"Wir stehen zusammen"

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Hanau/Berlin- Tausende Menschen haben in ganz Deutschland am Donnerstagabend bei Mahnwachen der Opfer des mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlags in Hanau gedacht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sprachen in Hanau vor rund 5000 Menschen. "Heute ist die Stunde, in der wir zeigen müssen: Wir stehen als Gesellschaft zusammen, wir lassen uns nicht einschüchtern, wir laufen nicht auseinander", sagte Steinmeier.

Friedliche Gedenkveranstaltungen gab es nach Angaben der Polizei auch in Frankfurt, Kassel, Fulda, Gießen oder in Darmstadt sowie in Hamburg und Berlin. In Frankfurt versammelten sich an der Paulskirche nach Polizeiangaben rund 3500 Menschen.

Bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag hat ein Deutscher in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der 43-jährige Sportschütze seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben.

Rassistische Gesinnung

Der Mann habe eine "zutiefst rassistische Gesinnung" gehabt, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Donnerstag. Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internet-Seite ergeben. Die Todesopfer seien zwischen 21 und 44 Jahre alt gewesen und hätten einen Migrationshintergrund gehabt. Der Täter habe sechs weitere Menschen verletzt, einen schwer. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte, der Generalbundesanwalt ermittle wegen des Verdachts einer terroristischen Gewalttat. Frank selbst sprach am Nachmittag nicht davon. Nach einer Telefonschalte der Innenminister von Bund und Ländern sagte der bayerische Ressortchef Joachim Herrmann (CSU), man gehe davon aus, "dass es sich um einen rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Hintergrund handelt". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel verurteilten die Tat und Rassismus auf das Schärfste. Der mutmaßliche Todesschütze Tobias R. kommt laut den Behörden aus Hanau. Gegen 22 Uhr am Mittwochabend eröffnete er in einer Shisha-Bar das Feuer. Danach schoss er in einer weiteren Bar und einem Kiosk um sich.

Mehrere Politiker gaben der AfD eine Mitschuld: "Das sind geistige Brandstifter", sagte SPD-Vize Hubertus Heil. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bezeichnete die AfD als "politischen Arm der extremen Rechten". Der Bewerber um den CDU-Vorsitz, Norbert Röttgen, sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir müssen das Gift bekämpfen, das von der AfD und anderen in unsere Gesellschaft getragen wird." AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland wies die Vorwürfe einer indirekten Mitverantwortung zurück. dpa

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