+
Fieberhaft wird nach Therapien gegen die Krankheit Covid-19 gesucht, etliche Testreihen laufen mit bereits existierenden Medikamenten, die ursprünglich für die Bekämpfung anderer Krankheiten entwickelt worden waren. ILLUSTRATION: CDC/ZUMA WIRE/DPA

Wundermittel gesucht

  • schließen

New York testet im großen Stil die Wirksamkeit etablierter Malaria- Medikamente gegen Covid-19. Parallel dazu versuchen etliche Pharmafirmen im Rekordtempo, Impfstoffe und neue Therapien gegen das Virus zu entwickeln.

Gewöhnlich dauert es in den USA etwa neun Monate, bevor die Gesundheitsbehörden breite Feldstudien über die Wirksamkeit eines Medikaments erlauben. In New York klappte das angesichts der rapide steigenden Zahl an Infizierten in drei Tagen. Mit dem Segen von Gouverneur Andrew Cuomo und Rückendeckung aus dem Weißen Haus zirkulieren bereits Zehntausende an Pillen mit den Wirkstoffen Hydroxychloroquin, Chloroquin und dem Antibiotikum "Azithromycin" in den Krankenhäusern des Bundesstaats.

Im Epizentrum der Covid-19-Pandemie in den USA testen die Behörden nun im großen Stil die Wirksamkeit der Mittel, die bereits seit Jahrzehnten gegen Malaria eingesetzt werden. Die erste Welle an schwerkranken Covid-19-Patienten erhält eine Kombination aus Hydroxychloroquin und dem Antibiotikum.

Die Krankenhäuser sind angehalten, Daten wie Sterblichkeit, Gesundung, Viruszahl, Tage am Beatmungsgerät und Tage im Krankenhaus festzuhalten. "Ich habe noch niemals etwas Vergleichbares gesehen", sagt der Chefapotheker der Krankenhausgruppe Northwell Health, Onisis Stefas. Es werde viel über diese Medikamente gesprochen, aber niemand wisse, ob sie wirklich wirkten. "Deshalb werden diese Studien gebraucht."

Der Corona-Berater des Präsidenten, Anthony Fauci, hat wiederholt vor übertriebenen Erwartungen gewarnt. Die Wirksamkeit sei bisher nicht mehr als "anekdotisch". Obwohl die Medikamente allgemein verträglich sind, besteht für eine kleine Patientengruppe das Risiko einer gefährlichen Reaktion des Herzens.

Präsident Trump drängte die Gesundheitbehörden, dem Test nicht im Weg zu stehen, nachdem der New Yorker Hausarzt Vladimir "Zev" Zelenko (46) behauptete, er habe "Hunderte" Infizierte erfolgreich behandelt.

Weniger gewagt und vielversprechend sind die Feldstudien eines antiviralen Medikaments der Firma Gilead Sciences, die zeitnah im April Ergebnisse zu liefern versprechen. "Remdesivir" wird zurzeit in China, den USA und Südkorea getestet, nachdem das renommierte "New England Journal of Medicine" von anekdotischen Erfolgen berichtet hatte. Das Medikament war für die Behandlung von Menschen entwickelt worden, die an dem tödlichen Ebola- Virus erkrankt waren.

Weil Therapien gegen das Coronavirus schnellere Erfolge versprechen als Impfstoffe, die frühestens in einem Jahr in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen, gibt es eine Vielzahl an Ansätzen, die parallel vorangetrieben werden. Neben neuen antiviralen Medika-menten werden eine Reihe von Wirkstoffen getestet, die gegen Arthritis im Einsatz sind.

Die New Yorker Firma Regeneron beschreitet einen anderen Weg, der auf Antikörper setzt, die von Covid-19 genesene Menschen vor einer Neuinfizierung schützen. Sollten die bereits geneh- migten Tests erfolgreich verlaufen, sieht sich die Firma in der Lage, ab August monatlich 200 000 Dosen zu produzieren.

Die rasante Genehmigung solcher Versuche ist nach Ansicht der Pharma-Fachanwältin Dianne Bourque beispiellos. "Unsere Klienten versuchen verzweifelt, etwas zu finden, was Patienten unmittelbar hilft."

Unterstützt wird der Kampf gegen das Virus durch eine Initiative der Gates-Foundation, die bereits 125 Millionen Dollar für einen Fonds zur beschleunigten Entwicklung von Therapien gegen Covid-19 eingenommen hat. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Ehefrau Chan steuerten dazu gerade erst 25 Millionen Dollar bei. "Wir wollen die finanziellen Risiken und technischen Barrieren absenken", erklärt Mark Suzman von der Gates-Foundation die Stoßrichtung der Initiative.

Die Entwicklung von Impfstoffen dauert länger, weil sie umfassendere Tests verlangt, um Wirksamkeit und Sicherheit der Vakzine zu garantieren. Das amerikanische Biotech-Unternehmen Moderna hatte bereits am 17. März mit ersten Impfversuchen in Seattle begonnen. Es setzt dabei auf ein neuartiges Verfahren, das auch von dem Pharma-Riesen Pfizer eingesetzt wird, der zusammen mit dem deutschen Unternehmen BioNTech einen Impfstoff entwickelt. Die ersten Versuche sind für Ende April geplant.

Insgesamt beteiligen sich weltweit mindestens 35 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen an dem Wettrennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Das beispiellose Forschungstempo liegt auch an der schnellen Bereitstellung des genetischen Codes des Virus, den chinesische Forscher entschlüsselt haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare