EU will eine grüne Revolution

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Brüssel- Gesündere Lebensmittel für europäische Verbraucher und umfassenden Naturschutz will die EU-Kommission innerhalb der kommenden zehn Jahre erreichen - die betroffenen Bauern protestieren jedoch lautstark. Der Präsident des Deutschen und Europäischen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sprach am Mittwoch von einem "Generalangriff auf die gesamte europäische Landwirtschaft". Anstelle neuer Auflagen forderte er mehr Kooperation.

Die EU-Kommission präsentierte ihre Strategien für eine nachhaltigere Ernährung und mehr Artenschutz in der EU jedoch selbstbewusst. "Das ist die konkrete Übersetzung dessen, was wir mit dem "Green Deal" angekündigt haben", sagte Vizepräsident Frans Timmermans.

Der "Green Deal" ist ein Kernvorhaben der EU-Kommission unter Ursula von der Leyen - stand zuletzt aber im Schatten der Corona-Krise. Die EU soll bis 2050 "klimaneutral" werden, es sollen also keine neuen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen. Was nicht eingespart werden kann, muss gespeichert werden. Die Landwirtschaft trägt vor allem in der Viehzucht erhebliche Mengen Klimagase bei. Andererseits kann Aufforstung große Mengen Kohlendioxid binden.

In ihrer "Vom-Hof-auf-den-Teller"-Strategie nimmt die EU-Kommission nun die gesamte Produktionskette von Lebensmitteln in den Blick. Die EU solle weltweit zum Vorbild für gesunde, umweltschonende und wirtschaftlich verträglich Ernährung werden. Die Pläne sehen unter anderem vor, dass der Einsatz gefährlicher oder schädlicher Pflanzenschutzmittel innerhalb von zehn Jahren halbiert wird.

Außerdem sollen bis 2030 mindestens 20 Prozent weniger Dünger benutzt und der Verkauf antimikrobieller Mittel wie Antibiotika etwa für Nutztiere um 50 Prozent reduziert werden. Um digitale Innovation in der Landwirtschaft voranzutreiben, soll bis 2025 in allen ländlichen Gebieten schnelles Internet verfügbar sein.

Unmittelbare Auswirkung auf das Verhalten von Verbrauchern soll ein verpflichtendes Nährwertlogo auf der Vorderseite von Lebensmitteln haben. Es gehe nicht darum, den Menschen vorzuschreiben, was sie kaufen, sagte Timmermans. Aber sie sollten ihre Entscheidung besser informiert treffen.

Deutschland will noch in diesem Jahr ein Logo für Fertigprodukte einführen - allerdings auf freiwilliger Basis der Hersteller. Bei dem System handelt es sich um den aus Frankreich stammenden Nutri-Score. dpa

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