Seit Wochen mahnt die Kanzlerin in der Corona-Krise zu Geduld, doch immer wieder preschen Ministerpräsidenten vor. Jetzt dreht Angela Merkel den Spieß um - und legt die Verantwortung in die Hände der Länder. FOTO: DPA
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Seit Wochen mahnt die Kanzlerin in der Corona-Krise zu Geduld, doch immer wieder preschen Ministerpräsidenten vor. Jetzt dreht Angela Merkel den Spieß um - und legt die Verantwortung in die Hände der Länder. FOTO: DPA

Zahlreiche Erleichterungen

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Vielen konnte es mit den Lockerungen der Corona-Einschränkungen nicht schnell genug gehen. Jetzt wurde tatsächlich eine große Reihe von Regeln zumindest erleichtert.

Bei ihren Gesprächen vor einer Woche haben Bund und Länder noch eher zaghaft Maßnahmen gelockert. Die vergangenen Tage preschten aber immer mehr Bundesländer mit ihren eigenen Lockerungsplänen vor und machten Druck - entsprechend umfangreich sind die Absprachen zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder vom Mittwoch.

Wichtig bei allem, was ab jetzt anders ist, was kommt und was derzeit schon gilt: Auch wenn Bund und Länder regelmäßig miteinander sprechen, gibt es in mehreren Bundesländern abweichende Regelungen.

Das ist neu

Angesichts der regional unterschiedlich hohen Infektionszahlen, soll künftig wieder stärker vor Ort über notwendige Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie entschieden werden.

Hat ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt künftig mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb der letzten sieben Tage registriert, soll sofort ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt werden. Wie die neuen Auflagen konkret aussehen, entscheiden allerdings die Länder selbst.

Die Kontaktbeschränkungen werden bis 5. Juni verlängert, allerdings gibt es eine Erleichterung: Künftig sollen sich auch Angehörige von zwei Haushalten treffen dürfen. In Sachsen-Anhalt dürfen sich auch außerhalb des gleichen Hausstandes bis zu fünf statt zwei Personen treffen. Der Mindestabstand von 1,5 Metern für Menschen aus anderen Haushalten gilt weiter.

Alle Geschäfte können unter Auflagen wieder öffnen, die oft kritisierte Begrenzung auf 800 Quadratmeter wird aufgehoben. In mehreren Ländern war sie auch zuvor schon nicht mehr gültig.

Im Breiten- und Freizeitsport soll das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt werden. Dabei muss eine Distanz von 1,5 bis zwei Metern gewährleistet und der Sport kontaktfrei ausgeübt werden.

Die Fußball-Bundesliga darf die derzeit unterbrochene Saison ab der zweiten Mai-Hälfte mit Geisterspielen fortsetzen.

Die Besuchsbeschränkungen in Kliniken, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen sollen gelockert werden. Jedem Patienten oder Bewohner soll wiederkehrender Besuch durch eine festgelegte Person ermöglicht werden.

Über schrittweise Öffnungen der Gastronomie sollen die Bundesländer selbst entscheiden. Dies gilt auch für Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen.

Jeder Schüler und jedes Vorschulkind soll vor dem Sommer möglichst noch mindestens einmal in die Schule oder in die Kita gehen. Die Einzelheiten regeln die Länder.

Die Notbetreuung in den Kitas soll spätestens ab 11. Mai überall ausgeweitet werden. In einigen Ländern ist das bereits passiert. Auch weitergehende Kita-Öffnungspläne haben mehrere Länder schon bekannt gegeben.

Das gilt noch

In ganz Deutschland muss beim Einkaufen und im öffentlichen Personennahverkehr ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Diese Regelung könnte in den kommenden Tagen auf weitere Bereiche ausgeweitet werden.

Friseure, Spielplätze, Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und Botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Gottesdienste sind unter Auflagen wieder möglich. Das gilt auch für Taufen, Beschneidungen, Trauungen und Trauerfeiern im kleinen Kreis.

Großveranstaltungen wie Volksfeste oder größere Konzerte sollen bis mindestens 31. August 2020 untersagt bleiben.

Arbeitnehmer mit Erkältungsbeschwerden können sich bis mindestens 18. Mai per Telefon vom Arzt krankschreiben lassen.

Für Auslandsreisen gilt bis mindestens Mitte Juni die weltweite Reisewarnung.

Weitere Empfehlungen

Seltener und möglichst zu Zeiten mit wenig Andrang einkaufen gehen.

Wichtige Hygieneregeln beachten wie regelmäßiges und gründliches Händewaschen.

Husten und niesen in ein Taschentuch oder in die Armbeuge.

Körperkontakt mit anderen Personen wie Umarmungen und Händeschütteln vermeiden.

Möglichst keine öffentlichen Verkehrsmittel, sondern besser Fahrrad oder Auto nutzen.

Zur Information nur gesicherte Quellen nutzen.

Hilfe für ältere oder chronisch kranke Menschen anbieten, etwa in dem man für sie einkauft.

Bei Corona-Symptomen sollte man nicht direkt zum Arzt fahren, sondern vorher telefonischen Kontakt mit der Praxis oder dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) aufnehmen.

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