15 wichtige Minuten

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Sexistische Sprüche und Nachrichten oder ungefragt Bilder von männlichen Geschlechtsteilen geschickt bekommen - viele Frauen kennen das. Auch dass bei Vergewaltigungen zumindest eine Mitschuld bei der Kleidung einer Frau gesucht wird, ist keine Seltenheit. Auf all diese Themen haben die Moderatoren Joko Winterscheidt (41) und Klaas Heufer-Umlauf (36) mit ihrer Sendung "Männerwelten - Belästigung von Frauen" ein Schlaglicht geworfen - und ernteten dafür im Netz vor allem Dank und Zustimmung. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Medien zeigten sich bestürzt und berichteten ebenso von ähnlichen Erfahrungen - von sexueller Belästigung bis hin zu sexueller Gewalt.

Winterscheidt und Heufer-Umlauf hatten bei ProSieben 15 Minuten freie Sendezeit erspielt und sie für das ernste Thema genutzt. Die Autorin und Journalistin Sophie Passmann führte ab 20.15 Uhr durch die fingierte Kunstausstellung "Männerwelten".

Rund 2,04 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sahen die Sendung am Mittwochabend im Fernsehen, das entspricht einem Marktanteil von 6,3 Prozent. Auf YouTube wurde der Beitrag bis Donnerstagmittag mehr als eine Millionen Mal aufgerufen.

"Es ist nicht deine Schuld. Niemals #Männerwelten", twitterte die frauenpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der Grünen im Bund, Ricarda Lang. Die Journalistin Anne Will verlinkte den Beitrag in einem Tweet mit dem Zusatz "Pflichtprogramm". Außenminister Heiko Maas (SPD) bedankte sich mit einem Tweet bei den Moderatoren sowie allen Frauen, die "von ihren grausamen Erfahrungen berichtet haben". Der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken bezeichnete die Viertelstunde als "die wahrscheinlich wichtigsten 15 Minuten Fernsehen des Jahres".

Zu Beginn der Sendung wurden Dick Pics - mit unkenntlich gemachten Genitalien - präsentiert, die viele Frauen im Internet ungefragt zugeschickt bekommen. Sie finde dies "einfach unter aller Sau" und "verstörend" sagte dabei die Moderatorin Palina Rojinski im Gespräch mit Passmann. Fernsehmoderatorin Jeannine Michaelsen, Moderatorin, Autorin und DJ Visa Vie und Model Stefanie Giesinger trugen Hasskommentare vor, mit denen sie in sozialen Netzwerken beleidigt worden sind. Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes und Entertainerin Katrin Bauerfeind präsentierten außerdem übergriffige Chat-Verläufe.

Stevie Schmiedel von der Protestkampagne Pinkstinks findet es "großartig", dass die beiden Moderatoren ihre Marke und die prominente Sendezeit nutzen, "um auf ein Thema aufmerksam zu machen, dass immer, aber besonders in diesen Wochen zu wenig Aufmerksamkeit erfährt". Gleichzeitig müsse beobachtet werden, wie das Thema in Zukunft thematisiert wird. dpa

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