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Deutscher Verkehrsforscher sicher: Autofahren muss „finanziell unattraktiv“ werden

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Damit eine Verkehrswende in Deutschland überhaupt gelingen kann, braucht es laut einem Forscher Maßnahmen, die den Menschen das Autofahren „verleiden“.

Nähert sich die Tanknadel der roten Zone, dann kreisen die Gedanken der meisten Autofahrer im Moment schon um die gewaltige Rechnung an der Zapfsäule. Nach dem Ende des umstrittenen Tankrabatts schossen die Spritpreise sofort wieder in die Höhe – wobei auch in den drei Monaten der Steuersenkung Benzin und Diesel nicht wirklich günstig waren. Alle, die auf ein Auto angewiesen sind, hoffen nun auf bessere Zeiten, was den Spritpreis angeht – nicht so ein Forscher der TU Berlin. Er fordert, jegliche Subventionen für das Auto zu stoppen, um die Menschen dazu zu bringen, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen.

Autos fahren durch eine Stadt
Laut einem Forscher der TU Berlin muss man den Menschen das Autofahren „verleiden“. (Symbolbild) © Michael Gstettenbauer/Imago

Deutscher Verkehrsforscher: Autofahren muss „finanziell unattraktiv“ werden

 „Die Zeiten, in denen das Auto den Vorrang vor allen anderen Verkehrsmitteln hat, sind vorbei“, sagt Oliver Schwedes, Leiter des Fachgebiets Integrierte Verkehrsplanung an der TU Berlin. Seiner Meinung nach scheue sich die Politik bislang, die Autofahrer mit dieser Wahrheit zu konfrontieren. Dem Wissenschaftler zufolge tritt Deutschland bei der Verkehrswende auf der Stelle: Zwischen 1990 und 2020 – also innerhalb von 30 Jahren – seien laut Bundesumweltamt im Verkehrssektor lediglich zehn Prozent an CO₂-Emissionen eingespart worden. Lag der Treibhausgas-Ausstoß 1990 bei 164 Millionen Tonne CO₂, so seien es 2020 immer noch 146 Millionen Tonnen gewesen. Dass die Bundesregierung ihr Ziel erreiche, bis zum Jahr 2030 nur noch 85 Millionen Tonnen CO₂ im Verkehrssektor auszustoßen, hält Schwedes für „fraglich“.

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Wissenschaftler: Nachhaltige Verkehrspolitik darf sich nicht am „Wohl des Autofahrers“ orientieren

Daher hat der Wissenschaftler das Forschungsprojekt „Pull & Push – Gut und Böse“ initiiert, das untersuchen soll, mit welchen Strategien eine nachhaltige Verkehrspolitik umsetzbar ist. Der Plan soll sich dabei aber nicht am „Wohl des Autofahrers“ orientieren, sondern am Klimawandel, wie einer Kurzbeschreibung des Projekts zu entnehmen ist. Über die Lösung von Problemen, die zum Beispiel Familien mit Kindern oder Menschen auf dem Land ohne ein Auto haben würden, ist darin allerdings nichts zu finden. Vielen Menschen fällt nämlich der komplette Verzicht aufs Auto ganz schön schwer – das zeigte erst kürzlich ein Versuch von Wissenschaftlern der Universität Hamburg.

Forscher der TU Berlin kritisiert „Parallelfinanzierung“ von Tankrabatt und 9-Euro-Ticket

Besonders kritisch sieht Oliver Schwedes jedenfalls die parallele Finanzierung von Tankrabatt und 9-Euro-Ticket: Das sei einer der „schwerwiegendsten Fehler deutscher Verkehrspolitik“. Für Autofahrer gäbe es keinen Grund vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen, wenn gleichzeitig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch der Sprit subventioniert werde. Den Politikern fehle dem Forscher zufolge der Mut, die „attraktiven Angebote“, die den Autofahrer zu den öffentlichen Verkehrsmitteln ziehen sollen, mit Maßnahmen zu kombinieren, die „ihm das Autofahren verleiden“ – sprich das Autofahren finanziell unattraktiv machen.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Deshalb fordert der Wissenschaftler, sämtliche Subventionierungen des Autos einzustellen – also beispielsweise auch die Pendlerpauschale, die Dieselsubventionierung und das Dienstwagenprivileg.

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