 PS / 380 Nm) dagegen. Okay – der i7 ist auch knapp 400 Kilogramm schwerer als der 760i und braucht deshalb auf dem Papier eine halbe Sekunde länger von 0 auf Tempo 100. Aber gefühlt ist das nichts. Im Gegenteil: Der i7 wirkt jederzeit agiler und kraftvoller als sein Verbrenner-Pendant. Die Leistung lässt sich jederzeit gefühlvoll abrufen – von sonor-gemütlich, wie es sich für den Chauffeur-Modus im Morgenverkehr zwischen Park Avenue und Wall Street geziemt bis hin zu frech freilaufend in den Hügeln von San Bernardino, wenn es im Gasfuß juckt. Die Gewichtsverteilung des i7, der tiefe Schwerpunkt der Batterien und die Kraftverteilung zwischen vorne und hinten, linken und rechten Rädern – das alles ist so fein ausgeklügelt und ausgearbeitet, dass man nie das Gefühl hat, in einer fast 5,40 Meter langen Luxuslimousine zu sitzen, sondern in einem veritablen Sportwagen. Luftgefedert mit adaptiven Dämpfern natürlich, und das schon in Serie. Das feine Fahrwerk ist der zweite Grund, warum der i7 der beste 7er aller Zeiten ist.

BMW i7 xDrive60: Meister der Rekuperation

Und der dritte Streich folgt zugleich. Fahrdynamik ist das eine – Effektivität das andere Kriterium für eine moderne Luxus-Limousine. Auch hier setzt der 2,6-Tonner Maßstäbe. Nach knapp 200 Kilometern Testfahrt, erst einmal gemütlich über einen US-Highway, dann himmelsstürmend über enge Gebirgsstraßen hinauf und über ebensolche halsbrecherisch wieder hinunter, zeigen: Wir haben im Schnitt nur 23,2 kWh/100 km verbraucht. Nicht sonderlich viel, weil wir ziemlich dynamisch unterwegs waren. Einer der Gründe: Der BMW i7 hat eine ziemlich gute Rekuperation: 19,3 kWh haben wir uns zurückgeholt – und damit fast 100 Kilometer.

BMW i7 xDrive60 Riesenbildschirm Fond
Fahren wie die Reichen. Wer hinten rechts Platz nimmt, bekommt im neuen neuen i7 einen echten Chefsessel mit integriertem Autokino. 79 Zentimeter Bildschirmdiagonale mit Hollywood-Sound. © UWE FISCHER / BMW

BMW i7 xDrive60: Autokino im Auto statt vor dem Auto

Hollywood-Produzenten holen große Filme ins Kino. BMW holt großes Kino ins Auto. „Theater Screen“ nennen die Münchner ihren 31-Zöller, der normalerweise flach unter der dem Fahrzeughimmel hängt, sich bei Bedarf aber ausklappt und dank 5-G-Technik, Amazon Fire und Surround-Klang zur Kino-Leinwand wird. Um das Vergnügen komplett zu machen, fährt der Sitz wie im Flieger in Sofa-Stellung, die Fußrasten klappen aus. Jetzt fehlt nur noch das Glas Champagner und schon kann man sich den neuesten Hollywood-Schinken im Format 32:9 mit 8 K Auflösung im Fonds anschauen. Aber leider ist kein Kühlschrank an Bord – sonst fühlt man sich wie im Autokino, nur dass das Kino jetzt im Auto ist. Das bietet kein anderer Hersteller. Aus Hollywood stammt übrigens auch der (künstliche) Motor-Sound. Komponiert von einem echten Oskar-Preisträger. Über 150 Filme (von Top Gun Maverick über Blade Runner bis hin zu Pirates of the Caribbean) hat Hans Zimmer schon vertont – und jetzt auch den neuen 7er. Und damit haben wir den vierten Grund, warum dieser 7er so besonders ist.

BMW i7 xDrive60 all Türen geöffnet
Die Türen des neuen 7ers öffnen sich automatisch, entweder auf Knopfdruck oder per Handy-App. Natürlich sind Sensoren eingebaut, damit die Türe nicht beim nebenan geparkten Nachbarauto einschlägt. © BMW

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BMW i7 xDrive60: Automatisch fahren bis Tempo 130

Noch etwas kann der i7 besser als die Konkurrenz – und damit natürlich auch als seine Vorgänger. Auf Wunsch ist der Dienstwagen der Vorstandsetagen mit einem virtuellen Chauffeur unterwegs. Automatisches Fahren auf dem Level 3 – das beherrscht der BMW und darf es zumindest in den Vereinigten Staaten schon bis 85 Meilen (rund 130 km/h) praktizieren. Der Luxus-Liner hält Geschwindigkeit, Abstand und Spur – ohne, dass der Fahrer eingreifen muss. Er kann sogar die Hände vom Lenkrad nehmen, das Auto fährt wie von Geisterhand völlig allein. Grundvoraussetzung ist, dass der Blick nach vorne geht auf die Straße. Das kontrolliert die Augenkamera nämlich ziemlich akribisch. Schaut man zu lange weg, mault das Auto und man muss die Kontrolle über das Fahrzeug wieder selbst übernehmen. Die Hände, respektive den Zeigefinder braucht man nur noch, um zu überholen. Blinker kurz antippen, schon schert der BMW selbständig aus, zieht am Vordermann vorbei und kehrt in die Spur zurück. Grund Nummer 5, warum dieser 7er der Beste ist.

BMW i7 xDrive60 Heck
Eine Karosserie, verschiedene Antriebe. Die elektrische Variante des neuen 7er BMW erkennt man nur an den fehlenden Auspuffrohren. Gefertigt wird das Flaggschiff im Dingolfing, alle Motorisierungen auf einer Linie. © DANIEL KRAUS / BMW

BMW i7 xDrive60: Keine Extrawurst mehr beim Design

Mann ist der lang. 5,36 Meter Gardemaß weist der neue 7er auf und ist damit um fünf Millimeter länger als die bisherige Langversion. „One size fits all“ heißt es künftig, denn es gibt nur noch diese Karosserie, die mit einem Radstand von 3,22 Meter allen Platz-Anforderungen genügen dürfte. Übrigens auch für alle Motorisierungen. Im Gegensatz zu anderen Herstellern sieht man diesem BMW nur am Heck an, dass er elektrisch ist. Die Auspuffrohre fehlen – logisch, ansonsten gleicht der i7 XDrive60 dem 760i oder dem 740d oder dem Hybriden 750e wie ein Ei dem anderen. Keine Extrawurst mehr beim Design – damit ist der elektrische Antrieb in der neuen Wirklichkeit angekommen. Apropos Design: Das elegante Äußere spiegelt sich im Interieur wider. Shytec nennt man das, was man sieht beziehungsweise nicht sieht jetzt bei BMW. Shy wie scheu, und tec wie Technologie. Bedeutet nichts anderes als, dass die meisten Schalter und Knöpfe dezent hinter dem beleuchteten kristallin wirkenden Bedienfeld verschwinden. Noch schnell zwei Features, die den neuen 7er auch in Sachen Komfort zum Besten seiner Zunft machen: Über 5.5 Zoll große Touchpads in den Armlehnen steuern Fondpassagiere die Entertainment-Funktionen, Telefonie, Sitzposition und Innenlicht – und wer auf den großen Auftritt steht, kann alle vier Türen gleichzeitig von außen mit dem Handy öffnen.

Die Aussichten: Sonnig mit bis zu 660 PS

Die Aussichten auf einen echten M sind der letzte und siebte Grund, warum dieser 7er so besonders ist. Schon 2023 will BMW den i7 M70 xDrive auf die Straße bringen. Der bietet laut ersten Prognosen 485 kW (660 PS) und wird damit zum stärksten 7er aller Zeiten. Schon jetzt haben die beiden Elektromotoren leichtes Spiel mit dem schweren Luxus-Liner. Da kann man sich gut vorstellen, dass der M70 noch eine atemberaubende Schippe drauflegt. Die hausinterne Messlatte liegt jedenfalls hoch. Der bisherige Platzhirsch 760Li mit dem V-Zwölfzylinder-Benziner schafft Tempo 100 in 3,7 Sekunden. Rudolf Bögel

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