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"Sachsen kann auch anders", erklärten die Organisatoren der Demonstration gegen Rassismus und Ausgrenzung mit rund 40 000 Teilnehmern am Samstag in Dresden.

Zeichen gegen Fremdenhass

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Dresden (dpa). Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen haben Zehntausende Menschen in Dresden für eine offene und solidarische Gesellschaft demonstriert. Nach Schätzungen der Veranstalter folgten am Samstag rund 40 000 Menschen dem Aufruf des Bündnisses "Unteilbar" und zogen durch die sächsische Landeshauptstadt, um ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung zu setzen. Die Polizei nannte keine Teilnehmerzahl.

"Sachsen kann auch anders, Dresden ist viel, viel mehr als PEGIDA", erklärten die Organisatoren mit Blick auf das fremdenfeindliche PEGIDA-Bündnis, das in Dresden bis heute regelmäßig Demonstrationen organisiert. Bei den Landtagswahlen am 1. September in Sachsen und Brandenburg werden starke Zuwächse für die AfD erwartet, in Brandenburg könnte die rechtspopulistische Partei den Umfragen zufolge sogar stärkste Kraft werden.

Zu der Demonstration in Dresden hatten mehr als 400 Organisationen und Einzelpersonen aufgerufen, darunter Gewerkschaften und Sozialverbände sowie antirassistische und antifaschistische Gruppen. Auch die beiden großen Kirchen hatten dafür mobilisiert. Unter den Demonstranten waren auch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Linke-Chef Bernd Riexinger, sie traten aber nicht als Redner auf.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zollte den Demonstranten Respekt, nahm aber nicht an der Kundgebung teil. Er könne als CDU-Chef und Regierungschef nicht bei einer Veranstaltung dabei sein, bei der auch Kräfte wie die Antifa mit von der Partie seien, ließ er mitteilen. Es gebe Punkte, in denen er beziehungsweise die CDU und "Unteilbar" auseinanderlägen - beispielsweise die Seenotrettung im Mittelmeer oder das sächsischen Polizeigesetz.

Felix Müller, Sprecher des "Unteilbar"-Bündnisses, ging auch auf Vorwürfe ein, die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold seien in dem bunten Demonstrationszug nicht erwünscht gewesen. Sie seien nicht Ausdruck eines Bündnisses, das alle Menschen ansprechen wolle, die in Deutschland lebten, sagte er. Es sei aber jeder willkommen, der für eine solidarische Gesellschaft eintrete.

Die Haltung stieß auch auf Kritik. Die nordrhein-westfälische Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) schrieb auf Twitter: "Warum sollte Schwarz-Rot-Gold nicht das Symbol derjenigen werden, die heute für eine offene Gesellschaft auf die Straße gehen?"

Ein Jahr nach einer tödlichen Messerattacke in Chemnitz haben unterdessen erneut Rechtsextreme in der Stadt demonstriert. Dem Aufruf des Bündnisses Pro Chemnitz folgten am Sonntagabend aber weit weniger Menschen als angekündigt. Statt der angemeldeten 1000 Teilnehmer kamen nach Angaben von Polizei und Ordnungsbehörde rund 450. Die Polizei war mit knapp 700 Beamten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Bundespolizei im Einsatz. Ein Teilnehmer wurde nach dem Zeigen des Hitlergrußes aus der Demo gezogen.

Viel mehr Zulauf als Pro Chemnitz hatten am Wochenende andere Veranstaltungen in der Stadt. Zu einem dreitägigen Bürgerfest kamen nach Angaben der Organisatoren 67 000 Besucher. Der DGB zählte zudem bei seinem Sommerfest am Sonntag 7500 Gäste.

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