Zwischenfall im Mittelmeer

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Brüssel- Hat ein türkisches Kriegsschiff indirekt gedroht, eine französische Fregatte anzugreifen? Und wenn ja, warum? Eine aufsehenerregende Konfrontation zwischen den Bündnismitgliedern Türkei und Frankreich sorgt in der NATO zunehmend für Sorge und Beunruhigung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete den Vorfall am Mittwoch im Bundestag als "sehr ernst". Es gehe nun darum, alles daran zu setzen, dass sich unter NATO-Mitgliedsstaaten solche Vorfälle nicht wiederholten. Frankreich bestätigte unterdessen, wegen des Zwischenfalls seine Beteiligung an dem NATO-Seeüberwachungseinsatz Sea Guardian vorübergehend auszusetzen.

Bei dem Zwischenfall im Mittelmeer hatte nach Angaben aus Paris ein türkisches Kriegsschiff mehrfach sein Feuerleitradar auf eine französische Fregatte gerichtet. Da solche Systeme in der Regel nur benutzt werden, um Zieldaten für den Gebrauch von Waffensystemen zu liefern, war dies von Frankreich als "extrem aggressiv" gewertet und beim jüngsten NATO-Verteidigungsministertreffen angesprochen worden. Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte daraufhin angekündigt, dass der Vorfall vom 10. Juni nun von den NATO-Militärbehörden untersucht werde - auch weil die französische Fregatte zum Zeitpunkt des Zwischenfalls im Rahmen der Operation Sea Guardian unterwegs war.

Von der Türkei werden die Vorwürfe Frankreichs vehement zurückgewiesen. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu zitierte einen ranghohen Militär, der die Anschuldigungen als "vollkommen realitätsfern" zurückwies.

Demnach soll die französische Fregatte "Courbet" in unmittelbarer Entfernung des türkischen Schiffs gefährlich schnell unterwegs gewesen sein und keinen Funkkontakt aufgenommen haben. Zur Überwachung dieses Manövers habe das türkische Schiff aus Sicherheitsgründen die integrierte Kamera des Radars benutzt, es sei aber keine Zielerfassung durchgeführt worden. Der Militär verwies zudem darauf, dass die türkische Marine das französische Schiff wenige Tage vor dem Vorfall sogar noch auf hoher See mit Treibstoff versorgt habe. dpa

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